Stand: 10.02.2020 07:13 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Orkantief "Sabine": Mehr als 1.200 Einsätze für Retter in SH

Sturmtief "Sabine" hat für einige Auswirkungen in Schleswig-Holstein gesorgt. Die Leitstellen im Land haben bis Montagmorgen mehr als 1.200 Sturm-Einsätze gemeldet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte zuvor eine Unwetterwarnung herausgegeben. Demnach rechnet der DWD an der Nordsee mit Orkanböen von bis zu 130 Kilometer pro Stunde. Bisher wurden auf Sylt Windgeschwindigkeiten von 110 Kilometern pro Stunde gemessen - das ist Windstärke 11. Beim Kieler Leuchtturm meldete die Messstation einen Wert von 140 Kilometern pro Stunde. "Im Landesinneren liegen wir derzeit bei Werten von 70 bis 110 Kilometern pro Stunde, sagte NDR Wetterexperte Meeno Schrader am Sonntagabend. Für die Nordseeküste besteht laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) am Nachmittag die Gefahr einer Sturmflut.

Pinneberg: Mehrere Häuser evakuiert

Polizisten während der Evakuierung in einer Neubausiedlung in Pinneberg. Im Hintergrund ein Kran, der umzukippen drohte. © dpa Foto: Daniel Bockwoldt
In einem Neubaugebiet in Pinneberg drohte dieser Kran umzukippen.

In Pinneberg drohte wegen des Sturms, ein 33 Meter hoher Baukran in einem Neubaugebiet umzukippen. Aus Sicherheitsgründen evakuierte die Feuerwehr mehrere Gebäude in der Nähe. Die rund 120 betroffenen Anwohner seien - mit Ausnahme einer vierköpfigen Familie - laut Feuerwehr bei Verwandten und Bekannten untergekommen. Am frühen Montagmorgen durften sie zurück in ihre Häuser und Wohnungen. Der Kran kann laut der zuständigen Firma maximal Windgeschwindigkeiten von 110 Kilometern pro Stunde standhalten. Laut DWD sind für diese Region für den späten Abend 140 Kilometer pro Stunde vorhergesagt. Ein Abbau des Krans würde zehn Stunden dauern. "Das Risiko ist einfach zu groß", sagte Pinnebergs Wehrführer Claus Köster. "Wir können nicht verhindern, dass der Kran umfällt. Wir wollen zumindest die Menschen retten, die da wohnen."

Retter suchen Kiter

Die allermeisten Einsätze waren für Polizei und Feuerwehr gewöhnlicher: Oft handelte es sich um umgestürzte Bäume, herabfallende Äste und abgedeckte Dächer. Im Bereich Wankendorf wurde ein Strommast beschädigt. In Plön wurde das Dach eines Hauses teilweise abgedeckt. In St. Peter-Ording suchten Feuerwehr und DLRG vermisste Kitesurfert. Passanten hatten zwei Kite-Schirme im Wasser gesehen und die Rettungskräfte alarmiert. Nach einigen Minuten konnte Entwarnung gegeben werden - die beiden Kiter waren an Land geschwommen.

Feuerwehrmann in Siek leicht verletzt

In Wester-Ohrstedt (Kreis Nordfriesland) stürzte ein Baum auf Bahngleise. In Büsum löste sich die Verkleidung eines Schornsteines und fiel auf die Straße. In Kaltenkirchen und Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) fielen Äste auf Fahrbahnen. In Lübeck wehte der Sturm mehrere Bauzäune an der Untertrave um. Die Feuerwehren rückten jedoch auch zu Einsätzen auf Autobahnen und Eisenbahnstrecken mit Oberleitungen aus. In Siek im Kreis Stormarn wurde ein Feuerwehrmann durch herumfliegende Gegenstände leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht.

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Sturmflut am Fähranleger Dagebüll © Daniel Friedrichs Foto: Daniel Friedrichs

Orkan: Weiter Behinderungen - Sturmflut-Warnung an Nordsee

Orkantief "Sabine" sorgte für viele Probleme. Das BSH warnt vor Sturmfluten an der Westküste. Bei Pinneberg stürzte ein Baum auf die Gleise. Zahlreiche Züge zwischen Hamburg und SH fielen aus. mehr

Die Folgen des Sturms für den Bahnverkehr

Vor allem Zugreisende spürten am Sonntag die Auswirkungen des Sturms:

Der Fernverkehr der Deutschen Bahn wurde bundesweit eingestellt.

