Stand: 13.07.2020 15:26 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Neuer Glanz für Bilderbibel im Kloster Preetz

von Kai Peuckert

Es ist ruhig in der Klosterkirche in Preetz. Eigentlich nicht ungewöhnlich, aber die beiden Tageslichtstrahler vor einer der Logen im Nonnenchor passen nicht so recht ins Bild. Wenn man sich ihnen nähert, sieht man warum: Die Restauratorinnen Katharina Martinelli, Isa von Lenthe und Sophie Behnert benötigen für ihre Arbeit an der historischen Bilderbibel aus dem 17. Jahrhundert Licht. Sie müssen ganz genau sehen, was sie bearbeiten. Bevor sie die religiösen Motive ausbessern können, müssen sie zunächst den Firnis, eine schützende Baumharzschicht, entfernen. "Der Firnis vergilbt durch UV-Licht und Alterungsprozesse. Dadurch wird das Gemälde immer dunkler und verunklart die Malerei", erklärt Katharina Martinelli. Zwei Tage lang tragen sie die Schicht vorsichtig mit Wattebällchen und Skalpellen ab. Als sie vor sieben Jahren mit den Arbeiten begann, analysierte Martinelli den Harz genau, damit sie weiß, mit welchem Lösungsmittelgemisch sie ihn entfernen kann. Zum Schutz gegen die giftigen Dämpfe tragen die Restauratorinnen Atemschutzmasken.

Kloster Preetz: Bilderbibel wird restauriert

Schleswig-Holstein Magazin -

In der Preetzer Klosterkirche gibt es ein ganzes Ensemble von Darstellungen, das in Schleswig-Holstein einzigartig ist: die sogenannte Bilderbibel. Diese wird gerade aufwendig restauriert.

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Restaurierungsarbeiten sind spendenfinanziert

Nach mehr als 300 Jahren sind die drei Restauratorinnen aus Berlin die ersten, die die Bilder in der Preetzer Klosterkirche überarbeiten. Wer die Bilder gemalt hat, ist nicht überliefert. Die Restaurierung ist komplett spendenfinanziert. Das ist in Grund, warum die Arbeiten sich so in die Länge ziehen: Jedes Jahr steht immer nur Geld für ein paar Bilder aus der Barockzeit bereit. In diesem Jahr sind es fünf.

Wenn die Baumharzschicht weg ist, bessern die Restauratorinnen Kratzer und Rillen mit Kitt ausgebessert, erst dann können sie die Pinselstriche aus dem 17. Jahrhundert ganz vorsichtig retuschieren. Sophie Behnert arbeitet zum ersten Mal an den Bildern in der Kirche des Adligen Klosters Preetz: "Es ist natürlich schon eindrucksvoll, wenn man sich überlegt, wie viel Geschichte die schon erlebt haben. Und da jetzt einfach mit dem Pinsel draufzugehen, man hat Angst etwas falsch zu machen."

Zu große Fehlstellen werden nicht rekonstruiert

Nicht immer wurde in Preetz mit den Öl-Malereien so vorsichtig umgegangen. Irgendwann benötigten die Nonnen des Klosters Fächer für ihre Gesangbücher und Bibeln. Jemand nahm kurzerhand die Säge und teilte die Bilder. "Außerdem wurden Schlüssellöcher eingesetzt, die zu großen Schäden geführt haben", sagt Martinelli. Zusätzlich haben die Schlüsselbunde Teil die Malereien abgerieben. Wenn die Fehlstellen zu groß sind, rekonstruieren Martinelli und ihr Team sie nicht, da sie nicht sicher sagen können, wie das Motiv ausgesehen hat.

Bilderbibel und Nonnengestühl einmalig

Die Bilderbibel besteht aus fast 140 Darstellungen aus dem alten und neuen Testament. Ursprünglich wurden die Nonnen des Klosters hier in der Heiligen Schrift unterrichtet - lernten zum Beispiel die Geschichte von Salomons Urteil, von Adam und Eva und vom letzten Abendmahl Jesu Christi mit seinen Jüngern am Vorabend seiner Kreuzigung. Auch die ist dargestellt. Früher durften auch nur die Nonnen das Nonnengestühl, in dem sich die Bilderbibel befindet, betreten. Für Priörin Erika von Bülow es ein ganz besonderer Ort. "Es ist wirklich fast einzigartig, dass wir das Nonnengestühl so in dieser Form noch haben. Die Bilderbibel sind fantastische Werke, die hier in Schleswig-Holstein wirklich einzigartig sind", sagte Erika von Bülow.

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Gotische Malereien wurden einfach übermalt

Die heutige Bilderbibel ist aber nicht die erste im Kloster Preetz. An einigen Stellen werden Motive aus dem 15. Jahrhundert sichtbar. Diese gotischen Bilder werden Meister Peters aus Lübeck zugeschrieben und wurden rund 200 Jahre später einfach übermalt. "Das ist nicht unüblich. Man hat einfach dem Zeitgeist und Zeitgeschmack entsprechend die Bilder in der Barockzeit überarbeitet", erklärt Katharina Martinelli. An einigen Stellen wurden auch kleine Teile der älteren Bilder freigelegt. Martinelli würde gerne mehr über die gotischen Malereien erfahren, das wäre aber sehr zeitaufwendig und man müsste die Öl-Bilder des Barocks zerstören. "Man könnte natürlich die Bilder mit Infrarot durchleuchten, damit kann man untere Farbschichten schemenhaft sichtbar machen", sagt die Restauratorin. So könnte man zum Beispiel feststellen, ob die alten und neuen Darstellungen miteinander vergleichbar sind.

Farbe Blau fehlt in den Darstellungen

Die Farbe Blau benötigen die Restauratorinnen für ihre Arbeiten übrigens nicht. Sie kommt in den Darstellungen nicht vor. Flüsse und Seen sind meist grau abgebildet. Sie vermuten, dass der blaue Farbstoff besonders schnell ausgeblichen sei.

Inzwischen sind die Arbeiten in der Klosterkirche für dieses Jahr abgeschlossen. Martinelli muss nur noch etwas aufräumen, die beiden Tageslichtstrahler einpacken und Kirche so verlassen, wie sie sie vorgefunden hat. Ein Unterschied bleibt: fünf weitere Motive der Bilderbibel erstrahlen im neuen Glanz. Im nächsten Jahr wird die Überarbeitung fortgesetzt. Martinelli schätzt, dass sie in zwei bis drei Jahren alle fast 140 Öl-Gemälde überarbeitet hat, mehr als 100 hat sie bereits restauriert. Die Unterschiede zwischen restaurierten und nicht-restaurierten Darstellungen können sich Interessierte bei Führungen durch die Preetzer Klosterkirche zeigen lassen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.07.2020 | 19:30 Uhr

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