Ein Strommast steht unter einem wolkenverhangenen Himmel. © NDR Foto: Julius Matuschik

Nordfrieslands erster Anschluss an die Stromautobahn

Stand: 29.09.2021 05:00 Uhr

Nordfriesland ist Schleswig-Holsteins Kreis mit der meisten Windenergie. Mit dem dritten Abschnitt der Westküstenleitung von Heide nach Husum kann der Strom nun besser nach Süden abgeführt werden.

von Peer-Axel Kroeske

Seit etwa 20 Jahren prägen Windparks das nordfriesische Landschaftsbild. Mehr als 800 Windräder mit 2,2 GW Leistung drehen sich aktuell - mehr als in jedem anderen Landkreis in Schleswig-Holstein. Doch bisher war der Weg zur nächsten Anschlussstelle an die internationalen Stromautobahnen mit 380 kV weit. Zur Verfügung standen nur Netze der mittleren Ebene mit 110 kV, die den massiven Zubau von erneuerbaren Energien nicht alleine bewältigen können.

Husumer Umspannwerk für die Leistung von 400 Windrädern

Die bereits fertig gestellte "Mittelachse" entlang der A7 und die Westküstenleitung von Brunsbüttel nach Süderlügum sollen in Schleswig-Holstein nun für ein Stromnetz sorgen, das der Energiewende gewachsen ist. In Husum wird nun das so genannte Verteilnetz der Schleswig-Holstein Netz AG mit dem überregionalen Netz des Betreibers Tennet verbunden. 1,2 Gigawatt können so auf die Stromautobahn gebracht werden. Das entspricht der Höchstleistung von 400 Windrädern oder der Hälfte der in Nordfriesland installierten Leistung aller Windparks.

Wenn die beiden nächsten Abschnitte bis zur dänischen Grenze bei Süderlügum Ende 2023 fertig sind, sollen Windräder deutlich seltener als bisher abgeschaltet werden. In den vergangenen Jahren flossen Entschädigungen in Milliardenhöhe insbesondere an die Windparkbetreiber im Norden Schleswig-Holsteins, weil das Netz überlastet war. Für die Energiewende ist in den kommenden Jahren allerdings ein weiterer Zubau erneuerbarer Energien notwendig. Die Gemeinden müssen sich zudem mit einer Flut von Anträgen für Freiflächen-Solarparks auseinandersetzen. Damit droht das Stromnetz zu Spitzenzeiten erneut an seine Grenzen zu kommen. Die Produktion von Wasserstoff nahe der Wind- und Photovoltaikanlagen könnte es wiederum entlasten.

Kompromiss für den Vogelschutz an der Eiderquerung

Der Bau der Westküstenleitung mit frühzeitiger Bürgerbeteiligung gilt als Vorzeigeprojekt für schnelle Netzplanung. Dennoch liegen die ersten Regionalkonferenzen bereits 10 Jahre zurück. Verglichen mit anderen Regionen in Deutschland gab es nur wenig Widerstand. Der nun fertig gestellte Abschnitt von Heide nach Husum galt dabei als einer der eher schwierigen. Im Dorf Kleve formierte sich eine Bürgerinitiative. Die Trasse verläuft weitgehend parallel zur bereits vorhandenen 110 kV-Leitung. Diese wird nun auf den höheren 380 kV-Masten mitgenommen. Bei der Querung der Eider kreuzt die Trasse eine Vogelzuglinie. Hier wurde die schwächere Leitung unter der Eider verlegt. Bei 380 kV mit Wechselstrom ist dies nach Angaben von Tennet technisch mit zu viel Aufwand verbunden. 9.000 Vogelschutzmarker sind angebracht worden. Diese 50 cm langen Plastikstreifen sollen verhindern, dass die Vögel in die Leitungen hineinfliegen. Hinzu kommen weitere Ausgleichsmaßnahmen: 64 Wildblumenbiotope werden an den Füßen der Masten erblühen, 16 Hektar Wald sind aufgeforstet worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.09.2021 | 19:30 Uhr

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