Stand: 30.10.2019 08:47 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Neue Flensburger Klinik will keine Abtreibungen

Am geplanten ökumenischen Krankenhaus in Flensburg sollen keine Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden. Darauf haben sich die beiden kirchlichen Träger Diakonie und Malteser geeinigt. Abtreibungen sollen nur in Notfällen möglich sein, wenn etwa Lebensgefahr besteht. Der Geschäftsführer des katholischen St. Franziskus-Hospitals in Flensburg, Klaus Deitmaring, verteidigt diese Entscheidung. "Das ist eine ethisch-moralische, grundsätzliche Position der katholischen Kirche und war daher nicht verhandelbar."

"Es gehört nicht zum Aufgabenbereich eines Krankenhauses"

Der Vorstandschef des evangelischen Diakonissenkrankenhauses (Diako), Wolfgang Boten, erklärte, dass man in diesem Punkt habe nachgeben müssen. Ansonsten hätte es womöglich keine Einigung gegeben, so Boten. Beide Krankenhauschefs betonen, dass Schwangerschaftsabbrüche außerdem nicht in den Aufgabenbereich eines Krankenhauses gehören würden. In 90 Prozent der Fälle sei das ein ambulanter Eingriff, der bei einem Frauenarzt durchgeführt werden könne.

Erste Klinik Deutschlands, die beide Kirchen tragen

Bislang führten Diakonie und Malteser in Flensburg jeweils eigene Kliniken. Beide Krankenhäuser sind mehr als 130 Jahre alt - beiden hatte das Land Schleswig-Holstein ursprünglich getrennt voneinander Fördergelder für Um- und Neubauten zugesprochen.

Als die Bescheide mit insgesamt knapp 200 Millionen Euro überraschend hoch ausfielen, entschied sich die Stadt dazu, ein völlig neues Zentralkrankenhaus zu bauen und auf die Sanierungen zu verzichten. Damit entsteht nach Angaben der "Ärzte-Zeitung" erstmals in Deutschland ein Krankenhaus, das von beiden Kirchen getragen wird.

Kritik am Nein: "Das ist so nicht akzeptabel"

Von vielen Seiten kommt nun aber Kritik am Nein zu Schwangerschaftsabbrüchen. Flemming Meyer, gesundheitspolitischer Sprecher des SSW, findet, dass religiöse Vorbehalte kein Maßstab für eine moderne Krankenhausversorgung sein dürften. Für Inge Krämer von der Flensburger SPD ist die Entscheidung "im Sinne der Frauen sehr zu bedauern und so nicht akzeptabel".

Die Sozialdemokraten verweisen in diesem Zusammenhang auf die bestehenden Verträge zwischen der Stadt Flensburg und dem Diako, die eine medizinische Versorgung bei Schwangerschaftsabbrüchen sicherstellten. In seiner nächsten Sitzung beschäftigt sich der Sozialausschuss des Landtages mit dem Thema.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 30.10.2019 | 06:00 Uhr

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