Stand: 15.02.2020 10:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Mit dem fahrerlosen Bus durch Lauenburgs Altstadt

von Phillip Kamke

Er bewegt sich im Schneckentempo mit drei bis vier Kilometern pro Stunde. Zum ersten Mal ist der Tabula Shuttle auf der neuen Strecke 3 unterwegs. Tyll Diebold von der Technischen Universität Hamburg und zwei französische Ingenieure sind mit an Bord. In Lauenburg bauen Fachleute ein Testzentrum für automatisiert verkehrende Busse - kurz Tabula - auf. Die Stadt soll als Beispiel für andere Kleinstädte in ländlich geprägten Räumen dienen.

Testphase für autonomen Bus in Lauenburg

Schleswig-Holstein Magazin -

In Lauenburg im Kreis Herzogtum Lauenburg läuft die Testphase für den Tabula-Shuttle. Zwei kleine Strecken legt er schon zurück. Bald soll der Bus völlig autonom durch die Stadt fahren.

3,56 bei 9 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Erst langsam, später schneller

Tyll Diebold und seine beiden Kollegen sind die Strecke bereits mehrmals abgefahren und haben sie genau vermessen. Mit diesen Messergebnissen ermitteln sie eine Ideallinie für den Bus, eine virtuelle Schiene. "Bei der Testfahrt fahren wir bewusst so langsam, um zu gucken, wie genau wir diese Linie getroffen haben", erklärt Tyll Diebold und ergänzt: "Die Geschwindigkeit des Shuttles wird später im Normalbetrieb angepasst."

Auf den ersten 500 Metern sieht alles gut aus, der Bus fährt ganz alleine, die Ingenieure haben offenbar gut und genau gearbeitet. Doch plötzlich muss der französische Kollege manuell eingreifen - der Bus ist auf einen Kantstein gefahren. Direkt vor Ort beheben sie den Fehler, die virtuelle Linie verschieben die Experten um 20 Zentimeter und programmieren die Strecke neu. Dann muss der Bus den Abschnitt noch einmal fahren. Tyll Diebold geht zu Fuß nebenher. "Das Augenmaß spielt bei der Testfahrt auch eine Rolle. Wir müssen ein Mittelmaß finden, wenn auf der anderen Straßenseite etwa auch noch Autos parken dürfen. Das müssen wir mit einkalkulieren", sagt er.

2,5 Kilometer durch die Stadt - neun Haltestellen

Tyll Diebold konnte bereits viele Erfahrungswerte sammeln. Denn im vergangenen Jahr hat er dem Tabula-Shuttle die ersten beiden Strecken "beigebracht". Diese waren 800 Meter beziehungsweise einen Kilometer lang. Die Strecke 3 ist mit 2,5 Kilometern deutlich länger und anspruchsvoller. Denn sie führt durch den alten Stadtkern von Lauenburg und verbindet ihn mit der Oberstadt. Die Herausforderung für Tyll Diebold: enge Straßen mit hohen Gebäuden.

Ampeln eine besondere Herausforderung

"Hier kann es immer wieder Probleme mit der Satellitenverbindung geben", erklärt der Programmierer. "Auf den Strecken 1 und 2 läuft der Shuttle bereits sehr gut. Jetzt müssen wir prüfen, wie stabil etwa die Satellitenverbindung im Testbetrieb läuft." Lauenburg sei dafür bewusst ausgewählt worden, weil man eben genau diese Problemstellung lösen wollte. Eine weitere Herausforderung sind die Ampeln. Die Sensoren im Bus können nicht erkennen, ob die Ampel gerade grün oder rot ist. Deshalb wurden an den Ampelanlagen auf der Strecke extra Sensoren angebaut, die dem Bus die Informationen übermitteln.

Tabula Shuttle lernt seine neue Strecke

Menschliche Werte gibt es nicht

"Die menschlichen Werte können wir dem Bus leider nicht beibringen. Dass Situationen im Straßenverkehr mal mit einem einfachen Durchwinken von Mensch zu Mensch gelöst werden, gibt es beim autonomen Fahren nicht mehr. Das müssen wir alles technisch lösen", sagt Tyll Diebold und betont: "Gerade bei den Ampeln brauchen wir hohe Genauigkeiten. Selbst 99,9 Prozent Erkennung heißt, dass ich in einem von 1.000 Fällen über rot fahre, und das ist zu viel."

Ab März wird es ernst

Viele Abschnitte auf Strecke 3 müssen die Ingenieure mehrmals abfahren, denn am Ende zählt jeder Zentimeter. In den kommenden Tagen soll die virtuelle Linie so optimiert sein, dass der Bus die gesamte Strecke autonom fahren kann. Wenn der TÜV alles abgenommen hat, können Ende März die ersten Gäste auf der Strecke 3 mitfahren. Platz hat der Tabula-Shuttle für zehn Mitfahrer - sie dürfen den autonomen Bus kostenlos nutzen. Zur Sicherheit wird dann auch immer noch ein Begleiter mit an Bord sein, der im Notfall manuell eingreifen kann.

Karte: Lauenburg: Die neue Strecke vom autonomen Bus
Weitere Informationen

Erste Strecke: Autonomer Bus in Lauenburg gestartet

11.10.2019 08:00 Uhr

Automatisiertes Fahren: In Lauenburg ist am Freitag ein fahrerloser Bus an den Start gegangen. Mit 18 km/h und bis zu zehn Passagieren fährt er künftig durch die Innenstadt. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.02.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:43
Schleswig-Holstein Magazin
02:46
Schleswig-Holstein Magazin