Stand: 18.03.2019 20:10 Uhr

Wenn die Sprengung nicht so läuft wie geplant

Es ist alles vorbereitet: das Dynamit verbaut, das Gebiet abgesperrt, der Auslöser zurechtgelegt. Dann ist der Moment da, für den die vielen Zuschauer gekommen sind. Der Sprengmeister drückt den Knopf, es knallt, es kracht. Die Wucht des Sprengsatzes reißt dem Raiffeisenturm in Kropp den Sockel weg, das 950 Tonnen schwere Gebäude kippt. So soll es sein, doch der Sprengmeister im orangenen Overall schlägt im Schock die Hände über dem Kopf zusammen: Statt auf ein freies Feld fällt der gesprengte Bau auf das nebenstehende Gebäude - die Raiffeisenbank.

Diese Panne passiert vor 30 Jahren in dem kleinen Ort im Kreis Schleswig-Flensburg - am 18. März 1989. Zum Glück ist die Bank geräumt, es wird keiner verletzt.

"Fritz, das geht in die Hose!"

Peter Schmidt ist damals als Zugführer beim Technischen Hilfswerk (THW) dabei. "Da vorne stand ich mit Sprengmeister Kröger zusammen, als er dann den Knopf drückte", berichtet Schmidt heute. Er habe gesehen, dass der Turm ein wenig seitlich fiel. "Ich sag': 'Fritz, das geht in die Hose!' Und es ist leider dann auch in die Hose gegangen."

Nicht so schlimm, wie es anfangs scheint

Die Trümmer des Turms, der als Silo diente, sind durch das Dach ins Innere gekracht. Zwischen Schutt und gebrochenen Holzplanken stehen grüne Pflanzen herum, hängen braune Schilder mit der Aufschrift "Kundencenter". Doch der Schaden am Gebäude ist in der Konsequenz kein so großes Problem, wie es anfangs scheint: Die Bank sollte ebenfalls weichen, die Räume sollten nur noch knapp zwei Wochen genutzt werden. Der Abriss stand ohnehin vor der Tür. Bloß war er für später geplant.

An diesem Sonntag sollte vorerst nur der Siloturm fallen. Die vielen Zuschauer allerdings freuen sich über die Wendung. Die Medien berichten sogar in den Vereinigten Staaten über den Kropper Turm.

Fassungsloser Sprengmeister, gelassener Bank-Chef

Der Sprengmeister ist nach dem Zwischenfall sichtlich mitgenommen, wiegt auch eine Weile nach der Explosion noch seinen Kopf zwischen den Händen, wirkt etwas fassungslos. 14 Schornsteine hat er bis dahin erfolgreich gesprengt, und nun das, bei seinem ersten Turm. Der Chef der Raiffeisenbank Kropp, Wilhelm Frenzen, nimmt es gelassener. "Hiermit haben wir beim besten Willen nicht gerechnet", sagt er einem Reporter des Schleswig-Holstein Magazins locker, "die Bank sollte in etwa einem halben Jahr abgerissen werden." Als Schaden schätzt Frenzen damals etwa eine halbe Million Mark. Diese Summe übernimmt allerdings die Versicherung - und die Bank spart sich die Kosten für den Abriss.

Sprengmeister Kröger trägt keine Schuld

Mittlerweile steht fest: Der Sprengmeister hatte keine Schuld. "Es lag letztendlich an den Bauunterlagen, die ihm zur Berechnung der Sprengung übergeben wurden", weiß THW-Mann Schmidt. Man habe nicht in die Berechnungen einfließen lassen, dass der Turm mittig mehr Metall verbaut hatte als in den Unterlagen verzeichnet war. Dadurch habe die Sprengung nicht ausgereicht, den inneren Kern des Baus zu zerstören. "Und das hat dafür gesorgt, dass dann die Lastverschiebung zur negativen Seite gegangen ist", sagt Schmidt. Eine nachträgliche Genugtuung für den Sprengmeister - wenn er auch das Gefühl von damals wohl nie vergessen wird.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.03.2019 | 19:30 Uhr

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