Stand: 13.12.2018 19:42 Uhr

Neue Details zum "Gorch Fock"-Skandal

von Christian Wolf

Es sollte eine schöne Feier am kommenden Montag in der Marineschule Mürwik werden. Auch ohne das Segelschulschiff wollte die Marine das 60-jährige Indienststellungs-Jubiläum der "Gorch Fock" feiern. Doch das Fest ist nach dem neuen Wirbel um den Stolz der Marine abgesagt worden. Es geht um einen Korruptionsverdacht und die Frage, ob ein Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven seine Position ausgenutzt hat.

Finanzielle Schieflage durch teure Immobilie

Der Mann soll durch ein privates Bauprojekt in eine finanzielle Schieflage geraten sein. Es soll nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein um eine teure Immobilie gehen. Für das 2,5-Millionen-Euro-Projekt soll er sich Investoren geholt haben, die ihm aber nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein abgesprungen sind. In seiner Not hat sich der Mann an die Elsflether Werft gewandt, die sich seit Jahren um die Sanierung der "Gorch Fock" kümmert. Das Unternehmen sowie eine andere Firma, die mit der Reparatur des Segelschulschiffs beauftragt war, haben ihn dann nach seiner Aussage mit günstigen Krediten ausgeholfen.

Alle Kosten werden nochmals geprüft

Die Vorteilsnahme wird dadurch verschärft, dass der Mitarbeiter des Marinearsenals in Wilhelmshaven für die technische Preisprüfung im Zuge der "Gorch Fock"-Sanierung zuständig ist, wie es vom Verteidigungsministerium heißt. Alle Kostensteigerungen der vergangenen Jahre sind über seinen Schreibtisch gegangen. Diese werden jetzt von der Staatsanwaltschaft überprüft.

"Und auch die Ermittler aus dem Bundesverteidigungsministerium müssen jetzt alle technischen Preisprüfungen, die von diesem Beamten vorgenommen worden sind, noch einmal einer erneuten Prüfung unterziehen", erklärt Ingo Gädechens (CDU), Mitglied im Verteidigungsausschuss. Auch sei es für ihn schwer hinnehmbar, dass die Werft einem Beamten einen Privat-Kredit gewährt.

Ungewisse Zukunft des Segelschulschiffs

Noch ist nicht klar, wie es mit der Sanierung der "Gorch Fock" weitergeht. "Die Frage, die sich mir stellt, ist, ob die bislang beauftragte Werft die Restarbeiten vornimmt oder ob nicht ein anderes Werftenkonsortium in der Lage ist, die 'Gorch Fock' endgültig fertig zu stellen, sollten sich die Vorwürfe erhärten", sagt Gädechens im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein.

Der neue Wirbel um das Segelschulschiff hat auch den Bund der Steuerzahler überrascht, obwohl der Verband seit Jahren die Kostenexplosion von ursprünglich geplanten zehn Millionen auf inzwischen geschätzte 135 Millionen immer wieder kritisiert. "Wir haben immer überlegt, woran kann das liegen, dass die Reparaturaufträge in diese Größenordnung hoch schnellen. Wir haben bisher gedacht, das kann nur an der Unfähigkeit der Beteiligten liegen. Wenn es jetzt auch noch an krimineller Energie liegt, ist es natürlich nicht nur bedauerlich, sondern die Marine muss da wirklich reagieren", erklärt Aloys Altmann, Präsident vom Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein.

Werft, Amt und Ministerium schweigen

Die betroffene Werft schweigt bislang zu den Vorwürfen. Eigentlich hatte das Unternehmen aus Niedersachsen angekündigt, sich am Donnerstag zu äußern. Doch eine entsprechende Pressemitteilung wurde bislang nicht verschickt. Auch das zuständige Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, das die Sanierung der "Gorch Fock" geplant hat und bei der auch der Mitarbeiter des Marinearsenals arbeitet, hält sich bislang genauso bedeckt wie das Bundesverteidigungsministerium. Beide Behörden haben bisher lediglich bestätigt, dass sich ein Mitarbeiter der Vorteilsnahme schuldig gemacht habe und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wurde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.12.2018 | 20:00 Uhr

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