Stand: 15.08.2017 12:02 Uhr

Insekten kämpfen ums Überleben - Paten können helfen

Wenig Summen und Brummen am Feldrand. Auffällig saubere Frontscheiben am Auto. Offene Fenster in der Nacht, durch die trotz heller Lampen keine "ungebetenen Gäste" kommen. Schleswig-Holstein gehen - wie anderen Bundesländern auch - die Insekten aus. Krefelder Forscher haben in einer Studie einen Rückgang von 80 Prozent in den vergangenen 30 Jahren errechnet. Der Bonner Biologieprofessor Werner Kunz führt Pestizide, Dünger und Monokulturen als Gründe an. Der Deutsche Bauernverband (DBV) will das so nicht stehen lassen, bemängelt fehlende repräsentative Untersuchungen oder belastbare Studien zu Gründen des Insektensterbens. Auch Wissenschaftler sähen da "großen Klärungsbedarf", sagte DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken.

Landwirte und Kommunen gesucht

Professor Kunz sieht dagegen vor allem Handlungsbedarf. Es reiche nicht mehr aus, die Natur sich selbst zu überlassen, sagte er. Insekten würden "sterben wie die Fliegen" - trotz zahlreicher Naturschutzgebiete. Menschen müssten bewusst Flächen für Insekten schaffen, so Kunz. Dafür kämpft im nördlichsten Bundesland unter anderem das "Netzwerk Blühende Landschaft", das die fehlende Nahrung für Insekten kritisiert. Das Netzwerk sucht Landwirte oder Kommunen, die ihre Flächen für Wildblumen zur Verfügung stellen - und Paten, die Geld für die Saat spenden. Mit Blühflächen wie in Nutteln (Kreis Steinburg) könne man Lebensraum für Insekten schaffen, sagte eine Sprecherin dem Schleswig-Holstein Magazin, "als Gegengewicht zu Monokulturen".

Netzwerk: Finger weg von Geranien

Bienen, Schmetterlinge, Marienkäfer und Co. sind unersetzlich. Sie sorgen als Blütenbestäuber für die Vielfalt von Pflanzen und Tieren. In Schleswig-Holstein sind laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) fast zwei Drittel aller Schmetterlinge vom Aussterben bedroht. Von 300 Wildbienenarten stünden mehr als die Hälfte auf einer Roten Liste. Selbst in heimischen Gärten finden Insekten nach Angaben des "Netzwerks Blühende Landschaft" kaum noch Nahrung. Wenig Unkraut, keine Wildblumen. Beispiel: die Geranie. Die klassische Geranie könne gar keinen Samen mehr ansetzen und sie habe auch keinen Nektar, sagt Barbara Stark vom Netzwerk: "Das ist weggezüchtet, damit die Blume möglichst lange blüht." Kunden müssten davon wegkommen, immer nur gezüchtete Pflanzen zu kaufen. Empfehlungen für Gärten und Balkone hat das Netwerk online zusammengestellt.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.08.2017 | 19:30 Uhr

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