Stand: 13.11.2019 05:00 Uhr

Misshandlung durch Mutter? Urteil erwartet

Eine Mutter soll jahrelang gegenüber Krankenkassen, Behörden und Ärzten behauptet haben, ihre vier Kinder litten an schweren chronischen Erkrankungen. Auch den Kindern selbst redete sie die Krankheiten offenbar ein. Angeklagt ist die 49-Jährige wegen gewerbsmäßigen Betruges und der Misshandlung von Schutzbefohlenen. Heute will das Landgericht Lübeck das Urteil verkünden.

Münchhausen-Stellvertretersyndrom diagnostiziert

Die Staatsanwaltschaft vermutet Geldgier und Geltungssucht als Motiv und hat zehn Jahre Haft für die Angeklagte beantragt. Der finanzielle Schaden für den Steuer- und Beitragszahler beläuft sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf 135.000 Euro. Die Verteidigung sieht eine Mitschuld des Gesundheitssystems und hat deshalb eine milde Strafe gefordert. Nach Angaben des Verteidigers leidet die Frau an einer schweren psychischen Störung. Die 49-Jährige äußerte sich bisher nicht zu den Vorwürfen.

Nach Aussage einer psychiatrischen Sachverständigen leidet die Angeklagte an einem sogenannten Münchhausen-Stellvertretersyndrom, ist aber voll schuldfähig. Bei dieser psychischen Störung erfinden Eltern bei ihren Kindern Krankheitssymptome, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

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Die vierfache Mutter, die wegen Misshandlung angeklagt ist, geht zum Saal 315 am Landgericht Lübeck. © dpa-Bildfunk Foto: Rainer Jensen

Prozess um Misshandlung: Zehn Jahre Haft gefordert

Eine Mutter aus dem Kreis Ostholstein soll Krankheiten ihrer Kinder vorgetäuscht haben, um Sozialleistungen zu beziehen. Die Staatsanwaltschaft hat dafür am Montag zehn Jahre Haft gefordert. mehr

Vorwurf: Hüftschäden, Rheuma, Asthma vorgetäuscht

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, zwischen 2010 und 2016 unter anderem Arztberichte gefälscht und Medizinern falsche Krankheitsbilder ihrer Kinder geschildert zu haben: von Hüftschäden über Rheuma und Asthma bis hin zur Bluter- und Glasknochenkrankheit. Teilweise mussten die Kinder laut Staatsanwältin halbtags im Rollstuhl sitzen. Die Frau wollte laut Anklage eine Pflegestufe für ihre Kinder bekommen und sich so Sozialleistungen erschleichen. Die Kinder nahmen laut Staatsanwältin irgendwann selbst an, schwer erkrankt zu sein.

Staatsanwaltschaft: Kinder litten auch seelisch

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mussten die heute zwischen zehn und 18 Jahre alten Kinder unnötige medizinische Behandlungen über sich ergehen lassen. Ihnen wurden offenbar sogar Schulbetreuer an die Seite gestellt. Dadurch, dass sie nicht laufen durften, bauten die Kinder laut Anklage Muskeln ab und litten auch seelisch.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.11.2019 | 08:00 Uhr

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