Stand: 29.05.2019 20:51 Uhr

Organspende: Ziel ist, den Empfängern Gutes zu tun

Bundesweit warten fast 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Viele sterben, bevor sie eine rettende Spende erhalten können. Am 1. Juni ist Tag der Organspende. Im Schleswig-Holstein Magazin widmen wir dem Thema eine ganze Wochenserie: Wie ist es, jahrelang auf ein Organ zu warten, wie lebt es sich mit Organen eines anderen Menschen im eigenen Körper, wie läuft eine Spende ab?

Das Leben sucht sich seinen Weg, genau wie der Tod. Diesmal war es an einem Sonntagmorgen im Mai, als der Anruf kam. Im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg ist eine Patientin verstorben. Der Kieler Chirurg Dr. Jan Beckmann fährt hin, um ihre Organe zu entnehmen. "Das ist für uns ein professionelles Herangehen und das Ziel dabei ist, am Ende auch den Empfängern mit den Organen Gutes zu tun", erklärt Beckmann. "Das ist sicherlich manchmal nicht ganz einfach. Jetzt bei älteren Personen ist es für uns vielleicht auch einfacher. Aber es gibt natürlich auch Situationen, wo Kinder zur Organentnahme anstehen. Da ist es für alle Beteiligten nochmal deutlich belastender", so Beckmann.

Die Vorbereitungen laufen den ganzenTag

Die Körperfunktionen der Patientin werden bis zur Organentnahme künstlich aufrecht erhalten. Ein irritierender Anblick: Der Brustkorb hebt und senkt sich, aber nur durch die Beatmungsmaschine. Schon den ganzen Tag über laufen die Vorbereitungen. Die Frage ist, ob die Organe gesund genug für eine Transplantation sind. Jan Beckmann wird es erst nach der Operation wissen.

Auch juristisch sind die Hürden für die Organentnahme genommen. Nach dem Organspendenskandal vor sieben Jahren sind die Regeln noch einmal verschärft worden. Richtig findet Beckmann. Er braucht Sicherheit. Denn er arbeitet in einem Grenzbereich. In diesem Fall ist die Zustimmung der Patientin eindeutig durch ihren Spenderausweis nachvollziehbar. Die ältere Frau ist nach einem erfüllten Leben gestorben. Schon vor der Operation waren Leber und Nieren der Verstorbenen an Kranke vergeben. Wer die Organe erhält und wo sie eingesetzt werden, das bleibt geheim.

Jeder sollte sich entscheiden - und darüber sprechen

Für niemanden im OP-Saal ist das hier leicht. "Man steht auch so ein bisschen vor der Frage, wie würde ich reagieren, wie würde ich für meine Angehörigen entscheiden", sagt Dr. Ingo Meisenburg von der Deutschen Stiftung Organspende. "Deswegen finde ich es auch so wichtig, dass jeder seine Entscheidung selber trifft und auch darüber spricht. Denn es ist oft eine große Last für Angehörige, eine solche Frage entscheiden zu müssen, so Meisenburg.

In diesem Fall war die Organspende eindeutig von der Patientin bestimmt. Das ist Beckmann am liebsten. Eine Leber kann etwa zwölf Stunden außerhalb eines Körpers überleben, eine Niere sogar 24 Stunden. Einpflanzen werden sie andere Chirurgen in den Empfängerkliniken. Vorher untersuchen Spezialisten noch Gewebeproben, damit nicht doch eine bislang unentdeckte Krankheit mit verpflanzt wird.

Eine Tote - und drei Menschen können wieder hoffen

Jan Beckmann ist fertig: "Gerade am Anfang handelt es sich eigentlich um eine normale Operation, wir machen einen Hautschnitt, der Patient ist anästhesiologisch betreut. Insofern ist das zu Beginn eine gewohnte Situation. Aber das Ende ist sicherlich abweichend", erklärt Beckmann sichtlich erschöpft. Zwei Nieren, eine Leber. Drei Menschen, die dem Tod nahe sind, können jetzt auf das Leben hoffen. Und die Chirurgen haben am nächsten Tag um sieben wieder Dienst.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.05.2019 | 19:30 Uhr

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