Stand: 11.07.2019 15:44 Uhr

NABU-Gutachten: Kein Bedarf für Fehmarnbelttunnel

Schneller in den Urlaub nach Dänemark und Schweden kommen - das könnten Reisende, wenn der geplante Fehmarnbelttunnel gebaut wird. Umweltschützer wollen das Milliardenprojekt allerdings verhindern. Am Donnerstag hat der Naturschutzbund (NABU) in Hamburg ein neues Verkehrsgutachten präsentiert, das den Tunnelgegnern neue Munition liefert: In Kurzfassung - ein solcher Ostseetunnel sei unnötig.

Gutachter sehen keine Engpässe auf der Strecke

Auf der Strecke gibt es weder jetzt noch in Zukunft wesentliche Engpässe, deswegen lohnt sich der Tunnelbau nicht - das ist das Ergebnis eines Verkehrsgutachtens des renommierten Verkehrsberatungsbüros Hanseatic Transport Consultancy (HTC). Der NABU hatte das Gutachten im Zuge seiner Klagebegründung zur Fehmarnbeltquerung in Auftrag gegeben. Ziel war es, zu ermitteln, inwieweit Europas derzeit größtes und teuerstes Infrastrukturprojekt unter aktuellen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen noch zu rechtfertigen ist.

Rechnen Betreiber mit alten Zahlen?

Die dänische Betreiberfirma rechne beim erwarteten Straßen- und Schienenverkehr mit überhöhten veralteten Zahlen, kritisiert Malte Siegert, der Fehmarnbelt-Experte des NABU. So seien etwa Verkehrsrückgänge durch Digitalisierung in der Wirtschaft nicht einberechnet. "Das Urteil der Verkehrsexperten kommt einem Todesstoß für die feste Fehmarnbeltquerung gleich. Das Vorhaben atmet den Geist des 20. Jahrhunderts und darf heute, wo Klimafragen und neue Mobilitätsformen immer wichtiger werden, auf keinen Fall gebaut werden", so Leif Miller, der NABU-Bundesgeschäftsführer.

Selbst in den vergangenen zehn Jahren der Hochkonjunktur habe sich kein Wachstum des Verkehrs auf der Strecke eingestellt. Sollte sich dies doch wider Erwarten ändern, könne die Infrastruktur in Dänemark und Deutschland punktuell angepasst werden, so die Gutachter.

NABU: "Vorhaben völlig unangemessen"

Nach Auffassung des NABU zeige das Gutachten eindringlich, dass weder für die Straße noch für die Schiene ein tatsächlicher Bedarf besteht. "Ein reiner Eisenbahntunnel in der gebohrten Variante würde den Bahngüterverkehr stärken und deutlich weniger ökologischen Schaden anrichten. Die aktuelle Dimension des Vorhabens ist völlig unangemessen", so Malte Siegert vom NABU. Zwei Drittel der Kosten für das Projekt seien aber für die Straßenverbindung vorgesehen, obwohl es sich laut Planfeststellungsbeschluss explizit um ein Eisenbahnprojekt handelt.

"Stimmt nicht", sagen die Planer

Die staatliche dänische Gesellschaft Femern A/S, die den Tunnel plant, bezeichnete die Ergebnisse des HTC-Gutachtens als "falsch". Die tatsächliche Verkehrsentwicklung zwischen Deutschland und Skandinavien und besonders auf der Fehmarn-Route liege im Rahmen der Prognosen oder gehe darüber hinaus.

Der 18 Kilometer lange Straßen- und Eisenbahntunnel soll die deutsche Insel Fehmarn und die dänische Insel Lolland verbinden. Baukosten: voraussichtlich 7,4 Milliarden Euro. Der dänische Betreiber geht laut NABU von 12.000 Nutzern täglich aus. Zum Vergleich: Der Elbtunnel wird von 160.000 Menschen pro Tag genutzt.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.07.2019 | 17:00 Uhr

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