Stand: 25.06.2020 18:29 Uhr

NDR Team taucht zu Riff auf Fehmarnbelttunnel-Route

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hatte schon im September 2019 von Riffen im Fehmarnbelt berichtet. Die Naturschützer wollen zwei im Bereich der geplanten Trasse der festen Querung auf Tauchgängen entdeckt haben. Das Umweltministerium hat daraufhin Untersuchungen eingeleitet und in der vergangenen Woche wurden Zwischenergebnisse bekannt, dass es am Ostseegrund wirklich Riffe gibt. Und die Indizien sprächen für mehr als die zwei bekannten. Sie wurden bei den Planungen nicht berücksichtigt. Der Meeresbiologe Fabian Schuster aus Kiel und das NDR Taucherteam haben sich am Mittwoch vor Fehmarn genau auf dem geplanten Streckenverlauf umgesehen. Während des dritten Tauchgangs stießen sie auf ein Riff, rund 300 Meter vom Strand entfernt in sechs Metern Tiefe. Das hat den Biologen überrascht: "Es hat meine Erwartungen ein bisschen übertroffen. Ich habe nicht mit so vielen Jungtieren gerechnet, aber auch viele erwachsene Tiere waren dort schon vorhanden", berichtete Fabian Schuster.

Meeresbiologe: Riffe sind schützenswert

Kleinere Fische, Krebse und Qualen nutzen das etwa 100 bis 200 Quadratmeter große Riff als Rückzugsort. Und größere Tiere wie Schweinswale und Nagelrochen finden hier Nahrung. Ob der Fund am Meeresboden ein Ausläufer der beiden Riffe ist, die der NABU bei Tauchgängen entdeckt hat, oder ein drittes ist, ist für Fabian Schuster unklar. Klar ist aber: "Diese Riffe, die hier vor Ort sind, sind in meinen Augen schützenswert." Denn immer mehr Arten würden vom Menschen in bestimmte Regionen, wie eben diese Riffe, gedrängt. "Wenn wir denen diese Regionen auch noch nehmen, wird es dann für diese Arten sehr schwierig werden zu überleben."

NABU fordert Baustopp

Darum forderte der NABU am Donnerstag einen Baustopp für den Fehmarnbelttunnel. Ob, der Planfeststellungsbeschluss in seiner jetzigen Form bestand haben kann, ist fraglich. Professor Florian Becker, Verwaltungsjurist an der Universität Kiel, geht davon aus, dass der Tunnel durch die Riffe teurer wird und dass es länger dauern wird, bis mit dem Bau begonnen werden kann. "Schlicht und ergreifend, weil vieles dafür spricht, dass eine Planergänzung stattfinden muss, die eine nicht unerhebliche Zeit in Anspruch nimmt", sagte Florian Becker NDR Schleswig-Holstein.

Bauunternehmen rechnet nicht mit Verzögerungen

Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) fordert nun, dass die Riffe in die Planungen eingepflegt werden. Das sei Aufgabe des Bauunternehmens Femern A/S. Es müsse sicherstellen, dass alle Aspekte, die für die Bewertung des Vorhabens wichtig sind, berücksichtigt werden, sagte Albrecht. Femern A/S will die neuen Erkenntnisse über das Vorkommen gesetzlich geschützter Riffe prüfen. Der Baubeginn für den Tunnel auf dänischer Seite ist für Januar 2021 geplant. Das Unternehmen rechnet nicht damit, das die Riffe den Bau der festen Fermarnbeltquerung verzögern werden. Das Amt für Planfeststellung hat auf eine NDR-Anfrage seit Montag nicht geantwortet.

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Schleswig-Holstein Magazin | 25.06.2020 | 19:30 Uhr

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