Minimalistin braucht weder Waschmaschine noch Kühlschrank

Stand: 17.01.2021 13:47 Uhr

Eine Waschmaschine hat sie nicht. Ihre Wäsche wäscht sie im Eimer. Das Waschmittel dafür macht sie selbst. Anke Großbach ist Minimalistin.

Seit drei Jahren lebt sie in einem kleinen Haus - einem "Small House" - am Selenter See (Kreis Plön). Die Bankkauffrau wollte weg von Überflussgesellschaft und Konsumrausch. "Mir ist es wichtig, nachhaltig und minimalistisch zu leben, weil wenn ich wenig Dinge besitze, dann habe ich mehr Zeit und ich versuche mit meiner Art zu leben, die Natur zu schützen", erklärt die 41-Jährige.

Weniger Besitz, mehr Freiheit 

Ihren Traum vom Minimalismus lebt sie seit drei Jahren in ihrem 55 Quadratmeter großen Holzhaus. Dort hat sie keine Heizung, warm wird es nur, wenn sie in den Wald geht und Holz hackt, um ihren Kamin zu heizen.

Ihr Haus ist ein Neubau, den hat sie teilweise selbst entworfen und wenig aus ihrem alten Leben mitgenommen - von ihren Kleidern nur etwa ein Viertel. "Ich bin hier nur mit den Dingen hergezogen, die ich mag, die mein Leben schöner machen“, erklärt sie. "Wenn ich morgens vor meiner Kleiderkiste stehe, und mir die Frage stelle: 'Was will ich anziehen?' Dann sehe ich lauter Lieblingsklamotten." Schritt für Schritt hat sie ihren Besitz und ihren Konsum reduziert und dadurch Freiheit gewonnen, sagt sie.

Gartenhaus statt Kühlschrank  

Zu ihrem Haus gehört ein Gartenhaus - das ist Werkstatt und Vorratskammer in einem. In einem alten Schrank lagern die Sachen, die gekühlt werden müssen. Es sei ja die Hälfte des Jahres kalt. "Ich versuche nur das zu haben, was ich demnächst auch verbrauche", sagt sie.  

Die 41-Jährige hat sich nie zu Entbehrungen gezwungen, sondern ausprobiert, worauf sie verzichten kann und sich Zeit gegeben, berichtet sie. Deswegen gibt es in ihrem Haus auch Leitungen für Herd und Waschmaschine, die sie aber nie in Betrieb genommen hat. Pro Tag hat sie ein Limit, das sie ausgeben kann. Gestartet ist sie mit zehn Euro - mittlerweile ist sie bei fünf. "Das musste ich auch erst einmal aushalten, aber es ist immer weiter reduzierbar."

Ein Leben ohne Gelben Sack

Inzwischen hat Anke Großbach auch gelernt, Dinge des täglichen Bedarfs selber herzustellen - zum Beispiel ihre Hautcreme. Die bereitet sie aus Bienenwachs und Öl selbst auf dem Kamin zu. Aber auch Wasch- und Putzmittel macht sie selber. Das spart nicht nur Geld, sondern auch Plastikmüll. Einen Gelben Sack braucht sie schon lange nicht mehr. "Ich genieße es, viel Zeit zu haben, weil ich mich um wenig Dinge kümmern muss, das macht Spaß", erklärt sie.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.01.2021 | 19:30 Uhr

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