Stand: 30.05.2019 12:48 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Nach 200 Bomben ist Schluss: Ocklenburg geht in Rente

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Georg Ocklenburg hat in seinem Berufsleben etwa 200 Bomben entschärft.

Nach 34 Jahren und etwa 200 Bomben ist Schluss für Georg Ocklenburg. Der 63-jährige hat sein Leben lang beim Kampfmittelräumdienst Bomben in ganz Schleswig-Holstein entschärft. Hinzu kommen Tausende Bomben, die er geborgen hat. "Man kann froh sein über jeden Tag, an dem man abends ins Auto steigen und nach Hause fahren kann", sagte der Neu-Rentner NDR Schleswig-Holstein. 2010 etwa starben drei Kollegen Ocklenburgs bei einer Entschärfung in Göttingen: "Es ist nicht immer zu vermeiden. Das ist einfach so in unserem Job."

Erste Bomben unter Wasser geborgen

Ocklenburgs Karriere begann als Taucher bei der Bundeswehr. Einer seiner ersten Einsätze führte ihn Ende der 1980er-Jahre vor die Nordseeinsel Helgoland. Das NDR Taucherteam hatte bei Dreharbeiten aufgeschnittene Bomben mit intaktem Sprengstoff gefunden. "Seinerzeit haben wir mit einem Magneten gearbeitet. Das heißt, wir haben als Taucher erst einmal grob das Feld gesichtet, dann aber mit Magneten gefischt und innerhalb von vier Wochen 1.500 Bomben gefunden."

Der 63-Jährige hat nicht nur Bomben entschärft. Auch wenn am Bahnhof ein verdächtiger Koffer gefunden wurde, rückte er an. In seiner Ausbildung lernte er noch die Schüttelprobe. Also Gegenstand nehmen, schütteln - und so prüfen, was drin ist. Das sei heute undenkbar.

Letzte Bombenentschärfung ist eine Übung

Viele der entschärften Bomben kommen auf dem Übungsgelände in Felde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) als Übungsbomben ohne Sprengstoff noch einmal zum Einsatz. Und so war der letzte Einsatz von Ocklenburg eine Übung - an einer alten 250-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch davor sein Ritual: Der Routinier braucht immer einen Kaffee ohne Milch und ein halbes Brötchen mit Mettwurst oder Marmelade. "Wenn Käse auf dem Brot drauf ist, das kann er nicht leiden, dann ist der Tag gelaufen", sagt Kollege Timo Thode. Nach zwanzig Minuten ist die letzte Bombe erfolgreich "entschärft" - und Ocklenburg kann sich ein letztes Mal in sein Auto setzen - gen Ruhestand. "Jetzt habe ich auch mal Zeit für mich, ohne dass der Pieper geht und dass mein Telefon klingelt", freut er sich.

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Schleswig-Holstein Magazin | 30.05.2019 | 19:30 Uhr

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