Stand: 01.11.2018 07:35 Uhr

Mit Papier statt Plastik aus der Krise

Weniger Plastikverpackungen und weniger Plastikanteile in Verpackungen: Plastik zu reduzieren ist eines der Ziele des neuen Verpackungsgesetzes, das 2019 in Kraft tritt. Die Papierfabrik Feldmuehle in Uetersen (Kreis Pinneberg) hat ein Papier entwickelt, um das sich die Verpackungsindustrie bald reißen könnte.

Papierverpackungen oft mit Plastik beschichtet

Verbraucher erkennen den Plastikanteil einer Verpackung nicht immer auf den ersten Blick. Viele versiegelte Papier-Tütchen, wie von Teebeuteln oder Backpulver, sind von innen mit Plastik beschichtet und deshalb nicht recycelbar. Die Produktentwickler in Uetersen wollen das mit einer speziellen Beschichtung für ihr Papier ändern.

"Diese Dispersion soll eine Funktionalität auf dem Papier hervorrufen, wie sie eine Folie hat", sagt Produktentwickler Stefan Eitze. "Es soll das Papier siegelfähig machen. So kann man damit eine Verpackung ohne den Einsatz von Klebstoff herstellen. Sie soll aber gleichzeitig noch als Papier recyclingfähig sein. Die Herausforderung ist, Produkte zu finden, die wir kombinieren können, die sich auf unserem Papier aufstreichen lassen und dann als Verpackungsmaterial recyclingfähig bleiben."

Herausforderung: Lebensmittel

Zwei Männer arbeiten in einer Papierfabrik © NDR
Die Produktentwickler der Papierfabrik Feldmuehle haben ein Verfahren entwickelt, um Lebensmittel umweltfreundlich zu verpacken.

Noch dazu muss das Papier geruchs- und geschmacksneutral sein, schließlich sollen Lebensmittel damit verpackt werden. Für den Sensorik-Test kommt das Papier 48 Stunden in ein Einweckglas mit feinster Schweizer Schokolade. "Schokolade nimmt sehr gut Gerüche und Fremdaromen auf", erklärt Eitze, "und wenn jetzt in dem Papier irgendein Bestandteil sein sollte, der den Geschmack oder den Geruch der Schokolade verändern könnte, würde man das bei diesem Test sofort feststellen."

Das neue Papier besteht auch problemlos den Recyclingtest. Löst man es in Wasser auf, bleibt am Ende ein Faserbrei übrig. Daraus lässt sich wieder Papier machen. Mit Folien beschichtete Papierverpackungen sind dafür nicht geeignet.

Nicht frei von Plastik, aber recyclebar und wasserlöslich

Die neue Beschichtung ist nicht plastikfrei, sonst würde sie beim Heißsiegeln nicht verkleben. Aber sie ist wasserlöslich und darf ins Altpapier. Das Interesse der Verpackungsindustrie sei groß, sagt Stefan Eitze, vor allem mit Blick auf die anstehende Gesetzesänderung. Mit vielen Kilometern recyclebarem Verpackungsmaterial für Teebeutel, Puddingpulver, Backmischungen und Ähnliches ist die Feldmuehle gut aufgestellt.

Die Papierfabrik Feldmuehle ist ein Traditionsunternehmen, das es bereits seit mehr als hundert Jahren gibt. Besonders in den letzten Jahren ist die Unternehmensgeschichte turbulent. Gerade erst hat das Unternehmen eine Insolvenz überwunden. Aber angesichts der neuen innovativen Papierverpackung blicken die 400 Mitarbeiter mit Zuversicht in die Zukunft.

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