Stand: 04.03.2020 15:40 Uhr

Fünfter Coronavirus-Fall in Schleswig-Holstein

Seit Dienstag gibt es zwei weitere Coronavirus-Fälle in Schleswig-Holstein. Eine Frau aus Ammersbek (Kreis Stormarn) und ein Mann aus Rellingen (Kreis Pinneberg) haben sich nach Behördenangaben infiziert. Damit gibt es nun insgesamt fünf Menschen in Schleswig-Holstein, bei denen das Virus nachgewiesen wurde. Der Mann aus Rellingen arbeitet laut Hamburger Gesundheitsbehörde im Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Er ist ein Kollege des Arztes aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg), der seit vergangener Woche wegen seiner Coronavirus-Infektion unter häuslicher Quarantäne steht.

Rellingen: Schule öffnet wieder

Dem Rellinger geht es den Informationen zufolge gut, er ist aber angewiesen, mit seiner Familie zu Hause zu bleiben. Zunächst wurden auch der katholische Kindergarten Sankt Michael in Pinneberg und die Brüder-Grimm-Grundschule in Rellingen geschlossen, die die beiden Kinder des Manns besuchen. Eines der Kinder ist nach Angaben der Behörden negativ getestet worden und weist keine Symptome auf. Die Schule kann deshalb am Donnerstag wieder öffnen.

Isolation nach positivem Test

Die Frau aus Ammersbek war am Montagabend positiv auf das Virus getestet worden, der Kreis bestätigte die Infektion am Dienstag. Sie weise keine Symptome auf, war aber von einer Reise aus einem Risikogebiet zurückgekehrt. Sie befindet sich auf Anordnung des Gesundheitsamtes in häuslicher Isolation. Weil die infizierte Person bei ihrer Rückkehr keine wesentlichen Kontakte hatte, gelten weitere Ansteckungen laut der Behörde als nicht wahrscheinlich. Zuvor waren drei Fälle im Kreis Segeberg, in Lübeck und im Kreis Herzogtum Lauenburg bestätigt worden.

Mediziner raten zu Vorsichtsmaßnahmen

Experten gehen davon aus, dass sich das Virus bald weiter in Schleswig-Holstein ausbreiten wird. Der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin am UKSH in Kiel, Helmut Fickenscher, empfiehlt vorsorglich Schutzmaßnahmen. "Ich würde Menschenansammlungen meiden, würde eher Abstand zu anderen Personen halten, das Hände geben einstellen. Man kann auch freundlich sein, ohne die Hände zu schütteln." Der Institutsleiter rät außerdem dazu, Hände am besten mit warmem Wasser und Seife zu waschen oder diese zu desinfizieren.

Gesundheitsministerium geht nach Pandemie-Plan vor

Garg hatte bereits vor dem ersten Coronavirus-Fall in der vergangenen Woche gesagt, dass das Land bestmöglich vorbereitet sei. Es gebe einen sogenannten Pandemie-Plan. So könnten betroffene Patienten zum Beispiel in Quarantäne untergebracht werden. Um die landesweiten Maßnahmen bei Bedarf zu koordinieren, habe sein Ministerium extra eine Leitstelle eingerichtet, so Garg. Über diese stehen alle relevanten Ansprechpartner in Verbindung.

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Zunächst beim Hausarzt anrufen

Das Virus löst ähnliche Symptome wie eine heftige Erkältung aus. Dazu gehören Husten, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Fieber ist ein wichtiger Indikator. Auch Durchfall kann auftreten. Das Gesundheitsministerium rät im Verdachtsfall nicht gleich ins Krankenhaus zu gehen, sondern sich telefonisch beim Hausarzt Rat zu holen. Zusätzlich hat der Kreis Segeberg eine Hotline geschaltet, die auch am Wochenende von 10 bis 16 Uhr erreichbar ist. Die Nummer lautet: (04551) 951 98 33.

Personen mit Atemwegserkrankungen, die zuvor in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit einem bestätigten Fall hatten, können sich an die Telefonnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) wenden - auch außerhalb der Sprechzeiten. Nur bei deutlichen Krankheitsbildern wird der Patient stationär aufgenommen. Die Gefahr, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, besteht laut dem Virologen Thomas Lorentz vor allem dann, wenn man Kontakt mit einer Person hatte, die in einem Risikogebiet war - etwa im chinesischen Wuhan oder in Mailand in Italien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.03.2020 | 14:00 Uhr

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