Stand: 22.07.2020 11:11 Uhr

Mojib Latif: "Zustand der Welt ist beklagenswert"

Klimawandel, Artensterben und Extremwetter - mal direkt vor der Haustür und mal am anderen Ende der Welt: Nachhaltigkeit hat viele Facetten. 1968 haben sich Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Bereichen zusammengetan, um Zukunftsfragen der Menschheit zu lösen. Sie gründeten den internationalen Club of Rome und gaben dem Thema Nachhaltigkeit einen Platz in der öffentlichen Debatte. Dazu publizieren sie jedes Jahr einen großen Bericht. Der internationale Bericht für dieses Jahr kommt von Nachhaltigkeitsforscher Christian Berg aus Kiel. In "Ist Nachhaltigkeit utopisch?" zeigt er auf, warum gute Ideen und Projekte oft nicht umgesetzt werden. "Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine ganze Reihe von Gründen gibt", sagt Berg, der sich seit fast 20 Jahren mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt.  

Gefahr für Umwelt und Menschen

Der Zustand der Welt ist beklagenswert, meint Mojib Latif. Der Kieler Klimawissenschaftler und Ozeanforscher ist der deutsche Präsident des Club of Rome. "Der Verlust der Artenvielfalt ist ein Aspekt und dann die Verschmutzung der Umwelt in ganz unterschiedlicher Art und Weise", sagt Latif. "Wenn wir das Gefühl haben, dass das alles nicht so schlimm ist oder nicht so schlimm wird, dann müssen wir uns immer wieder klar machen: Doch, es ist schlimm", warnt er. Er erklärt, dass viele verschiedene Dinge auf einmal wirken. "Diese sogenannten multiplen Stressfaktoren sind die große Gefahr für Umwelt, Natur und uns Menschen."

Ein Bildausschnitt von einem Globus.
Der Zustand der Welt ist beklagenswert: "Es ist schlimm", meint Latif.
Physik kann keine Kompromisse

Das alles hat individuelle, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Gründe. Christian Berg ist der Meinung, "dass wir viel zu schleppend vorankommen." Zum Teil gebe es seit 20 Jahren Ziele auf Bundesebene, die immer wieder verrissen wurden und die zum Teil dann 20 Jahre nach hinten geschoben wurden. Latif ergänzt: "Es gibt ein fundamentales Problem mit der Politik: Politik ist es gewohnt, zu verhandeln und Kompromisse zu schließen. Das kann man mit Physik nicht machen."

Großer Überblick - für gemeinsames Handeln

Durch die Corona-Krise sähe man, dass Menschen sehr schnell in der Lage sind, Veränderungen anzupacken - wenn es sie selbst betrifft, so Berg. "Und das ist eben beim Klima und bei vielen globalen Herausforderungen leider nicht so. Das ist räumlich und zeitlich entkoppelt von der Ursache. Aber im Einzelnen kann jeder etwas beitragen." Im Bereich Nahrungsmittelkonsum macht er ein Beispiel: Wer sich lokal, regional, saisonal - und vegetarisch ernährt, habe schon eine ganze Menge Gutes getan. Nicht nur der Einzelne - auch Unternehmen und Politik stehen in der Verantwortung, wie Christian Berg in seinem Buch zeigt: Er blickt auf die Marktwirtschaft, globale Politik, sozialen Zusammenhalt, das Recht und Technologie. Er will den großen Überblick bieten, damit gemeinsames Handeln möglich ist.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.07.2020 | 19:30 Uhr

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