Stand: 19.06.2017 19:28 Uhr

Neue Therapieform gegen den Lungenkrebs

Jutta Gosch-Petschow steht mitten im Leben, als sie die Diagnose Lungenkrebs erhält. Die 62-Jährige hatte gemeinsam mit ihrem Mann große Pläne für weite Reisen. Eines ihrer Traumziele ist Kanada. Doch 2015 wurde bei ihr Lungenkrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt hat der Krebs in ihrem Körper bereits gestreut und Metastasen gebildet. Sie hatte keine Schmerzen, bemerkte aber eines Tages, dass die eine Seite ihres Halses ungewöhnlich dick wurde. Lungenkrebs gilt in diesem Stadium als nicht heilbar, die Prognose der Patienten als ungünstig.

Zwei Hände in blauen Gummihandschuhen mit einer Spritze an einem SChlauch.

Lungenkrebs: Neue Chancen durch Immuntherapie?

Schleswig-Holstein Magazin -

Ein neuer Behandlungsansatz könnte ein Meilenstein in der Behandlung von Lungenkrebs sein: Immunonkologische Therapien wirken eventuell besser als eine Chemotherapie.

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Bisherige Therapie war erfolglos

Der erste Behandlungsversuch mit einer Chemotherapie musste aufgrund von Nebenwirkungen schnell eingestellt werden. Doch für Patienten wie Jutta Gosch-Petschow gibt es jetzt einen neuen Behandlungsansatz: immunonkologische Therapien. "Manche Krebszellen tricksen die körpereigenen Immunzellen aus, so dass diese an ihrer Abwehrfunktion gehindert werden", erläutert Professor Dr. Martin Reck, Chefarzt der Onkologie an der LungenClinic Grosshansdorf. "Die immunonkologischen Therapien setzen genau dort an. Sie versetzen die Immunzellen wieder in der Lage, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Das Immunsystem wird sozusagen reaktiviert."

Ein Meilenstein in der Krebstherapie

So funktioniert die neue Therapie-Methode: Unsere Abwehrzellen haben einen sogenannten Immun-Checkpoint, um zu verhindern, dass sie körpereigene Zellen angreifen. Über den können sie deaktiviert werden. Diesen Mechanismus nutzen allerdings auch die Krebszellen. Manche von ihnen tragen ein oder sogar zwei Eiweißmoleküle, die sich mit dem Checkpoint verbinden können. Die Abwehrzelle wird dadurch deaktiviert und kann den Krebs nicht mehr bekämpfen. Die neuen Wirkstoffe können diesen Immun-Checkpoint blockieren und damit die Interaktion mit den Krebszellen verhindern. Das Immunsystem kann so die Krebszellen wieder erkennen, angreifen und zerstören.

Nebenwirkungen sind nicht vergleichbar

Auch hier gibt es Nebenwirkungen, aber es sind andere als zum Beispiel unter einer Chemotherapie. Es sind vor allem überschießende Reaktionen des körpereigenen Abwehrsystems wie etwa Fieber, Hautausschlag, Schwellungen und Juckreiz im Vordergrund. Die Patienten bekommen regelmäßig ambulant eine Infusion - Jutta Gosch-Petschow alle vier Wochen. Mittlerweile ist ihr Zustand so stabil, dass sie wieder in ihren Beruf zurückkehren konnte. Und sie plant wieder zu reisen. Im kommenden Jahr soll es nach Kanada gehen.

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Neue Therapien gegen Lungenkrebs

Lungenkrebs ist bei Männern und Frauen die häufigste krebsbedingte Todesursache. Auch bei aggressiven Bronchialtumoren werden die Überlebenschancen aber immer besser. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.06.2017 | 19:30 Uhr

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