Stand: 20.04.2016 16:08 Uhr

Mehrjährige Haftstrafen für JVA-Geiselnehmer

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Das Landgericht verurteilte die Beschuldigten zu langen Haftstrafen.

Etwa sechs Monate zog sich der Prozess um die vereitelte Geiselnahme an der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lübeck-Lauerhof hin. Am Mittwoch hat das Lübecker Landgericht die Urteile verkündet. Der 23-jährige Hauptbeschuldigte wurde zu einer Haftstrafe von sechs Jahren und acht Monaten verurteilt. Er hatte einen JVA-Beamten als Geisel genommen und mit einem Messer bedroht. Die anderen drei Männer bekamen Strafen zwischen anderthalb und knapp drei Jahren.

Verteidiger wollen Rechtsmittel prüfen

Die Richter folgten damit weitgehend den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Für den 23 Jahre alten Hauptangeklagten hatte der Staatsanwalt in der vergangenen Woche eine Haftstrafe von sechs Jahren und elf Monaten wegen versuchten Raubes, Geiselnahme und Gefangenenmeuterei gefordert. Für die anderen Angeklagten beantragte er Strafen zwischen zwei und knapp sechs Jahren. Die Verteidiger kündigten im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord an, Rechtsmittel gegen das Urteil prüfen zu wollen.

Angeklagte: Waren total betrunken

Die vier Angeklagten hatten in dem Prozess gestanden, Heiligabend 2014 einen Justizvollzugsbeamten als Geisel genommen zu haben, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Laut Staatsanwaltschaft lief der Vorfall so ab: Einer der Häftlinge lockte mit einem vorgetäuschten epileptischen Anfall den Wachmann in eine Zelle. Mit einem Brotmesser wurde der Beamte bedroht und als Geisel genommen. Um das Leben der Geisel nicht zu gefährden, öffneten andere JVA-Bedienstete ihnen zwei Türen, letztlich scheiterte der Fluchtversuch aber. Die Angeklagten hatten zu Prozessbeginn im November 2015 ausgesagt, sie seien zur Tatzeit total betrunken gewesen. Die Männer gaben an, in ihrer Zelle selbstgebrannten Schnaps getrunken zu haben.

Spoorendonk unter Druck

Der versuchte Ausbruch sorgte für viel Aufregung in Justiz und Politik in Schleswig-Holstein. Die damalige Leiterin der JVA, Agnete Mauruschat, geriet in die Kritik, weil sie Polizei und Staatsanwaltschaft erst einen Tag später informiert hatte. Sie musste daraufhin ihren Posten räumen. Auch Justizministerin Spoorendonk geriet wegen des Vorfalls unter Druck, weil sie sich zunächst schützend vor die Anstaltsleiterin gestellt hatte. Einige der Angeklagten stehen auch wegen einer Serie von Überfällen vor Gericht. Bei dem Prozess in Schleswig geht es unter anderem um einen Pfandleihhaus-Raub in Kiel.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.04.2016 | 16:00 Uhr

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