Eine ehemalige Sparkassenfiliale, an der der alte Schriftzug noch zu erkennen ist. © Picture Alliance Foto: Hendrik Schmidt

Pandemie beschleunigt Rückgang der Bankfilialen in Schleswig-Holstein

Stand: 13.07.2021 19:00 Uhr

Immer mehr Filialen im Land schließen oder fusionieren. Die Commerzbank will etwa die Hälfte ihrer 35 Standorte in Schleswig-Holstein schließen. Und auch andere Geldinstitute haben ihre Filialstandorte stark reduziert.

Nach Angaben des Bankenverbandes in Schleswig-Holstein gehen die Zahlen der Bankfilialen seit etwa 20 Jahren stetig zurück - durch die Pandemie sei das nun aber noch einmal beschleunigt worden, so ein Sprecher. Auch weil viele ältere Menschen in dieser Zeit auf Online-Banking umgestiegen seien.

Privatbanken schließen viele Zweigstellen

Vor allem Privatbanken haben im vergangenen Jahr viele Zweigstellen geschlossen. Das belegen die Zahlen der Bundesbank. Demnach wurden 2020 deutschlandweit 1.155 Filialen zu gemacht. Zum Vergleich: Die genossenschaftlichen Banken - wie die Volks- und Raiffeisenbanken (VR-Banken) - reduzierten ihr Netz bundesweit um etwa 710 Filialen. Bei den Sparkassen und Landesbanken waren es etwa 680 - darunter zwei Sparkassen in Schleswig-Holstein. In den vergangenen zehn Jahren ist etwa ein Drittel der Sparkassenfilialen in Schleswig-Holstein geschlossen worden. Laut Sparkassen- und Giroverband gab es zum Jahreswechsel im Land noch insgesamt 216 Filialen - mehr als 100 weniger als noch 2011.

Und nun also auch die Commerzbank. 17 der 35 Standorte sollen ab Oktober nicht weiter betrieben werden, wie die Bank in der vergangenen Woche ankündigte.

Bank-Beratung per Telefon oder Videoschalte

Grund für das Filialsterben ist nach Angaben aller Geldinstitute, dass sich die Bedürfnisse der Kunden verändert haben. Viele erledigen ihre Bankgeschäfte mittlerweile online und zahlen mit Karte oder per App. Wenn Bargeld benötigt wird, heben viele Kunden das inzwischen an der Supermarktkasse oder Tankstelle ab. Vor allem Filialen in ländlichen Regionen hätten deshalb immer weniger Kunden, heißt es von den VR-Banken. Deshalb denken die Banken um und bieten verstärkt Beratungsgespräche am Telefon oder per Videoschalte an.

Trotzdem soll es auch in Zukunft noch Filialen geben, meint Björn Selck von den VR-Banken in Schleswig-Holstein. "Neun von zehn Kunden in Schleswig-Holstein lassen sich am liebsten persönlich in der Filiale beraten. Zum Beispiel bei der Finanzierung einer Immobilie." Daher werde man auch in Zukunft nicht vollständig auf Filialen vor Ort verzichten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.07.2021 | 19:00 Uhr

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