Stand: 10.09.2019 14:07 Uhr

Messe Husum Wind: Günther beklagt Stillstand

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Daniel Günther: "Der Netzausbau erfolgt zu langsam, Windräder stehen oft still."

Komplizierte Ausschreibungsverfahren, lange Genehmigungsverfahren, Klagen gegen geplante Windparks - und der Windanlagenbauer Senvion wird zerschlagen: Die Windkraft-Branche ist in der Krise. Unter diesem Eindruck ist am Dienstag die Messe Husum Wind gestartet. Der "Innovationsmotor Windkraft" sei ins Stottern gekommen, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei der Eröffnung. "Der Netzausbau erfolgt zu langsam, Windräder stehen oft still, und das System an Abgaben und Umlagen in Deutschland ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit", kritisierte Günther die Bundesregierung. Bundesenergieminister Peter Altmaier (CDU) müsse "Farbe bekennen". Die Landesregierung kündigte für den 20. September eine Bundesratsinitative an.

In ihrem Koalitionsvertrag hatten CDU, CSU und SPD eine Erhöhung des Ausbauzieles für Erneuerbare Energien auf 65 Prozent bis 2030 vereinbart. "Zur Erreichung des 65-Prozent-Ziels bis 2030 brauchen wir jetzt einen verbindlichen Maßnahmenkatalog, der auch zur Stärkung der Windenergiebranche beiträgt", sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Matthias Zelinger.

Das Kabinett sitzt fast komplett in der ersten Reihe

Hermann Albers vom Bundes-Windenergieverband bekräftigte: "Wir sind weit weg von den Zielen, die wir uns selber bei dem Ausbau erneuerbarer Energien gesetzt haben." Von Husum soll offensichtlich ein Signal ausgehen: Mit Ausnahme eines Ministers ist das gesamte schleswig-holsteinische Kabinett vor Ort. Es hat ab Mittag auch in Husum getagt. Die Ministerinnen und Minister saßen während Günthers Rede in der ersten Reihe.

In der Bundesratsinitiative will die Landesregierung die Bundesregierung auffordern, "umgehend Maßnahmen zu ergreifen, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien wieder zu beleben und die Ausbauziele und Ausschreibungsmengen für alle Erneuerbare-Energien-Technologien so anzuheben, dass die klimapolitischen Zielsetzungen erreicht werden", hieß es in einer Mitteilung des Energiewendeministeriums.

Albrecht: Bund "muss Fuß von der Bremse nehmen"

Der Bund müsse "jetzt endlich den Fuß von der Bremse nehmen", sagte Ressortchef Jan Philipp Albrecht (Grüne). Er forderte "eine belastbare Ausbauperspektive". Entscheidend sei, dass die Deckelung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien im Photovoltaikbereich und bei der Windkraft an Land beendet werde, so Albrecht. In Schleswig-Holstein erarbeite man einen Kompromiss für den Ausbau der Windenergie, "der bundesweit Signalwirkung haben könnte", erklärte Albrecht, ohne allerdings ins Detail zu gehen.

Windkraftanlagen-Riese Vestas: Deutschland nur noch achtgrößter Absatzmarkt

Wie schwer die Windkraft-Krise in Deutschland inzwischen ist, zeigt eine Reaktion des weltweit größten Herstellers von Windkraftanlagen, Vestas. Der Manager des Unternehmens mit Sitz im dänischen Aarhus, Alex Robertson, sagte NDR Schleswig-Holstein in Husum, dass Deutschland früher der zweitgrößte Absatzmarkt für Vestas gewesen sei. Inzwischen rangiere Deutschland nur noch auf Rang acht.

Alles über Speichertechnologien und Finanzierungsmöglichkeiten

Bis zum 13. September kann das Fachpublikum in Husum alles über Windkraftanlagen, On- und Offshorewirtschaft, Stromumwandlungs- und Speichertechnologien erfahren. Aussteller aus Ländern wie Deutschland, Österreich, Dänemark oder Lettland informieren außerdem über Finanzierungsmöglichkeiten, Vermarktungsstrategien, Softwarelösungen und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Windkraft. Auch aktuelle technische und politische Themen wie der Ablauf der EEG-Förderung stehen auf der Agenda der Messe. Mehr Informationen gibt es auch auf der Webseite von Husum Wind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.09.2019 | 12:00 Uhr

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