Northvolt Visualisierung der Fabrik in Heide. © Northvolt

Millionen-Fördermittel für Batteriefabrik bei Heide angekündigt

Stand: 15.03.2022 17:10 Uhr

Die schwedische Firma Northvolt will bei Heide eine Batteriefabrik errichten. Pro Jahr sollen dort Zellen für etwa eine Million E-Autos produziert werden. Die Bundesregierung und das Land Schleswig-Holstein stellen Fördergelder in Aussicht.

Auf Flächen der Gemeinden Norderwöhrden und Lohe-Rickelshof (Kreis Dithmarschen) plant Northvolt den Bau einer sogenannten Gigafactory - und eine Recycling-Anlage für alte Batterien. Das Unternehmen rechnet mit 3.000 Arbeitsplätzen. In der Fabrik sollen jedes Jahr Batterien mit einer Kapazität von 60 Gigawattstunden gebaut werden, genug für etwa eine Million E-Autos. Der Produktionsstart ist für 2025 geplant. Die ersten vier Stellenanzeigen für das Projekt bei Heide sind schon online.

Wirtschaftsminister Buchholz begeistert

Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) zeigte sich begeistert von den Plänen für die Großfabrik: "Eine Batteriezellen-Gigafactory ist eine Megachance - nicht nur für den Westen Schleswig-Holsteins, sondern für die ganze Bundesrepublik Deutschland", sagte der Minister am Dienstag. Er bezeichnete das Vorhaben als "größte Industrieansiedlung in Schleswig-Holstein seit mehr als 50 Jahren" und als "Game Changer" für die Westküste.

Habeck kündigt Fördermittel an

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) kündigte Fördermittel für die geplante Batteriefertigung an. Die Mittel würden im Rahmen des Programms "Important Projects of Common European Interest" (IPCEI) zur Verfügung gestellt, teilte Habeck am Dienstag in Berlin mit. "Northvolts Produktion wird konkret dazu beitragen, die Lieferketten für Elektromobilität in Deutschland und Europa zu stärken", so der Minister. "Deshalb wird auch die Bundesregierung das Projekt substanziell unterstützen." Eine Summe nannte er noch nicht.

Northvolt kann neben Bundesmitteln auch mit Fördermitteln des Landes Schleswig-Holstein rechnen, wie Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) am Dienstag in Heide sagte. Sie bezifferte diese auf bis zu 50 Millionen Euro. Die Förderung werde aus Erträgen finanziert, die das Land 2023 aus der Abwicklung der HSH Nordbank erwarte.

Erwarteter Verkehr: 75 Lkw pro Tag - oder ein Güterzug

Northvolt Visualisierung der Fabrik in Heide. © Northvolt
So könnte die neue Batteriefabrik der Firma Northvolt bei Heide aussehen

Am Montagabend hatte Northvolt seine Pläne den Bürgern der beiden Gemeinden vorgestellt. Bürgermeister, Firmenvertreter und der Chef der Staatskanzlei, Dirk Schrödter, warben bei den Zuhörern für die Batteriefabrik. Die Fabrik sei eine große Chance, biete bis zu 3.000 Arbeitsplätze und für jüngere Leute eine echte Perspektive, argumentierten sie. Wer in Heide studiert habe, wolle dann vielleicht zu Northvolt, statt zu Porsche nach Zuffenhausen, hieß es von Unternehmensseite. Aber: Der Verkehr werde zunehmen. Zu rechnen sei mit 75 Lkw pro Tag oder einem Güterzug - falls die Fabrik einen Gleisanschluss bekäme, was sich die Fima wünsche - auch wenn die Fabrik auf einem Grundstück an der A23 entstehen soll.

Im Anschluss stellten die Besucher Fragen. Ab wann es mehr Details gäbe, ob das Unternehmen alle notwendigen Flächen bereits erworben habe? Das verneinten die beiden Firmenvertreter. Bis jetzt liege nur eine Grobplanung vor. Wer Details wissen wollte, wurde auf kommende Veranstaltungen vertröstet. Nach knapp drei Stunden war die Bürgerinformation vorbei. Die Reaktionen: von positiv überrascht bis "erst mal sacken lassen", so einige der Besucher. Am Dienstagmittag informiert die Landesregierung in Heide über das Projekt. Eine Absichtserklärung für das Projekt hat Northvolt schon unterschrieben.

Northvolt will nach Heide wegen des Windstroms

Für die Standortwahl spreche neben der günstigen Lage zwischen Nord- und Mitteleuropa der "Reichtum an sauberer Energie" im Norden, erklärte das Unternehmen am Dienstag in einer Pressemitteilung zu dem Projekt. Es nennt die Region "clean energy valley".

Erklärtes Ziel des Unternehmens ist es, Batterien für E-Autos mit "dem geringsten ökologischen Fußabdruck in Kontinentaleuropa" herzustellen. Der Standort Heide sei der "Schlüssel zur Verwirklichung dieses Ziels", so der Chef und Mitbegründer von Northvolt, Peter Carlsson. "Die Region beherbergt das sauberste Energienetz Deutschlands, das sich durch einen Überschuss an Strom aus On- und Offshore-Windkraft auszeichnet", argumentierte Carlsson. Außerdem sei auch saubere Energie, die über Netzkopplungen mit Dänemark und Norwegen bereitgestellt und verstärkt wird, kennzeichnend für die Region.

Northvolt arbeitet mit Automobilbranche zusammen

Northvolt arbeitet eng mit Europas größtem Autohersteller Volkswagen zusammen, der auch mit rund 20 Prozent an dem jungen schwedischen Unternehmen beteiligt ist. Das erste Northvolt-Werk im nordschwedischen Skellefteå hat Ende 2021 die Produktion von Batteriezellen aufgenommen. Komplette Batteriesysteme will Northvolt zudem in einem Werk im polnischen Danzig produzieren. Auch mit Volvo will Northvolt im schwedischen Göteborg eine Batteriezellfertigung aufbauen. Gründer Carlsson arbeitete zuvor als Chef des Einkaufs beim E-Auto-Hersteller Tesla.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.03.2022 | 17:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Energie

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Ein Warnschild in einem Wald weist auf Waldbrandgefahr hin © picture alliance Foto: Julian Stratenschulte

Sonnige Wetteraussichten - Waldbrandgefahr in SH steigt

Noch liegt die Gefahr laut Landesfeuerwehrverband maximal im mittleren Bereich. Doch es soll trocken bleiben - und damit steigt der Index. mehr

Videos