Es ist ein Sternenhimmel zu sehen. Ein Mann steht bei Fahrrädern und zwei Zelten.  Foto: Projekt Open Eyes

Mit dem Rad nach Malawi: "Die Begegnungen bewegen uns"

Stand: 05.12.2021 06:00 Uhr

Vor gut sieben Wochen sind vier junge Männer aus Kiel zu einer ungewöhnlichen Fahrradtour nach Malawi aufgebrochen. Seitdem haben sie 13 Landesgrenzen passiert und mehr als 3.500 Kilometer hinter sich. Sie wollen damit Spenden sammeln.

Unter dem Motto "Open Eyes" - also offene Augen - sind Nils Tolle, Lennard Basenau, Ravn Haid und Philipp Düring unterwegs. Ihr Ziel: Zalewa in Malawi (Südostafrika). Dort wollen sie sich den Campus des Bildungsprojekts "Face" anschauen und unter anderem dafür während der Tour Spenden sammeln. In den sozialen Netzwerken teilen sie Fotos und Erlebnisse ihrer Reise, machen so auf ihre Spendenziele aufmerksam. Dazu zählen auch die Stiftung Klimawald aus Schleswig-Holstein und Mare Liberum, eine Menschenrechtsorganisation. Nach gut 3.500 Kilometern sind die vier gerade am Zwischenziel Istanbul angekommen. "Wir haben jeden Tag neue, interessante Menschen kennengelernt", erzählt Lennart Basenau nach einer Reise quer durch Europa. NDR.de hat mit ihm gesprochen.

Sie sind jetzt seit dem 1. Dezember in Istanbul. Hatten Sie das auch so geplant?

Vier Männer stehen bei ihren Fahrrädern und Gepäck. Sie lächeln in die Kamera.  Foto: Projekt Open Eyes
Ravn Haid, Philipp Düring, Nils Tolle und Lennard Basenau (rechts) bei einem Zwischenstopp in der Altstadt von Dubrovnik, Kroatien.

Lennard Basenau: Tatsächlich wollten wir am 2. Dezember da sein. Wir hatten deshalb überlegt, noch einen kleinen Abstecher ans Schwarze Meer zu machen, aber einen Tag mehr in Istanbul können wir gut gebrauchen. Wir müssen uns um unsere Räder kümmern und auch unsere Social-Media-Kampagne bedarf ein bisschen mehr Pflege. Da nutzen wir jetzt die Zeit für Interviews mit den Projekten.

Sie unterstützen mit den Spenden drei Projekte. Und eines davon ist am Tourziel Malawi, richtig?

Basenau: Genau, das ist das "Face"-Bildungsprojekt. Nils hatte da mal ein Jahr lang gearbeitet und an einer Schule gebaut. Der freut sich jetzt schon riesig, bald wieder dort zu sein. Die sind auch weiter in gutem Kontakt geblieben, deshalb wollten wir auch unbedingt für das Projekt Spenden sammeln. Die sollen dann in den Bau von einem neuen Klassenraum fließen.

Wieso haben Sie sich ausgerechnet für eine Fahrradtour entschieden? Immerhin hat so etwas noch keiner von Ihnen auch nur annähernd gemacht?

Basenau: (lacht) Das war quasi Ausschlussprinzip. Zu Fuß wäre so eine Route viel zu lang gewesen. Mit dem Auto oder Nahverkehr wäre das zwar auch gegangen, aber mit dem Rad kommt man auch an Orte, wo man sonst nicht hinkommen würde. Und wir haben gemerkt: Das ist die perfekte Reisegeschwindigkeit, mit 20 km/h sieht man viel mehr. Und wenn wir hier so durch die Gegend fahren, werden wir ganz anders wahrgenommen, man kommt leichter an die Menschen vor Ort ran.

Und um die Begegnungen geht es Ihnen ja auch. Was haben Sie da schon erlebt?

Basenau: Eigentlich können wir echt aus jedem Land etwas berichten, aber ein Abend in Mazedonien wird uns wohl sehr gut in Erinnerung bleiben. Da sind wir zufällig auf einem Weingut gelandet und der Besitzer hatte Freunde eingeladen. Da wurden wir dann zu Essen und Raki eingeladen und die haben mazedonische Lieder gespielt und gesungen. Das war schon toll!

