Stand: 13.07.2018 21:28 Uhr

Mit Zäunen und Lichtsignalen gegen den Wolf

Als im Frühjahr 2007 in Schleswig-Holstein erstmals seit 200 Jahren ein Wolf auftauchte, war die Begeisterung bei vielen Tierfreunden groß. Die Wölfe haben eine wichtige Funktion in der Natur: Sie reißen kranke Wildtiere, halten so Bestände gesund und verhindern Massenvermehrung. Mittlerweile werden immer öfter Wölfe gesichtet. Und damit zeigt sich auch eine Schattenseite. Denn Wölfe holen sich auch Schafe von den Weiden. Seit Anfang Juni wurden auf der Halbinsel Eiderstedt 32 Schafe gerissen. In einigen Fällen lieferte eine DNA-Untersuchung den Beweis, dass es sich um einen Wolf handelt. Das sorgt für großen Unmut unter Tierhaltern. Auch die Experten des Umweltministeriums sprechen von einer besonderen Häufung - sowohl im Vergleich zu Vorjahren, als auch im Vergleich zu anderen Regionen des Landes. Sie wollen jetzt mit einem Pilotprojekt versuchen, die Herden dort zu schützen.

Stoppen Licht-Blitze den Wolf?

Thomas Gall vom Umweltministerium hat am Freitag in Tetenbüll (Kreis Nordfriesland) mit 250 Tierhaltern aus der Region über das Thema gesprochen und ihnen seine Ideen vorgestellt. Er empfiehlt unter anderem, spezielle Schutzzäune rund um Weiden zu ziehen. Außerdem will das Land erstmals mit technischen Geräten versuchen, Wölfe von Herden fernzuhalten. Helle Lichtsignale in unterschiedlichen Farben sollen die Wölfe irritieren und abschrecken. "Ergebnisse aus der Schweiz sind sehr vielversprechend", sagte Gall. Das Land habe die Geräte bereits beschafft und wolle sie in Kürze testen.

Tierhalter fordern besseren Schutz der Schafe

Die Pläne des Umweltministeriums gehen den Tierhaltern auf Eiderstedt nicht weit genug. Landwirt Peter Theodor Hansen aus Osterhever, der die meisten Schafe verloren hat, hält das Verscheuchen von Wölfen für unzureichend. "Es gibt auch Wolfsfallen, tierschonend auch mit Plastiknetzen", sagte Hansen. Andere forderten bei der Veranstaltung, den Wolf zu erschießen. "Ich knall ihn ab", rief ein Mann aus der Menge. Nach Angaben von Thomas Gall sei das nur unter besonderen Umständen und nur mit einer Genehmigung möglich. "Einfach selbst tätig zu werden, wäre eine Straftat", warnte er die zum Teil aufgebrachten Tierhalter.

Videos
00:46

Was tun, wenn Sie einem Wolf begegnen?

Der Wolf ist in den Norden zurückgekehrt, doch Begegnungen sind selten. Wölfe sind scheue Tiere. Beachten Sie folgende Tipps, falls Sie es doch mal mit einem zu tun bekommen. Video (00:46 min)

Aus Sicht von Gall müsse die Politik die Richtung vorgeben und gegebenenfalls Gesetze ändern. Die Landtagsabgeordneten Klaus Jensen (CDU) und Oliver Kumbartzky (FDP), die sich in Tetenbüll ebenfalls den Fragen der Schafhalter stellten, sicherten Hilfe zu. "Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir neu denken müssen", sagte Kumbartzky mit Blick auf den Schutzstatus der Wölfe.

Schafe sind für den Küstenschutz im Einsatz

Die Situation auf Eiderstedt ist eine besondere. Die Schafe sind auf den kilometerlangen Deichen der Halbinsel im Einsatz, um das Gras kurz zu halten. Sie leisten somit einen Beitrag zum Küstenschutz. Es gibt auf dem flachen Marschland keine größeren Waldflächen und damit auch kaum Wildtiere. Der Wolf hat aus Sicht von Landwirt Hansen also keine natürliche Beute. Hansens Familie betreibt seit 200 Jahren einen Hof, mit einem Wolf haben sie nach eigenen Angaben zum ersten Mal zu tun. "Aus ökologischer Sicht ist hier nicht der Lebensraum für den Wolf", sagt Hansen. Er und viele Schäfer rechnen damit, dass der Wolf weiter Jagd auf Schafe macht, weil sie eine leichte Beute seien.

Junger Wolf stammt aus Dänemark

Augenzeugen wollen auf Eiderstedt gesehen haben, wie zwei Wölfe gleichzeitig jagen. Andere berichteten, sie hätten beobachtet, wie ein Tier sehr nah an eine Schulklasse herangekommen sei, die auf einem Bauernhof zu Besuch war. Bilder, die solche Vorfälle belegen, gibt es nicht. Nach Angaben des Umweltministeriums hätten Experten mehrere DNA-Proben untersucht, die belegen, dass zumindest ein Wolf auf Eiderstedt aktiv war. Es soll sich um ein männliches Jungtier handeln, das aus einem dänischen Rudel stammt und im vergangenen Jahr geboren wurde.

Weitere Informationen

Jäger macht seltene Aufnahmen eines Wolfes

Seltene Aufnahmen aus dem Kreis Segeberg. Dort gelang es einem Jäger, einen jungen Wolf zu filmen. Experten vermuten, dass das Tier sein Rudel verlassen hat. Sucht es ein eigenes Revier? (11.06.2018) mehr

Wolf auf Autobahn 23 bei Tornesch überfahren

Auf der A 23 bei Tornesch (Kreis Pinneberg) ist ein Wolf überfahren worden. Doch das war nicht der einzige Nachweis für das Raubtier in den vergangenen Tagen. (14.05.2018) mehr

Wölfe im Herzogtum Lauenburg auf der Pirsch

Ungewöhnlicher Besuch auf dem Acker: Im Kreis Herzogtum Lauenburg hat ein Landwirt gleich zwei Wölfe gesichtet. (08.05.2018) mehr

Kamera erwischt Wolf (und Katze) im Vorgarten

In Krempel überwacht ein Hausbesitzer sein Grundstück mit Wildkameras. Jetzt ist ihm ein Wolfsvideo gelungen. Das Tier war auf der morgendlichen Runde aber nicht allein. (11.11.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.07.2018 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:40
Schleswig-Holstein Magazin

Kiel will Diesel-Fahrverbot verhindern

18.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:13
Schleswig-Holstein Magazin

A7-Ausbau in Schleswig-Holstein (fast) fertig

18.12.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin