Opferschutzbeauftragte: Videovernehmung kann Opfer in Prozessen schützen

Stand: 02.12.2021 12:49 Uhr

In Prozessen sollen Richter mehr auf Videovernehmungen setzen, um so Opfer zu schützen. Das forderte die Landesbeauftragte für Opferschutz am Donnerstag in Kiel.

Ziel sei dabei die Vermeidung von Opfer-Aussagen in Hauptverhandlungen, sagte Schleswig-Holsteins Opferschutzbeauftragte Ulrike Stahlmann-Liebelt. In Kiel stellte sie gemeinsam mit Justizminister Claus Christian Claussen (CDU) den Tätigkeitsbericht der Zentralen Anlaufstelle für Opfer von Straftaten und deren Angehörige sowie der Opferschutzbeauftragten vor.

In Flensburg findet die Vernehmung von Missbrauchsopfern bereits per Video statt. Damit will die Flensburger Justiz verhindern, dass Opfer immer wieder schildern müssen, was sie erlebt haben. Die gesetzliche Grundlage für die Videobefragung ist vorhanden, wie der Sprecher der Flensburger Staatsanwaltschaft, Bernd Winterfeldt, im vergangenen Juli sagte. 2019 wurde sie auch auf erwachsene Opfer sexuellen Missbrauchs erweitert. Dennoch nutze die Justiz außerhalb Flensburgs diese Möglichkeiten sehr uneinheitlich, meinte er weiter.

Anlaufstelle gibt es seit Juli 2020

Schleswig-Holsteins Opferschutzbeauftragte Ulrike Stahlmann-Liebelt steht für ein Interview vor der Kamera. © NDR
Ulrike Stahlmann-Liebelt sieht sich selbst als Vermittlerin zwischen Hilfesuchenden und anderen Opferschutzorganisationen.

Stahlmann-Liebelt hält auch die psychosoziale Prozessbegleitung für ausbaufähig. "Unter meiner Mitarbeit wurden zehn neue Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleiter ausgebildet", sagte sie. Die Anlaufstelle für Opfer von Straftaten gibt es seit Sommer 2020. Den Posten der Opferschutzbeauftragten hatte es in dieser Form zuvor noch nicht gegeben. Hilfesuchende können sich telefonisch, per Post oder E-Mail melden - unter anderem unter der Rufnummer (0431) 988 37 63 und per E-Mail unter zentraleanlaufstelle@jumi.landsh.de.

Mehr als 170 Anfragen

Bereits im ersten Amtsjahr gingen bei Stahlmann-Liebelt und ihrem Team 136 Anfragen ein. In den vergangenen Monaten kamen 42 weitere hinzu. Bei den Anfragen ging es hauptsächlich um Vermittlungsanliegen, finanzielle Hilfen sowie allgemeine Fragen zu Strafanzeigen oder um den generellen Ablauf von Strafverfahren. Jeder fünfte Hilfesuchende hatte den Wunsch nach gezielter Rechtsberatung zu laufenden oder bereits abgeschlossenen Ermittlungs- und Strafverfahren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.12.2021 | 13:00 Uhr

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