Stand: 29.06.2018 16:02 Uhr

Missbrauchsprozess: Acht Jahre Haft für Wulfsdorfer

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Ruhig hatte der unscheinbar wirkende Mann aus Wulfsdorf den Prozessauftakt Anfang Juni verfolgt.

Ein 44 Jahre alter Mann aus Wulfsdorf (Kreis Ostholstein) muss für acht Jahre ins Gefängnis, weil er einen Jungen missbrauchen und töten wollte. Das Urteil fiel Freitagnachmittag in Karlsruhe. Das Landgericht ordnete außerdem Sicherungsverwahrung an. Einen Tötungsvorsatz wurde ihm aber nicht nachgewiesen. Die Staatsanwaltschaft hatte den einschlägig vorbestraften 44-Jährigen wegen Sichbereiterklärens zum Mord, zum sexuellen Missbrauch von Kindern und zur Vergewaltigung sowie wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Schriften angeklagt.

Prozess nur zum Teil öffentlich

Der Prozesstag begann mit Plädoyers, die allerdings nicht öffentlich waren. Die Verteidigung hatte den Ausschluss beantragt, weil der Angeklagte in seiner Aussage persönliche Dinge wie sein Sexualleben erläutern wollte.

Kontakt lief über das Darknet

Der Verurteilte hatte den Partner der Mutter des Neunjährigen aus Staufen gefragt, ob er den Jungen missbrauchen und töten könne. Der Kontakt lief über das sogenannte Darknet. "Zu einem Treffen ist es damals nicht gekommen, weil der Lebensgefährte eine Tötung des Jungen abgelehnt hat", hatte Tobias Wagner, Pressesprecher der Karlsruher Staatsanwaltschaft, beim Prozessauftakt Anfang Juni gesagt.

Ermittler fingierten Verabredung

Der Wulfsdorfer ging der Polizei im vergangenen Jahr nach verdeckten Ermittlungen ins Netz. Als die 48 Jahre alte Mutter des Kindes und deren Lebensgefährte schon in Untersuchungshaft saßen, fingierten die Ermittler eine Verabredung mit dem Schleswig-Holsteiner. Dieser machte sich auf den Weg und wurde von der Polizei in Karlsruhe festgenommen. Der Angeklagte war wegen der Verbreitung von Kinderpornografie vorbestraft.

Paar soll Kind im Internet verkauft haben

Insgesamt befinden sich in dem Fall acht Verdächtige aus dem In- und Ausland in Untersuchungshaft. Drei Männer sind in einzelnen Verfahren bereits verurteilt worden. Keines der Urteile ist rechtskräftig. Das Paar soll das Kind seit 2015 im Internet für Sex gegen Geld in Höhe von mehreren Tausend Euro angeboten und sich selbst ebenfalls an ihm vergangen haben.

Der Missbrauchsfall ist erst im Januar öffentlich geworden und gilt als eines der schwerwiegendsten Sexualverbrechen an Kindern, die die Behörden im Südwesten des Landes jemals bearbeitet haben. Der Junge lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. "Er bemüht sich, in seinem neuen Leben ohne Gewalt und sexuellen Missbrauch Tritt zu fassen", sagte eine Staatsanwältin am Rande des Prozesses.

Kritik an Justiz und Jugendamt

Auch Justiz und Jugendamt stehen im Zusammenhang mit den Taten in der Kritik. Sie hatten den Jungen zurück zur Mutter geschickt, obwohl bekannt gewesen sein soll, dass sie eine Beziehung mit einem einschlägig vorbestraften Mann führte. Zwar wurde diesem der Kontakt zu Kindern untersagt, aber er hielt sich nicht an die Auflagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 29.06.2018 | 16:00 Uhr

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