Stand: 15.01.2020 05:00 Uhr

Organspende: So wollen Abgeordnete aus SH abstimmen

In Schleswig-Holstein warten derzeit rund 380 Menschen auf ein Spenderorgan. Das geht es einer Statistik von Eurotransplant hervor. Die Zahl der Spender ist in Deutschland seit Jahren niedrig. Deshalb stimmt der Bundestag heute über eine Neuregelung ab.

Widerspruchs- oder Entscheidungslösung

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schlägt die Widerspruchslösung vor, nach der jeder Mensch Organspender ist. Es sei denn, er widerspricht. Die meisten Bundestagsabgeordneten aus Schleswig-Holstein wollen für diese Lösung stimmen, erklären sie auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. Die andere Variante stammt von Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Sie will, dass die Menschen in Deutschland etwa bei Behörden und beim Arzt immer wieder auf das Thema hingewiesen werden. Dabei handelt es sich um die sogenannte Entscheidungslösung.

Für welche Alternative stimmen die Politiker?

Dem Deutschen Bundestag in Berlin gehören insgesamt 26 Abgeordnete aus Schleswig-Holstein an. NDR Schleswig-Holstein hat sich bei den Politikern umgehört, wie sie am Donnerstag abstimmen werden - von 22 Abgeordneten gab es eine Rückmeldung.

Michael von Abercron, CDU

Ich werde für den von mir mit eingebrachten Antrag zur doppelten Widerspruchslösung stimmen. Ich glaube, dass - da nach Umfrageergebnissen bis zu 80 Prozent Organe spenden wollen, aber nur 36 Prozent einen Organspendeausweis haben - wir mit unseren bisherigen Mitteln nicht weit genug gekommen sind. [...] Viele Ängste zum Gesetzentwurf von Bundesminister Spahn, halte ich auch für unbegründet. Niemand wird gezwungen, einer Organspende zuzustimmen. Jeder darf, ohne irgendeine Begründung, die Organspende verweigern. Die nächsten Verwandten haben bei Minderjährigen noch immer das letzte Wort.

Organspende: Die wichtigsten Modelle

Widerspruchslösung

Der Staat geht dabei davon aus, dass grundsätzlich jeder Bürger ein potenzieller Organspender ist - außer, er hat ausdrücklich widersprochen. Schweigen wird also als Zustimmung gewertet. Ein Nein zur Organspende kann etwa in einem Widerspruchsregister dokumentiert werden. Bei einer erweiterten oder doppelten Widerspruchslösung kommen auch die Angehörigen ins Spiel: Hat der Patient keine schriftliche Äußerung hinterlassen, werden sie befragt, wie der Betroffene zur Organspende stand. Anders als bei der Zustimmungsregelung haben sie selber allerdings kein Mitentscheidungsrecht.

Zustimmungslösung

Bei der Zustimmungslösung können nur dann Organe und Gewebe entnommen werden, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten einer Organspende ausdrücklich zugestimmt hat.

Bei der erweiterten Zustimmungslösung können auch die Angehörigen stellvertretend für die verstorbene Person entscheiden, falls diese zu Lebzeiten keine Entscheidung dokumentiert hat. Falls es keinerlei Äußerungen des Patienten gibt, können die Angehörigen selbst entscheiden.

Entscheidungslösung

Die Entscheidungslösung ist eine Ausweitung der erweiterten Zustimmungslösung, die der Bundestag 2012 beschlossen hat. Sie verpflichtet die Krankenkassen und Versicherungen, ihren Kunden regelmäßig Informationen über die Organspende zukommen zu lassen. Alle Bürger sollen sich auf der Grundlage fundierter Informationen mit der eigenen Spendebereitschaft auseinandersetzen.

Reziprozitätslösung

Bei der sogenannten Reziprozitätslösung erhält derjenige, der sich selber als potenzieller Spender registrieren lässt, im Gegenzug im Krankheitsfall bevorzugt selber ein Organ. Das würde einen Anreiz erhöhen, sich als Spender registrieren zu lassen und gleichzeitig für mehr Gerechtigkeit sorgen, weil Trittbrettfahren verhindert wird. (Quelle: Tagesschau.de)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.01.2020 | 08:00 Uhr

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