Stand: 02.09.2020 18:17 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

NOK: Schleuse nach Havarie fast repariert

von Christian Wolf

Nachdem am Wochenende der Frachter "Else" in das Tor der Nordkammer der Kieler Schleuse krachte, schien es anfangs so, als würde in den kommenden Wochen der Schifffahrt nur eine Kammer zur Verfügung stehen. Doch nun geht alles schneller als gedacht. "Wir hoffen, dass wir am Wochenende die Nordkammer wieder mit Einschränkungen benutzen können", so Hans-Heinrich Koch, Bauingenieur beim zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA). Mit Einschränkungen heißt, dass der Unterschied beim Wasserspiegel zunächst nur einen Meter betragen darf. "Nach den abschließenden Arbeiten - das Tor muss verstärkt werden - können wir auch einen Unterschied der Pegel von 1,50 Meter zulassen", erklärt Hans-Heinrich Koch. Damit könne die Schleuse aber zu 99 Prozent der Zeit in Betrieb sein.

VIDEO: Reparaturarbeiten an Kieler Schleuse dauern an (1 Min)

Funkverkehr teilweise ausgewertet

Währenddessen kommen auch die Ermittlungsbehörden voran. So ist mittlerweile teilweise der Funkverkehr ausgewertet worden. "Was wir sagen können ist, dass es bei der Einfahrt in die Kieler Förde zweimaligen Funkkontakt gegeben hat zwischen dem Frachtschiff und der Verkehrszentrale in Travemünde", so Polizeisprecher Matthias Felsch. Unklar bleibt aber weiterhin, warum die Besatzung des Frachters an der dafür vorgesehenen Stelle vor der Schleuse in Kiel nicht gehalten hat, um den Lotsen an Bord zu nehmen. Auch ist nicht geklärt, wieso die Mannschaft nicht bemerkte, dass alle Ampeln der Schleuse gut sichtbar auf rot standen. Aus diesem Grund kann der Frachter bis auf weiteres seine Fahrt nicht fortsetzen. "Stand jetzt ist, dass der dingliche Arrest angeordnet wurde", so Matthias Felsch. Der "dingliche Arrest" dient der Sicherung von Schadensansprüchen. Wie hoch diese sind, ist aber immer noch unklar. Allerdings gehen mittlerweile viele von mehreren Millionen Euro aus.

Kritik an Schiffseignern

Probleme gibt es offenbar bei der Vernehmung der Besatzung. Nur mit Hilfe von Dolmetschern soll die Befragung vorangekommen sein, obwohl Englisch die Sprache der Seefahrt ist. Mathias Stein, SPD-Bundestagsabgeordneter aus Kiel, war zuvor Personalratsvorsitzender bei der Verwaltung des Nord-Ostsee-Kanals. Aus seiner Sicht sind den Schiffs-Betreibern sprachliche Barrieren an Bord egal: "Da werden die Crews blind zusammengewürfelt und das hat Konsequenzen. Die gesamte Kommunikation innerhalb der Crews stimmt nicht und die Kommunikation nach außen stimmt auch nicht." Das sei ein Sicherheitsrisiko - nicht nur für den Nord-Ostsee-Kanal, sondern für die gesamte Küste Norddeutschlands. Er fordert daher ein Mindestmaß an sprachlicher Qualifikation bei der Besatzung.

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