Stand: 01.06.2018 14:21 Uhr

Neue Zeugenaussagen: Polizistin direkt angegriffen

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Der IC, in dem sich der Vorfall im Flensburger Bahnhof ereignete, stand am Donnerstag auf einem Abstellgleis in der Nähe des Bahnhofs.

Nach dem tödlichen Vorfall am Mittwoch im Intercity in Flensburg gibt es neue Zeugenaussagen, die den Fall in einem ganz anderen Licht erscheinen lassen. Die Polizei geht inzwischen von einem vollkommen anderen Tathergang in dem Intercity aus als bisher angenommen. Erste inzwischen vernommene Zeugen haben ausgesagt, dass die 22 Jahre alte Polizistin auf dem Weg zur Ausgangstür des Zuges war, als sie von dem Mann mit einem Küchenmesser angegriffen wurde. Der mitreisende 35-Jährige hörte die Hilfeschreie und kam ihr laut Auskunft der Polizei zu Hilfe. Er konnte inzwischen auch vernommen werden. Ihm gelang es, die beiden zu trennen. Bei der Auseinandersetzung ging er zu Boden und wurde ebenfalls angegriffen. Dabei wurde er mit dem Messer verletzt und brach sich den Arm. Die Polizistin zog darauf ihre Waffe und schoss zwei Mal auf den Verdächtigen. Dabei wurde der Angreifer tödlich verletzt.

Staatsanwaltschaft zieht Notwehr in Betracht

Flensburgs Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt kommt nach den neuen Zeugenaussagen zu einer vorläufigen Bewertung. Sollte es sich so dargestellt haben, wie die Aussage des 35-Jährigen vermuten lässt, wären die Schüsse der Polizistin als Notwehr zu beurteilen. Wenn sich das bestätigt, würde das routinemäßig eingeleitete Verfahren gegen die 22-Jährige laut Stahlmann-Liebelt eingestellt werden.

Keine Hinweise auf terroristischen Hintergrund

Bei der Obduktion konnte die Identität des Tatverdächtigen zweifelsfrei geklärt werden. Die eritreische Staatsbürger war im September 2015 nach Deutschland eingereist und hatte eine befristete Aufenthaltserlaubnis für Deutschland. Er wohnte in Nordrhein-Westfalen. Ermittlungen im persönlichen Umfeld des Getöteten haben bisher keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund ergeben.

Der Auslöser, der zu dem Angriff auf die Polizeibeamtin führte, ist weiterhin unbekannt. "Für den konkreten Moment, in dem die Beamtin angegriffen wurde, gibt es keine Zeugen", sagte Stahlmann-Liebelt. Mitreisende im Zug, die noch nicht von der Polizei registriert wurden und Angaben zum Hergang des Geschehens oder zum Verhalten des mutmaßlichen Angreifers während der Zugfahrt machen können, werden weiterhin gebeten, sich bei der Polizei in Flensburg zu melden.

Seehofer sagt dem Land "jede gewünschte Hilfe" zu

So ein Vorfall sei ein einschneidendes Erlebnis für jeden Polizeibeamten, sagte Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange (SPD), die früher selbst Polizistin war: "Ich gehe davon aus, dass die Kollegin sehr beherzt in eine Situation eingegriffen hat." Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, Gewalt dürfe nie geduldet werden, sei sie gegen die Bevölkerung oder gegen Polizisten gerichtet. Es sei ihm "ein wichtiges Anliegen, für Sicherheit in Deutschland zu sorgen". Seehofer wünschte beiden Verletzten schnelle Genesung und bot dem Land Schleswig-Holstein "jede gewünschte Hilfe" an.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.06.2018 | 15:00 Uhr

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