Stand: 22.08.2019 19:57 Uhr

Neue Muschel im Wattenmeer: "Aliens wird man nicht los"

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So sieht sie aus: die aus den USA eingeschleppte Amerikanische Trogmuschel ("Mulinia lateralis").

Bei der Schutzstation Wattenmeer befürchtet man, dass sich eine für heimische Arten gefährliche Muschelart im schleswig-holsteinischen Wattenmeer ausbreitet. Es geht um die von der Ostküste der USA stammende Amerikanische Trogmuschel ("Mulinia lateralis"). "Eingeschleppte Aliens wird man nicht wieder los", sagte der Biologe Rainer Borcherding von der Schutzstation in Husum (Kreis Nordfriesland). Die etwa zwei Zentimeter große, durchsetzungsstarke Muschel verbreitet sich seit rund zwei Jahren in den Niederlanden und wurde inzwischen auch in Deutschland gesichtet - unter anderem vor Ostfriesland. Die Schutzstation Wattenmeer erwartet, dass sie vom kommenden Jahr an den heimischen Muscheln zwischen Sylt und Büsum (Kreis Dithmarschen) Konkurrenz machen könnte.

Das Wattenmeer und der Himmel darüber.

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Muscheln kamen als blinde Passagiere in Schiffen

Erstmals hätten niederländische Meeresforscher die Muschelart im Sommer 2017 entdeckt, so Borcherding. Im Sommer 2018 sei sie dann schon im gesamten niederländischen Wattenmeer vertreten gewesen. In Holland habe es bis zu 6.000 Muscheln pro Quadratmeter gegeben. Die Muscheln können sich schon mit einer Größe von drei Millimetern fortpflanzen und vermutlich mehrmals pro Jahr laichen.

"Mulinia lateralis" bevorzugt Brackwasser und ist damit für Flussmündungen im Wattenmeer, wie jene von Elbe oder Eider, wie geschaffen. Eingeschleppt wurde die Art laut Borcherding vermutlich mit dem Ballastwasser, das große Schiffe zur Stabilisierung aufnehmen. Diese seien vermutlich nach Rotterdam gefahren.

Laut Umweltbundesamt haben Schiffseigner nach einer internationalen Konvention noch bis 2024 Zeit, Filter oder Behandlungsanlagen einzubauen, die einen Transport von Meeresorganismen rund um die Welt verhindern sollen.

Ökologische Auswirkungen sind noch nicht klar

Ob und, wenn ja, welche ökologischen Auswirkungen eine mögliche Invasion von "Mulinia lateralis" haben könnte, ist laut dem Experten unklar. "Die neue Art sieht ähnlich aus wie unsere Gedrungene Trogmuschel, besiedelt aber Wattflächen wie unsere Herzmuschel", erklärt er. Entweder könne die neue Art Nahrungskonkurrent für heimischen Muscheln werden oder gutes Vogelfutter für verschiedene Watvögel. "Wir können nur das Beste hoffen", sagte Borcherding.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 22.08.2019 | 17:00 Uhr

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