Stand: 19.10.2019 12:32 Uhr

Müllberge in Norderstedt - Wer ist zuständig?

Fast schon resigniert geht Tim Kiesow, Geschäftsführer der Autoverwertung Kiesow in Norderstedt, am Zaun seines Grundstücks entlang. Auf der anderen Seite türmen sich Müllberge so hoch und so weit wie das Auge reicht. "Das geht ja schon viele Jahre so", sagt Kiesow. "Als der Senior-Chef drüben bei dem Containerdienst noch das Sagen hatte, lief alles gesittet ab. Der Junior war aber völlig überfordert."

Ein riesiger Müllberg in Norderstedt.

Der Müllberg von Norderstedt

Schleswig-Holstein Magazin -

Seit Jahren verwahrlost mitten in Norderstedt das Grundstück eines Recyclingunternehmens. Die Eigentümer sind seit ein paar Wochen nicht mehr auffindbar.

4,11 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Wind weht Müll auf die Nachbargrundstücke

Bild vergrößern
Tim Kiesow, Chef der Autoverwertung Kiesow in Norderstedt, hat sich an die Müllberge hinter dem Zaun schon fast gewöhnt.

"Drüben" - das ist das 4.500 Quadratmeter große Grundstück der Gieschen Containerdienst GmbH. Seit Jahren ist es verwaist, vermüllt, vergessen. Tim Kiesow hat sich an den Anblick zwar inzwischen gewöhnt, ist aber genervt: "Wir geraten oft in Erklärungsnot. Kunden und Besucher vermuten, dass uns der Müll gehört. Dazu kommt, dass bei Wind regelmäßig Mülltüten über den Zaun geweht werden, die wir dann entsorgen müssen."

Stadt hat offenbar keine Handhabe

Wer aber ist zuständig für die Räumung des vermüllten Grundstücks? Die Stadt? Bernd-Olaf Struppek, Pressesprecher von Norderstedt, verweist auf Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR): "Das ist nicht unsere Aufgabe. Das LLUR ist am Zug. Seit 2011 weisen wir das Landesamt auf das Problemgrundstück hin. Erst diese Woche haben wir das LLUR aufgefordert, konkret nachzuweisen, dass von dem Grundstück keine akute Gefahr ausgeht." Denn auch die Stadt teile die Sorge der Anwohner, dass von den abgeladenen Abfällen Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen, so Struppek.

Landesamt ist mit seinen Möglichkeiten am Ende

Bild vergrößern
Aus dem 1. Stock der Firma Kiesow sieht man das ganze Ausmaß der Vermüllung.

Nach eigenen Angaben kontrolliert das LLUR das Grundstück im Norderstedter Stadtteil Friedrichsgabe seit Jahren regelmäßig. Laut Sprecher Martin Schmidt wurde in dem Betrieb 2015 ein Aufnahmestopp verhängt. Außerdem wurden Zwangsanordnungen und Zwangsgelder erlassen, die aber nicht umgesetzt beziehungsweise bezahlt wurden. "Wir können nicht weiter aktiv werden, zusätzlich zu dem, was wir sowieso schon tun", sagt Schmidt. Unglücklicherweise sei der Grundstücksbesitzer auch nicht mehr greifbar - weitere Maßnahmen seien somit unmöglich umzusetzen. "Mit dem Ausreizen des Bundesemmissionsschutzgesetzes sind wir mit unseren Möglichkeiten an die Grenzen gekommen. Es liegt keine einfache Lösung auf der Hand."

Wann der Müll verschwindet, ist unklar

Das LLUR ist demnach weiter in Gesprächen mit der Stadt Norderstedt und auch mit dem Land, wie man in Zukunft mit solchen Fällen umgehen kann, damit solche Missstände nicht über so lange Zeiträume andauern. Wie es konkret mit dem vermüllten Grundstück in Norderstedt weitergeht, bleibt unklar. Nachbar und Autoverwertungs-Chef Tim Kiesow hat dennoch Hoffnung, dass irgendwann etwas passiert. Denn: "Das Grundstück wäre äußerst interessant für uns und eine gewünschte Erweiterung - aber nur ohne Müll und Altlasten."

Weitere Informationen

Mit App und Tatortreinigern gegen illegale Müllkippen

23.07.2019 19:30 Uhr

Kaputte Gartenstühle, alte Matratzen, ausgediente Waschmaschinen: Immer öfter landen diese Sachen nicht auf dem Recyclinghof, sondern neben dem Altglascontainer. Kennen Sie Fälle in ihrer Umgebung? mehr

Großreinemachen auf der Schlei

21.09.2019 15:00 Uhr

70 Freiwillige sind am Sonnabend mit Schlauchbooten ausgeschwärmt, um Müll aus der Schlei zu fischen. Auch ein Taucherteam war im Einsatz, um den Meeresarm sauberer zu machen. mehr

Lübecker entsorgen 75 Tonnen Müll am Straßenrand

08.03.2017 19:30 Uhr

Täglich müssen die Lübecker Entsorgungsbetriebe wilden Müll aufräumen. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 75 Tonnen in der Hansestadt illegal entsorgt. Nur wenige Verursacher werden ermittelt. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 19.10.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:50
Schleswig-Holstein 18:00
03:30
Schleswig-Holstein Magazin

Politisch motivierte Gewalt nimmt zu

Schleswig-Holstein Magazin
02:40
Schleswig-Holstein Magazin