Stand: 10.10.2019 13:44 Uhr

Nach Halle: Synagogen wollen mehr Sicherheit

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Die Synagoge in Lübeck wird seit einem Brandanschlag in den 1990er-Jahren rund um die Uhr von der Polizei bewacht.

Der Verband der jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein denkt nach dem offenbar antisemitischen Anschlag eines 27-Jährigen in Halle (Saale) über höhere Sicherheitsvorkehrungen nach. Ein Sprecher sagte, bisher habe man die Türen der Synagogen auch mal offen gelassen - das werde sich aber in Zukunft ändern. Laut Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) haben zudem nach den Ereignissen von Halle auch die Behörden in Schleswig-Holstein ihre Vorkehrungen verschärft. "Unsere Polizei hat die Maßnahmen der Lage angepasst intensiviert", sagte Grote. Die jüdischen Einrichtungen seien ohnehin im besonderen polizeilichen Fokus. Konkrete Angaben dazu wollte die Landespolizei nicht machen.

Verfassungsschutz baut Spezialistenteam auf

Grote sagte, er stehe in engem persönlichen Kontakt mit dem Bundesinnenminister und seinen Länderkollegen. Laut dem Minister weist der Verfassungsschutz in Schleswig-Holstein seit Jahren auf die Gefahr hin, dass sich bisher unbekannte Rechtsextreme in Internetforen selbst radikalisieren und dann alleine oder in Kleinstgruppen Straftaten begehen. Die ersten Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden wiesen darauf hin, dass es sich um einen solchen Einzeltäter handeln könnte, so Grote. 

Der Verfassungsschutz im Land baue unabhängig von der Tat in Halle ein Spezialistenteam auf, das extremistische Bestrebungen im Netz aufspüren soll. Schwerpunkt sei derzeit der Rechtsextremismus, sagte Grote. "Die Feinde unserer Verfassung vernetzen sich mehr und mehr in Internetforen statt in Szenekneipen und Hinterzimmern." Der Verfassungsschutz stelle sich deshalb in diesem Bereich völlig neu auf. Das Team soll aus mindestens zwölf Spezialisten bestehen und damit rund zehn Prozent aller Mitarbeiter des Verfassungsschutzes umfassen.

Prien will sich mit jüdischen Gemeinden treffen

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Kultusministerin Karin Prien sagte den jüdischen Gemeinden im Land ihre Unterstützung zu. "Mit Schrecken und Entsetzen habe ich die Nachrichten verfolgt", schrieb die CDU-Politikerin in einem Brief an Walter Blender vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden und Igor Wolodarsky von der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein. "Die jüdischen Einrichtungen im Norden bekommen hohen Schutz und unsere Polizeibehörden sind sehr aufmerksam."

Sicherheit sei aber nicht nur eine objektiv messbare Größe. Das Judentum gehöre zu Schleswig-Holstein wie Wellen, Wind und Deich, schrieb Prien, deren jüdische Großeltern Anfang der 30er-Jahre aus Deutschland geflohen waren. "Sicherheit für Jüdinnen und Juden in Schleswig-Holstein muss auch eine Gewissheit sein, dass jüdisches Leben nie wieder alleingelassen wird." Prien will sich kurzfristig mit den Vertretern der jüdischen Gemeinden treffen, um über die Verbesserung der Maßnahmen gegen Antisemitismus und Prävention gegen Rechtsextremismus schon in der Schule zu beraten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.10.2019 | 13:00 Uhr

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