Stand: 31.08.2018 16:58 Uhr

Minister Albrecht: Der Neue und die Bauern

von Constantin Gill

Auf dem Landesbauerntag in Rendsburg übergibt Robert Habeck den Staffelstab an den neuen Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht.

Als die Blaskapelle drinnen im Saal loslegt, muss Jan Philipp Albrecht draußen noch Hände schütteln. Zusammen mit Noch-Amtsinhaber Robert Habeck und Staatssekretärin Anke Erdmann ist er vor der DEULA-Halle in Rendsburg angekommen. Während Habeck im jovialen Ton mit Verbandsvertretern und Nachwuchs-Fischern gleichermaßen gekonnt plaudert, steht Albrecht erst noch etwas schüchtern lächelnd dabei. Und nimmt dann wieder Glückwünsche entgegen und schüttelt noch mehr Hände. Er fühle sich "gut aufgehoben" bei den Bauern, sagt er lächelnd. Keine Selbstverständlichkeit. Gilt doch gerade der Landesbauerntag als ein schwieriges Pflaster für grüne Minister.

"Unkompliziert und offen"

Bei dem einen oder anderen Verbandsvertreter scheint Albrecht aber schon einen Stein im Brett zu haben. "Unkompliziert" findet Bauernverbandspräsident Werner Schwarz ihn. Gestern hat er schon einen Mittagsimbiss mit ihm eingenommen und abseits der fachlichen Themen mit ihm gesprochen. Vizepräsident Klaus-Peter Lucht sagt zwar, dass er Albrecht ja noch nicht lange kenne, schätzt ihn aber spontan als einen "offenen Menschen" ein. "Sehr freundlich" sei er gewesen. Und ein Treffen auf dem Hof von Klaus-Peter Lucht sei schon vereinbart.

Landwirte hoffen auf Wertschätzung

Nebenbei schieben sich immer mehr Landwirte in den Saal hinein. Die Kapelle - der Feuerwehr-Musikzug Alt Duvenstedt - spielt "When the saints go marching in" - aber auf das Minister-Duo Habeck und Albrecht ist das wohl nicht bewusst gemünzt. Ein "Heilsbringer" sei Habeck nicht gewesen, sagt ein Landwirt. Aber er sei bei den Bauern angekommen.

Und der Neue? Manche Bauern hoffen, dass er die Politik seines Vorgängers fortsetzt. Andere wollen sich noch nicht festlegen, sie kennen ihn ja noch nicht. Einer sagt: "Man muss ihm eine Chance geben." Immer wieder fallen Begriffe wie "Verständnis" und "Wertschätzung" - so etwas wünschen sie sich von Albrecht.

Im Saal hat die Feuerwehrkapelle ihr Repertoire fast abgearbeitet, als kurz vor Beginn der Reden dann auch der Ministerpräsident zu seinen - vorübergehend - zwei Landwirtschaftsministern stößt. Es wird noch kurz rumgealbert und in die Kameras gelächelt. Dann nehmen alle ihre Plätze ein, Albrecht und Habeck nebeneinander.

Keine tiefen Gräben

Natürlich teilt der Bauernverband heute auch gegen Kritiker und Politiker aus. Albrecht erträgt es mit Pokerface und hört zu. Verbandspräsident Schwarz betont dann aber auch immer wieder Gemeinsamkeiten. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) verspricht, die Bauern zu unterstützen. Er berichtet auch, wie ihn die Bundeslandwirtschaftsministerin nach Albrecht gefragt habe. Wie denn der Neue sei? Günther habe gesagt, der werde "ein guter Minister sein". Robert Habeck klatscht als erster.

Die lockere Stimmung auf dem Landesbauerntag ist keine Selbstverständlichkeit. Gab es in vergangenen Jahren noch wütende Proteste von Landwirten vor der Halle, stehen heute nur ein paar Milchbauern mit Plakaten vor der Tür. Vielleicht auch ein Verdienst von Robert Habeck, der vor ein paar Jahren noch ausgepfiffen wurde, heute aber seinen letzten Tag hat und sich spürbar emotional von den Bauern verabschiedet und dafür großen Applaus bekommt.

Nach kurzer Beratung auf dem Podium geht dann auch Jan Philipp Albrecht kurz ans Mikro: Er wolle zumindest kurz "Moin" sagen, so Albrecht. Er sagt den Bauern zu, mit ihnen gemeinsam - wie von Bauernverbandspräsident Schwarz vorgeschlagen - einen Pakt für Landwirtschaft zu schmieden. Seinen ersten Applaus auf einem Landesbauerntag hat Albrecht damit in der Tasche.

Albrecht übernimmt

Nach zweieinhalb Stunden Reden hat Klaus-Peter Lucht, der Vizepräsident des Bauernverbands, das letzte Wort und spricht von einem "historischen" Landesbauerntag. Dem "Neuen" gibt er noch mit auf den Weg, er solle Vertrauen zu den Landwirten haben. "Wir sind gute Jungs und gute Frauen!"

Mit denen zusammen verlässt Albrecht am Ende den Saal, bevor er draußen wieder Hände schütteln muss und der Tross zum gemeinsamen Mittagessen weiterzieht. Robert Habeck ist schon vorher mit schnellen Schritten verschwunden. Während die Blaskapelle noch die letzten Takte der Schleswig-Holstein-Hymne spielt.

Weitere Informationen

Schnelle Dürrehilfen sind nicht in Sicht

Schleswig-Holsteins Landwirte hoffen nach der Dürre auf schnelle finanzielle Hilfe von Bund und Ländern. Sie müssen sich jedoch offenbar auf langwierige Prüfungen einstellen. mehr

Neuer Minister Albrecht will "einen draufsetzen"

Im September wird Jan Philipp Albrecht Umweltminister. Der Grünen-Politiker folgt auf seinen Parteifreund Robert Habeck. Was hat der neue Mann im Ressort für "Draußen und Digitales" vor? mehr

Habeck geht: Ein Minister auf Abschiedstour

Robert Habecks Zeit als Minister in Schleswig-Holstein endet. Ab September ist er Grünen-Bundeschef in Vollzeit. Ein spannender Termin wartet Ende der Woche jedoch noch auf ihn. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 31.08.2018 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:55
Schleswig-Holstein Magazin
03:07
Schleswig-Holstein Magazin
02:59
Schleswig-Holstein Magazin