Luftaufnahme des Kieler Standorts der ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). © ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)

Milliarden-Auftrag für Kieler Werft

Stand: 23.06.2021 21:36 Uhr

ThyssenKrupp Marine Systems hat einen neuen Großauftrag. Die Kieler Werft soll für knapp 2,8 Milliarden Euro zwei neue U-Boote für Deutschland bauen.

von Christian Wolf

In Berlin haben die Parlamentarier am Donnerstag über mehrere milliardenschweren Rüstungsaufträge entschieden. Insgesamt sind 27 Rüstungsvorhaben mit einem Gesamtwert von mehr als 19,1 Milliarden Euro auf den Weg gebracht worden. Darin enthalten ist beispielsweise das geplante neue Kampflugzeug mit dem Namen FCAS (Future Combat Air System), dessen Entwicklung bis 2027 mit rund 3,2 Milliarden finanziell dadurch abgesichert ist. Ein Großteil der Summe geht allerdings an die Marine - und damit auch die Werften. Die dürfen sich auf mehr als sechs Milliarden Euro freuen. Beispielsweise kauft Deutschland neue Flottendienstboote für knapp 2,1 Milliarden Euro und auch für mehr als 917 Millionen Euro zwei neue Tanker.

U-Boot-Kooperation mit Norwegen

Ein Rendering des von thyssenkrupp Marine Systems entworfenen U-Boot Typs 212CD. © thyssenkrupp Marine Systems Foto: thyssenkrupp Marine Systems
Die neue U-Boot Klasse 212CD: Auffällig ist vor allem die fast schon eckig wirkende Außenhaut, die normalerweise stromlinienförmig ist.

Den größten Zuschlag hat allerdings ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) erhalten. Die Kieler Werft baut zwei neue U-Boote der Klasse 212-CD für die Deutsche Marine. Die Bestellung ist Teil einer Kooperation mit Norwegen, die vor Jahren geschlossen wurde. Das skandinavische Land gab bereits im März den Kauf ihrer vier Boote in Auftrag. Die insgesamt sechs U-Boote werden in Kiel bei ThyssenKrupp Marine Systems gebaut. Der deutsche Anteil beläuft sich auf knapp 2,8 Milliarden Euro, der norwegische auf rund 4,5 Milliarden Euro.

Buchholz: Ein guter Tag für die maritime Wirtschaft

"Das ist eine tolle Nachricht für TKMS in Kiel, seine Mitarbeiter und industriellen Partner", sagte Geschäftsführer Rolf Wirtz. Dieses Vorhaben sichere zudem auf absehbare Zeit Tausende Arbeitsplätze. Auch Ingo Gädechens sprach von einem wichtigen Signal für die Region. Er ist Bundestagsabgeordneter für den Kreis Ostholstein und Mitglied im Verteidigungsausschuss.

"Der heutige Tag ist ein guter Tag für die maritime Wirtschaft in Schleswig-Holstein. Die Aufträge sichern in erheblichen Maß die Beschäftigung bei TKMS sowie den fast ausschließlich deutschen , zum Großteil mittelständischen, Unterauftragnehmern", sagte Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Luftaufnahme eines U-Boots, dass im Wasser schwimmt. © ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)
AUDIO: Milliarden-Auftrag für Kieler Werft TKMS (1 Min)

Ungewissheit über weitere Marine-Aufträge

Noch ist offiziell nicht bekannt gegeben worden, wer die Flottendienstboote und die Tanker bauen wird. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein sind beide Aufträge an die Bremer Lürssen Werft gegangen. Erst am Donnerstagvormittag hatte die Flensburger Schiffbau Gesellschaft (FSG) ihre Klage gegen die Vergabe der zwei neuen Marine-Tanker zurückgezogen. Das bestätigte Gädechens. Für viele Marine-Experten ist es daher nicht unwahrscheinlich, dass die FSG an dem Projekt am Ende doch noch beteiligt wird. Die FSG wollte sich dazu noch nicht äußern.

Möglicherweise ist auch German Naval Yards Kiel beteiligt. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich auf Nachfrage nicht weiter äußern - nur so viel: "Wir freuen uns, dass die Aufträge vergeben worden sind und die Marine neue Schiffe bekommt. Deshalb ist es in erster Linie ein guter Tag für die Deutsche Marine und die Werftstandorte in Deutschland."

Mögliche neue Nutzung für Hohn?

Aber auch der Flughafen Hohn bei Rendsburg kann möglicherweise profitieren. Denn auch die Beschaffung von dem luftgestützten Aufklärungssystem Pegasus (Persistant German Airborne Surveilliance System) wurde beschlossen. Das etwa 886 Millionen Euro teure Projekt soll in dem Geschäftsflugzeug vom Typ Global 6000 der Marke Bombardier verbaut werden. Seit Jahren macht sich der CDU-Bundestagsabgeordnete des Kreises Rendsburg-Eckernförde, Johan Wadephul, für eine Stationierung in Hohn stark. Entsprechend optimistisch war er nach der Beschaffung des Systems: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass es am Ende mit einer Stationierung in Hohn klappen kann." Allerdings kann das noch etwas dauern. Denn frühestens in zwei Jahren ist das System einsatzbereit. Außerdem sind auch andere Luftwaffenstützpunkte interessiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.06.2021 | 17:00 Uhr

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