Stand: 07.07.2017 19:01 Uhr

Noch mehr Polizisten aus SH nach Hamburg

Wegen der massiven Ausschreitungen beim G20-Gipfel werden jetzt noch zusätzliche 200 Polizisten aus Schleswig-Holstein nach Hamburg geschickt. Das teilte die Landespolizei am Freitagmittag mit. Die Beamten haben sich sofort auf den Weg gemacht. Damit sind jetzt 1.700 Polizisten aus Schleswig-Holstein in der Hansestadt im Einsatz. Bis zu 1.400 Kräfte aus dem Norden können den Angaben zufolge gleichzeitig in Hamburg eingesetzt werden. Hamburg hatte nach den Vorfällen der vergangenen Stunden aus dem gesamten Bundesgebiet Verstärkung angefordert.

Einschränkungen bei kleineren Dienststellen

Die Landespolizei machte aber auch deutlich, dass es nun bei kleineren Dienststellen in Schleswig-Holstein zu Einschränkungen kommen könnte. Der Abzug habe hier Auswirkungen auf den Regelbetrieb, hieß es. Der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt bat um Verständnis und machte klar: "Die Sicherheit in Schleswig-Holstein ist und bleibt gewährleistet." Die Polizeireviere im Land seien uneingeschränkt erreichbar. Der Funkstreifendienst werde ebenfalls in gewohntem Umfang gefahren.

GdP besorgt um Polizisten

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Der stellvertretende Landespolizeidirektor, Joachim Gutt, betont: "Die Sicherheit in Schleswig-Holstein bleibt gewährleistet."

Die Gewerkschaft der Polizei in Schleswig-Holstein äußerte sich besorgt über die Krawalle in Hamburg - und auch über die hohe Anzahl von verletzten Polizisten. "Wir verfolgen hier den ganzen Tag die Liveticker und sind entsetzt, fassungslos und schockiert", sagte die Geschäftsführerin der GdP im Land, Susanne Rieckhof, dem Schleswig-Holstein Magazin. Das Ausmaß an Gewalt sei unglaublich hoch. "Wir hoffen, dass unseren ehrenamtlichen Kollegen, die zur Einsatzkräftebetreuung in Hamburg vor Ort sind, nicht auch noch etwas passiert."

Politische Debatte im Land

Die Gewaltausbrüche in Hamburg lösten in Schleswig-Holstein auch eine politische Debatte mit harscher Kritik an gewalttätigen Demonstranten aus. Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) sagte: "Diese blindwütigen Gewaltexzesse sind durch nichts zu rechtfertigen, schon gar nicht mit den Grundrechten der Meinungs- und Versammlungsfreiheit", erklärte der Minister am Freitag. "Wir sehen Menschen, die zerstören und verletzen wollen und dies auch tun." Wer sich derart verhalte, der schade auch all denen, die friedlich von ihren demokratischen Rechten Gebrauch machen wollten. "Die konstruktiven Beiträge und Verbesserungsvorschläge friedlicher Demonstranten werden zunichte gemacht", sagte Grote.

"Das Ausmaß der linksextremistischen Gewalt im Rahmen des G20-Gipfels ist erschreckend", erklärte FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. "Wer glaubt, Angriffe auf Polizisten, Brandschatzung und Vandalismus seien akzeptable Ausdrucksformen des Widerstandes, muss die volle Härte des Rechtsstaates spüren." Nichts legitimiere solche Gewaltexzesse. Ähnlich äußerte sich der SPD-Innenpolitiker Kai Dolgner. "Das hier ist nicht die Steinzeit!", schrieb er auf Facebook. "Wut und Verzweiflung rechtfertigen erstmal nichts! Eine bessere Welt schafft Mensch nicht mit dem Faustrecht."

"Brennende Autos machen die Welt nicht gerechter"

"Autonome Spinner zerlegen Hamburg und diskreditieren den wichtigen politischen Protest gegen die spalterische Politik der G20", postete der Grünen-Landtagsabgeordnete Rasmus Andresen. "Die Welt wird nicht gerechter, indem Autos angezündet werden und Menschen verletzt, ganz im Gegenteil. Deshalb muss der Rechtsstaat auch gegen diese Straftäter entsprechend vorgehen", sagte die polizeipolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Katrin Wagner-Bockey.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.07.2017 | 14:00 Uhr

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