Die Deutsche Bahn reduzierte am Sonntag auch ihr Angebot im Regionalverkehr deutlich. Die Züge, die unterwegs waren, fuhren deutlich langsamer. Einige Teilstücke konnten wegen des Sturms und seiner Folgen nicht befahren werden. Über die aktuellen Ausfälle informiert DB Region auf ihrem Twitteraccount. Ausfälle gibt es derzeit noch unter anderem noch auf folgenden Linien:

  • RE 6 (Niebüll - Westerland, Husum - Hamburg-Altona)

  • RE 7 (Flensburg -Neumünster, einige Züge fallen aus, Folgezüge nutzen, Ersatzzug zwischen Süderbrarup und Flensburg)

  • RE70 (Hamburg - Kiel, Folgezüge nutzen)

  • RE 72 (Gettorf - Süderbrarup, ab Gettorf Folgezug nutzen, zwischen Süderbrarup und Flensburg gibts einen Ersatzzug)

  • RE72 (Eckernförde - Gettorf)

  • RB75 (Rendsburg - Kiel)

  • RB 76 (Kiel - Opendorf, Ersatzbusse fahren)

  • RB 81 (Ahrensburg - Hamburg, Folgezüge nutzen)

Auch der Syltshuttle und der blaue Autozug fahren nicht mehr. Reisende können sich über die kostenlose Bahn-Hotline über aktuelle Auswirkungen des Sturms auf den Bahnverkehr informieren: 08000 99 66 33. Eine Übersicht über Zugausfälle finden sie auf diesen Seiten der Bahn.

Sturm macht auch anderen Verkehrsmitteln Probleme

  • Fähren: Die Fährverbindungen zu den nordfriesischen Inseln Amrum, Föhr, Pellworm und Sylt vor der Küste Schleswig Holsteins waren zum großen Teil eingestellt. Die Fähre von Römö nach Sylt fuhr allerdings noch. Allerdings fallen drei Fährfahrten von Havneby und List am Montag aus.

  • Flugzeuge: Am Hamburger Flughafen wurden 55 Flüge gestrichen, vor allem von Lufthansa und Eurowings.

  • Autos: Der ADAC rät vorerst von unnötigen Autofahrten ab. Wer dennoch fahren müsse, solle mehr Zeit einplanen, langsam fahren und sich auf blockierte Straßen einstellen.

Wie es aktuell auf den Straßen im Land aussieht, erfahren Sie auf den Seiten des Verkehrsstudios.

Kein Schulausfall angekündigt

Während in einigen Städten in Nordrhein-Westfalen bereits die Schule abgesagt wurde, gibt es für Schleswig-Holstein bislang noch keinen wetterbedingten Schulausfall. Das Land weist aber darauf hin, dass Eltern bei witterungsbedingten Verkehrsbehinderungen oder einer besonderen Gefährdung auf dem Schulweg selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind zur Schule schicken oder es vorzeitig vom Unterricht abholen.

Landesforsten warnen vor Betreten der Wälder

Die schleswig-holsteinischen Landesforsten (SHLF) warten vor dem Betreten der Wälder. Spaziergänger, Wanderer und Reiter sollten die Wege in den Landesforsten während des Sturmtiefs meiden, sagte SHLF-Direktor Tim Scherer. Während des Sturms könnten starke Äste abbrechen und Bäume umstürzen, was den Aufenthalt in den Wäldern lebensgefährlich mache - auch nach dem Sturm. "Da der Boden vom vielen Niederschlag aufgeweicht ist, muss damit gerechnet werden, dass weiterhin Bäume umstürzen oder herabfallende Äste eine Gefahr darstellen", sagte Scherer.

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Ein umgestürzter Baum liegt in Hamburg auf einem Auto. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Sturm "Sabine" sorgt für viele Rettungseinsätze

Sturmtief "Sabine" hat im Norden zwar einige Schäden angerichtet. Meldungen über ernsthaft Verletzte gibt es aber nicht. Viele Flüge, Züge und Fähren fallen aus - ebenso der Unterricht an vielen Schulen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.02.2020 | 06:00 Uhr

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