Stand: 07.02.2020 05:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Riesiger Müllberg in Norderstedt soll weg

Bauschutt, grundwassergefährdende Stoffe wie teerhaltige Dachpappe, krebserregender Asbest - mehrere Zehntausend Tonnen Müll lagern in Norderstedt seit mehr als acht Jahren offen auf unversiegelten Flächen. Der Betreiber des Recyclinghofs ist seit Jahren untergetaucht. Sein Abfallberg gilt als einer der großen Müllskandale des Landes. Da die Tore des Areals ständig verschlossen waren, war das zuständige Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) zuletzt im März 2017 für Kontrollen auf dem Gelände. Grundwasserproben wurden mehrere Hundert Meter entfernt genommen. Eine mögliche Kontamination könnte so erst in Jahrzehnten nachgewiesen werden.

Tobias Goldschmidt (Grüne), Staatssekretär im Umweltministerium, machte sich jetzt vor Ort ein Bild von der Situation. Er sagte NDR Schleswig-Holstein: "Wir haben intern geprüft, ob wir alles getan haben, um eine Gefährdung ausschließen zu können und sind zu dem Ergebnis gekommen, auch im Einvernehmen mit der Stadt, dass wir noch einmal zusätzliche Messungen des Grundwassers vornehmen werden." Dafür sollen zwei weitere Grundwassermessstellen direkt an der Grundstücksgrenze eingerichtet werden - erste Ergebnisse werden frühestens im Sommer erwartet.

LLUR schließt Gefahr für die Umwelt nicht mehr aus

Noch im Dezember 2019 hatte das LLUR im NDR Interview eine Gefährdung für Mensch und Natur ausgeschlossen. Irritierend daran ist: Schon 2017 hat der Betreiber des Recyclinghofs ein Schreiben der Behörde bekommen, in dem genau das nicht der Fall war. Das Schreiben liegt NDR Schleswig-Holstein vor. Dort heißt es, es könne "aufgrund der Art der Abfälle und der Art der Lagerung eine Verunreinigung der Schutzgüter Boden und Wasser nicht ausgeschlossen werden." Außerdem verweist das Landesamt auf die Deponieverordnung. Darin geht es unter anderem um die sogenannte Basisabdichtung und die Versiegelung des Bodens. Diese Anforderungen würden in Norderstedt nicht erfüllt, "so dass auf Dauer negative Boden- und Gewässerbeeinträchtigungen zu besorgen sind." Mit den NDR Recherchen konfrontiert, wollte auch das LLUR aus heutiger Sicht eine Gefahr für die Umwelt nicht völlig ausschließen.

Umweltministerium: Der Müllberg soll weg

Auch der Verwaltungsrechtler Jürgen Punke, Fachmann für Umwelt- und Deponierecht, geht von einer Gefährdung für die Umwelt aus. "Wenn ich das richtig sehe, ist zum Beispiel die Einlagerungssubstanz in den Containern weitgehend ungeklärt. Da hofft man schlicht darauf, dass die verschlossen und dicht sind." Ob das so ist, können auch die Mitarbeiter des LLUR nicht wissen, denn sie waren seit fast drei Jahren nicht mehr auf dem Gelände. Im Umweltministerium ist man inzwischen zu einer Überzeugung gelangt, wie man mit dem Müllberg weiter umgehen will: "Wenn wir über weitere Untersuchungen nicht feststellen, dass es eine Umweltgefährdung gibt, dann muss der natürlich trotzdem weg", sagte Staatssekretär Goldschmidt. Es müsse allerdings noch mit der Stadt Norderstedt besprochen werden, wie die Lasten aufgeteilt werden könnten. Die Beseitigung soll nach Schätzungen mehr als eine Million Euro kosten. Noch im Februar soll es erste Gespräche der zuständigen Behörden zum weiteren Vorgehen geben.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 06.02.2020 | 19:30 Uhr

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