Stand: 21.07.2018 13:40 Uhr

Nach Messerattacke: Angreifer in Untersuchungshaft

Gegen den Mann, der gestern Nachmittag in einem Lübecker Linienbus mehrere Menschen mit einem Messer verletzt hat, ist laut Polizei Haftbefehl erlassen worden. Die Tatvorwürfe der Staatsanwaltschaft lauten: Verdacht auf versuchten Heimtückemord mit gemeingefährlichen Mitteln in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und versuchter, besonders schwerer Brandstiftung. Der Mann muss jetzt in Untersuchungshaft. Er wollte sich nach Informationen von NDR 1 Welle Nord nicht näher zum Geschehen äußern.

Videoaufnahmen ausgewertet

Der Verdacht auf versuchten Heimtückemord fußt nach Informationen von NDR 1 Welle Nord auf einem Video aus dem Linienbus. Ermittler werteten die Aufnahmen aus. Daraus ergab sich offenbar der Verdacht, dass der Mann den Bus in Brand stecken wollte und dabei den Tod von vielen Menschen billigend in Kauf genommen hätte. Dazu passt auch, dass Brandbeschleuniger im Rucksack des Mannes gefunden wurden.

Tat mit 13 Zentimeter langer Messerklinge

Der Messerangriff ereignete sich im Bus Nummer 30, der auf der Landstraße Richtung Travemünde unterwegs war. Dabei wurden laut der Lübecker Oberstaatsanwältin Ulla Hingst mindestens zehn Menschen verletzt. Fünf Opfer mussten demnach ins Krankenhaus gebracht werden. Laut Hingst griff ein Mann in dem voll besetzten Bus mehrere Passagiere mit einem Messer an, die Klinge sei 13 Zentimeter lang gewesen. Entgegen erster Meldungen gab es keine Toten. Hingst zufolge konnten Fahrgäste den mutmaßlichen Täter überwältigen. Polizei und Rettungsdienste waren mit einem Großaufgebot von 142 Einsatzkräften vor Ort.

Keine Hinweise auf terroristischen Hintergrund

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Mann um einen 34 Jahre alten Lübecker, der im Iran geboren wurde. Es gebe aktuell keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Das Motiv sei unklar. Nach Angaben der Ermittler liegen keine Hinweise auf eine politische Radikalisierung des Mannes vor. Da jedoch in alle Richtungen ermittelt werde, sei auch der Staatsschutz eingebunden.

Busfahrer öffnete Türen

Der Busfahrer habe im Rückspiegel beobachtet, dass ein Mann einen Rucksack im Bus abstellte, aus dem es qualmte. Der Fahrer habe den Bus gestoppt und die Türen geöffnet, damit die Passagiere sich in Sicherheit bringen konnten.

Brandbeschleuniger, aber kein Sprengstoff im Rucksack

Der Busfahrer lief zu dem Mann mit dem Rucksack, der hatte ihn angegriffen und anschließend Passagiere mit dem Messer attackiert. Später fand der Kampfmittelräumdienst im Rucksack nach Angaben der Ermittler Brandbeschleuniger, aber keinen Sprengstoff.

Polizei sucht Zeugen und richtet Bürgertelefon ein

Nach Angaben der Polizei verließen viele Buspassagiere und Zeugen den Tatort, bevor ihre Personalien aufgenommen werden konnten. Sie werden "dringend gebeten", sich mit den Beamten unter (0451) 290 793 19 oder (0451) 290 793 03 in Verbindung zu setzen. Die Nummer (0451) 290 793 19 wurde von der Polizei auch als Bürgertelefon eingerichtet.

Bürgermeister: Keine Bedenken wegen Travemünder Woche

Nach der Gewalttat hatte Innenminister Hans-Joachim Grote seine Teilnahme an der Eröffnung der Travemünder Woche am Freitagabend abgesagt. Stattdessen machte er sich genauso auf den Weg zum Tatort, ebenso Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Grote betonte, auf der Travemünder Woche solle die Polizeipräsenz erhöht werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.07.2018 | 13:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Sandra Zündel am Set von "Nord bei Nordwest". © NDR

Dreharbeiten zu "Nord bei Nordwest" unter Corona-Bedingungen

Fieber messen, CO2-Werte bestimmen, Corona-Tests machen: Die Arbeiten beim Krimi-Dreh in Geesthacht sind kompliziert. mehr

Eine Schutzmaske liegt auf einem Schultisch in der Klasse. © picture alliance Foto: Marijan Murat

Maskenpflicht im Unterricht für Grundschüler in Risikogebieten

Das hat das schleswig-holsteinische Bildungsministerium am Sonnabend verkündet. Ausschlaggebend ist der Inzidenzwert. mehr

Flensburgs Göran Johannessen (l.) erzielt ein Tor gegen den Bergischen HC. © imago images / Nordphoto

Handball: Flensburg besteht beim Bergischen HC

Dank des 30:25-Erfolges beim Bergischen HC ist die SG zumindest vorübergehend Tabellenführer der Handball-Bundesliga. mehr

Viele Leute protestieren am Sonnabend in Harrislee gegen die geplante Lagerung von AKW-Bauschutt. © NDR Foto: Frank Goldenstein

Harrislee: Menschen protestierten gegen Bauschutt aus AKW

Das Parlament hatte im Mai beschlossen, das Material des AKW Brunsbüttel einer Deponie notfalls zuzuweisen. mehr

Videos