Stand: 31.05.2016 11:42 Uhr

Neue Rettungswagen für XXL-Patienten

Sie sorgen für Schweißperlen auf der Stirn von Rettungsassistenten und Sanitätern: schwergewichtige Patienten. Weil es immer mehr Übergewichtige gibt, die auch mit mehreren Helfern nicht zu tragen sind und auch nicht auf die Tragen passen, sind in Schleswig-Holstein ab sofort zwei Spezial-Rettungsfahrzeuge im Einsatz. Ein normaler Rettungswagen kann nur Menschen bis zu einem Gewicht von 140 Kilogramm transportieren. Die beiden Spezialwagen sind in Lübeck und Rendsburg stationiert - mit verstärkter Hydraulik und extrabreiten Tragen. "Wir freuen uns, denn jetzt können wir Übergewichtige menschenwürdiger und sicherer transportieren", sagte der Sprecher der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein, Christian Mandel.

Schwerlast-Rettungswagen für Schwergewichtige

"Technisch echt toll ausgestattet"

Der Wagen in Rendsburg ist bereits seit zwei Wochen im Dienst und deckt das nördliche und westliche Schleswig-Holstein ab. Der andere XXL-Wagen wird von Mittwoch an in Lübeck für Einsätze im Süden und Südosten des Landes bereitstehen. "Die Wagen sind technisch echt toll ausgestattet", schwärmt Mandel. "Eine normale Standardtrage ist 55 Zentimeter breit - diese hier misst 91 Zentimeter." Sie hält ein Gewicht von 450 Kilogramm aus.

Hydraulische Ladebordwand und belastbare Tragetücher

Die Fahrzeuge auf Basis eines 7,5 Tonnen-Lastwagens werden bei Notfalleinsätzen und Krankentransporten eingesetzt. Die Wagen verfügen über eine hydraulische Ladebordwand mit einer Hubkraft von 1,5 Tonnen - eine große Erleichterung für den Rettungsassistenten. Zur Ausstattung gehören ebenfalls extrabreite Schleifkorbtragen und extrem belastbare Trage- und Gleittücher. Auch zusätzliche Sauerstoff-Flaschen sind an Bord.

Spezialwagen sind teuer

In der Vergangenheit kam es beim Transport von übergewichtigen Menschen immer wieder zu Engpässen. "Teilweise mussten Fahrzeuge aus Hamburg ausgeliehen oder Busse umständlich umgebaut werden", sagte Jens Kuschel, Pressesprecher der AOK Nordwest. Die Krankenkassen haben deshalb zugestimmt, neue Wagen anzuschaffen. Die Kosten für einen Spezialwagen sind nach Angaben der Lübecker Feuerwehr doppelt so hoch wie für ein Standardfahrzeug." Am Ende tragen die Beitragszahler die Kosten", sagte Kuschel.

Problem: Schwergewichtige aus der Wohnung holen

Ein großes Problem mit schwergewichtigen Menschen aber bleibt: "Es ist einfach unglaublich schwierig, stark Übergewichtige aus den Wohnungen herauszubekommen", sagte der Sprecher der Feuerwehr Lübeck, Matthias Schäfer. Da müsse schon mal der Türrahmen abgebaut werden. Diese Aufgabe löst auch der neue Schwerlast-Rettungswagen nicht. "Wenn der Patient aber erstmal auf der Trage liegt, wird es jetzt einfacher."

DAG: "Übergewicht ist das neue Normal"

Nach Angaben der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) sind inzwischen mehr als 50 Prozent der Bundesbürger übergewichtig, rund 24 Prozent gelten als adipös. Das bedeutet, ihr Body-Mass-Index (BMI) beträgt 30 oder mehr. "Wir begrüßen die Anschaffung spezieller Schwerlast-Rettungswagen sehr, denn Übergewicht ist heute das neue Normal", sagte die Sprecherin der DAG, Stefanie Gerlach.

Weitere Informationen

Der "fliegende Rettungswagen" aus Niebüll

Der Einsatz von "Christoph Europa 5" ist gerade zu Ende, da kommt über Funk der nächste Auftrag rein. Mit 240 Kilometern pro Stunde geht's über Felder und Wiesen, doch wo sollen sie nur landen? mehr

20 Bilder

Schweres Gerät für schwere Einsätze

Die richtigen Fahrzeuge sind wichtig für eine effektive Arbeit und Brandbekämpfung der Feuerwehren im Land. NDR.de stellt einige von ihnen vor. Bildergalerie

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 31.05.2016 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:17 min

Günther: Anwaltsschreiben bestärkt Vorwürfe

28.04.2017 16:00 Uhr
NDR//Aktuell
03:34 min

ARD-Umfrage: CDU zieht an SPD vorbei

27.04.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:37 min

Große Anti-Terror-Übung in Kiel und Umgebung

27.04.2017 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin