Ein Wechselstromzähler zeigt den aktuellen Zählerstand in Kilowattstunden in einem Haushalt an © picture alliance/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Nach Pleitewelle: Strom-Kunden fallen in teure Grundversorgung

Stand: 06.01.2022 14:33 Uhr

Wegen der hohen Energiepreise auf dem Markt sind zahlreiche Billiganbieter pleitegegangen und haben ihren Kunden fristlos gekündigt. Laut Bundesnetzagentur sind bundesweit bislang 39 Unternehmen betroffen.

Laut der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein dürfte es Tausende betroffene Kunden geben. Aktuell gebe es zum Beispiel viele Anfragen von verunsicherten Ex-Kunden des Anbieters Stromio, so die Verbraucherzentrale. Viele wüssten nicht, dass sie automatisch einen neuen Versorger haben. Sie landen in der Ersatz- und Grundversorgung. Die decken die örtlichen Stadtwerke in Schleswig-Holstein ab. Sie sorgen dafür, dass Licht, Heizung, Strom und Gas weiterlaufen, wenn den Kunden gekündigt wurde. Allerdings normalerweise zu einem höheren Preis.

Hoher Kundenzuwachs nach der Pleitewelle

"Wir sind die, die das jetzt auffangen", sagte ein Sprecher der Stadtwerke Norderstedt NDR Schleswig-Holstein. 700 ehemalige Kunden des Billig-Stromanbieters Stromio haben die Stadtwerke Norderstedt nach eigenen Angaben aufgenommen. Auch die Stadtwerke Flensburg sprechen von einem dreistelligen Kundenzuwachs infolge der Pleitewelle.

Stadtwerke Kiel müssen teure Energie nachkaufen

Die Stadtwerke Kiel haben seit dem Herbst sogar mehrere Tausend Kunden aufgenommen, deren Anbieter pleitegegangen sind. Für die Stadtwerke ist das ein Problem, denn sie haben nicht mit so vielen Neukunden kalkuliert, müssen jetzt also Energie nachkaufen - zu hohen Preisen. Die Stadtwerke Kiel haben deshalb im Dezember die Neukunden-Preise für die Grundversorgung erhöht.

Verbraucherzentrale rät zu neuer Suche

Lenia Baga, die zuständige Juristin der Verbraucherzentrale rät gekündigten Kunden, sich lieber einen anderen günstigeren Tarif als die Grundversorgung suchen - zum Beispiel über Vergleichsportale. Baga sagte außerdem, Stromio habe sich mit den vielen Kündigungen und Lieferungsstopps vertragswidrig verhalten. "Wir bezweifeln die Rechtmäßigkeit."

Ex-Kunden können Schadensersatz fordern

Ex-Kunden von Stromio könnten Schadensersatz einfordern, sagte sie. "Die Verbraucher, die jetzt in die Ersatzversorgung gerutscht sind, müssen natürlich deutlich mehr zahlen als bei ihrem Sondertarif bei Stromio. Die Differenz können sie in Form von Schadensersatz bei Stromio geltend machen", so Baga. Einen Musterbrief dafür gibt es bereits. Die Verbraucherzentrale mahnt jedoch, dass Kunden schnell sein müssen, wenn sie Schadensersatz einfordern wollen. Hat der Anbieter erstmal Insolvenz angemeldet, kann es sonst Jahre dauern, bis sie ihr Geld haben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.01.2022 | 15:00 Uhr

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