Ich stelle mir das aber besonders am Anfang auch ganz schön hart vor, wenn man das noch nie gemacht hat. Wie waren die ersten Tage, bereut man so eine Idee dann auch?

Basenau: Als wir in Kiel losgefahren sind, sind ganz viele noch ein paar Kilometer mitgefahren und haben uns verabschiedet. Deshalb waren wir am Anfang richtig euphorisch. Wir haben uns von den Kilometern her dann langsam gesteigert, aber nicht bewusst, da haben wir halt Routine bekommen. Bereut haben wir das auf jeden Fall nicht. Durch so viel Unterstützung fühlt man sich auch sehr gut und das gute Wetter trägt auf jeden Fall auch dazu bei.

Sie hatten aber auch schon Frost, habe ich gesehen!

Basenau: Ja, da sind wir morgens aufgewacht und die Zelthülle war gefroren. Wir sind dann nicht mal angehalten, um zu frühstücken, weil wir uns nirgends hinsetzen wollten, so kalt war das. Aber das waren immer nur die ersten Stunden, dann ging's. Das ist auch das Schwierigste, morgens aufzustehen. Man wacht dann im Dunkeln auf, damit wir loskommen, sobald es hell ist. Und wenn's dann kalt ist und regnet… ist das schwierig. Wenn man in seinem warmen Schlafsack liegt, ist alles außerhalb nicht so schön.

Und das Schönste an der Tour?

Basenau: Auf jeden Fall die Stunden auf dem Rad! Wenn das Wetter dann wieder gut ist und man durch relativ verlassene ehemalige Tourispots fährt, da einen Mandarinenbaum findet und was pflücken kann. Und die Begegnungen, die wir hatten, sind auf jeden Fall sehr eindrücklich, die bewegen uns auch irgendwie.

Drei Männer fahren mit Fahrrädern auf einem Sandweg durch die Natur.  Foto: Projekt Open Eyes
AUDIO: "Open Eyes": Mit dem Fahrrad von Kiel nach Malawi (5 Min)

Wie finanzieren Sie diese Monate unterwegs? Das Geld, das Sie sammeln, wird ja gespendet.

Basenau: Wir mussten uns vorab viel kaufen, wir haben alle neue Fahrräder zum Beispiel, bzw. gebrauchte. Schlafsack, Zelte, Kocher… aber unterwegs geben wir jetzt weniger aus als zuhause. Allein schon, weil die Miete wegfällt. Wir haben alle unsere Zimmer untervermietet oder gekündigt. Und ansonsten durch Erspartes, Bafög, und ich hab sozusagen vorgearbeitet.

3.500 Kilometer haben Sie nun hinter sich, sind in Istanbul. Wie geht's jetzt weiter?

Basenau: Weil wir unbedingt das Projekt in Malawi besuchen wollen, fliegen wir jetzt nach Tansania. Eigentlich wollten wir Flüge vermeiden wegen unserer Klimabilanz. Aber im Laufe der Planung hat sich die Lage in Äthiopien so verschlechtert, da können wir nicht langfahren. Und Fähren fahren im Moment auch nicht wegen Corona. Wenn wir dann von Tansania direkt nach Malawi fahren, sind das noch mal etwa 1.500 bis 2.000 Kilometer. Wir haben aber noch Zeit und das Radfahren macht Spaß, also machen wir vielleicht noch einen Umweg.

Und wie sieht‘s aus mit dem Spendenziel?

Basenau: Wir hatten als Summe einfach mal 50.000 Euro angeben und wussten nicht, ob’s zu optimistisch oder zu wenig ist. Bisher haben wir knapp 4.000 Euro gesammelt, da ist noch Luft nach oben - aber vielleicht wird's auch mehr, wenn wir dann in Afrika sind und berichten. Und auch wenn wir wieder zurück sind, wollen wir weiter Spenden sammeln für alle drei Projekte.

Das Interview führte Lina Bande.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 03.12.2021 | 19:10 Uhr

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