Stand: 08.08.2018 18:40 Uhr

Nordsee eine tödliche Falle für Pottwale

Es war ein trauriger Anblick: Anfang 2016 waren insgesamt 30 junge männliche Pottwale an den Küsten von Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich gestrandet. Es ist das bisher größte bekannte Pottwalsterben in der Nordsee. Ein Team internationaler Forscher hat 27 Tiere untersucht - darunter auch Kadaver aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Nun liegt das Ergebnis ihrer Studie vor: Die Tiere starben, weil die Nordsee hier für sie viel zu flach ist. Sie konnten nicht mehr richtig navigieren und fanden nicht ausreichend Nahrung, heißt es in der Studie.

Warum haben sich die Tiere in die Nordsee verirrt?

Wie die Tiere in diese für sie tödliche Falle gelangen konnten, so die Studie, dafür gebe es viele Ursachen. "Es ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Kombination großräumiger Umweltfaktoren dafür verantwortlich war, dass die Pottwale in die Nordsee gelangt sind", sagt Abbo van Neer vom Büsumer Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung. Die Einrichtung im Kreis Dithmarschen gehört zur Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo). Was das genau für eine Kombination von Umweltfaktoren von war, können die Forscher nicht sagen. Man habe nur eine Reihe von einzelner Faktoren ausschließen können.

Letzte Nahrung vor 1.300 Kilometern

Für die Studie untersuchte ein 40-köpfiges Team die Kadaver an der Küste von Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Bei den Tieren handelte es sich um noch junge Männchen im Alter zwischen 10 und 16 Jahren. Aufgrund des Mageninhaltes konnten die Forscher ermitteln, dass sie seit der letzten Nahrungsaufnahme wahrscheinlich 1.300 Kilometer aus norwegischen Gewässern in die Nordsee geschwommen waren. Eine der wichtigsten Fragen war, ob die Tiere erkrankt oder geschwächt waren. Darauf fand das Team aber keine Hinweise. "Wir haben uns den Gesundheits- und Ernährungszustand der 27 Tiere genau angeschaut und mehrere Infektionen gefunden - einschließlich Parasiten und eines neuen Herpesvirus. Diese Infektionen waren im Zusammenhang mit den Strandungen aber bedeutungslos", sagt die Büsumer Institutsleiterin, Prof. Dr. Ursula Siebert. Die Ergebnisse decken sich denen der ersten Untersuchungen kurz nach den Strandungen.

Verletzungen, Gift und Plastik nicht ausschlaggebend

Die Wissenschaftler konnten auch keine Hinweise für ein durch Menschen verursachtes Trauma der Tiere ausmachen. Die Wale hatten sich weder in Seilen und Netzen verwickelt, noch waren sie mit Schiffen kollidiert. Anzeichen für eine chemische Verschmutzung habe es auch nicht gegeben, so die Studie. Bei neun untersuchten Walen fanden die Wissenschaftler Plastikmüll in den Mägen der Pottwale. Der Müll führte aber bei keinem der Tiere zu einer Verstopfung des Magen-Darm-Trakts oder einem anschließenden Verhungern, sagen die Forscher. Selbst marine Erdbeben, schädliche Algenblüten oder Veränderungen der Temperatur an der Meeresoberfläche haben die Forscher in ihrer Studie erwogen. Doch auch diese Faktoren seien sehr unwahrscheinlich.

 

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.08.2018 | 19:30 Uhr

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