Stand: 23.06.2018 10:29 Uhr

Nobiskrug: 110 Jobs weg - Aus für Lindenauwerft

Die Segeljacht "A", die bevorstehende Übergabe der so genannten Glas-Jacht und zuletzt zwei Aufträge für den Bau neuer Superjachten: Für den Außenstehenden scheinen die Geschäfte gut zu laufenbei Nobiskrug. Doch der Schein trügt: Trotz eines Jahresumsatzes in dreistelliger Millionenhöhe bleibt nicht viel Gewinn übrig. Das soll sich ändern. "Wir wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren", erklärt Bertram Liebler, Geschäftsführer von Nobiskrug. Künftig sollen am Standort in Rendsburg nur noch Megajachten und am Standort Kiel Marineschiffe gebaut werden. Außerdem will sich das Unternehmen aus dem Bereich Offshore komplett und teilweise aus dem Refit- und Reparaturengeschäft zurückziehen.

Bis zu 110 Stellen können wegfallen

Darüber hinaus sollen in Kiel beim Schwester-Unternehmen German Naval Yards alle Stahlrumpfarbeiten gemacht werden. Deshalb will Nobiskrug rund 60 Mitarbeitern hier eine Weiterbeschäftigung anbieten. Es werden aber auch Stellen gestrichen, was aber sozialverträglich passieren wird. "Nach unserer heutigen Einschätzung werden wir rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Altersteilzeitmodelle oder die Überführung in eine Transfergesellschaft anbieten", so Geschäftsführer Liebler. Langfristig können noch 30 weitere Arbeitsplätze zusätzlich wegfallen. Insgesamt sind von den Maßnahmen bis zu 190 Beschäftigte betroffen.

Aus für den Standort Lindenau in Kiel

Die Umstrukturierung von Nobiskrug hat auch Auswirkungen auf den Standort in Kiel-Friedrichsort. "Aus technischen und wirtschaftlichen Gründen müssen wir die Arbeiten am Standort Lindenau einstellen", erklärt Bertram Liebler. Erst vor rund sechseinhalb Jahren kaufte Nobiskrug die insolvente Lindenauwerft. Laut IG Metall arbeiten auf der Lindenauwerft 13 Mitarbeiter, sie sind in den genannten Stellenstreichungen mit einbezogen.

"Keine Alternative" zu Streichungen

Die jetzigen Pläne für die Neuausrichtung des Unternehmens erfolgte gemeinsam mit dem Betriebsrat und scheint unausweichlich. Während sich der Superjachtbau positiv entwickelte, erwies sich der Bau von Offshore-Plattformen als nicht rentabel. "Wir stellen uns dieser Herausforderung mit einem Maßnahmenkatalog, zu dem wir keine Alternative sehen", so der Geschäftsführer von Nobiskrug Bertram Liebler.

Für Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) ist der Stellenabbau eine bedauerliche Nachricht - sein Ministerium befinde sich aber mit Nobiskrug und IG Metall in Kontakt, erklärte er. Die IG Metall will sich jetzt den Zukunftsplan genau anschauen und auch nach Alternativen suchen.

Internationales Geflecht hinter Nobiskrug

Nobiskrug hat seit der Gründung 1905 nach eigenen Angaben weit über 750 Schiffe gebaut. Zum Kerngeschäft zählen heute Entwicklung und Bau großer, individuell angefertigter Superjachten ab 60 Metern Länge. Nobiskrug, Lindenau und German Naval Yards Kiel gehören zur Werftengruppe German Naval Yards Holding GmbH. Diese Gruppe wiederum gehört zur internationalen Privinvest-Gruppe.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.06.2018 | 15:00 Uhr

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