Stand: 02.06.2020 05:00 Uhr

Mehr als nur Hilfspakete für Lübecker Obdachlose

von Astrid Wulf

Sie versorgen Obdachlose und Bedürftige mit Essen, Getränken, Kleidung - und haben dazu ein offenes Ohr: Die Ehrenamtler der Lübecker Obdachlosenhilfe. "Gerade jetzt in Corona-Zeiten haben die Menschen großen Gesprächsbedarf", sagt Jan Rühmling. Vor vier Jahren hat er die Initiative gestartet. Damals begann er mit seiner Partnerin und einer Handvoll Helfern, Bedürftige auf den Lübecker Straßen mit heißer Suppe und Lebensmitteln zu versorgen. Zu Beginn waren es etwa zehn Bedürftige pro Tour - heute sind es laut Jan Rühmling bis zu 50.

Initiative fängt auf, was seit den strengen Maßnahmen brachliegt

Dass es inzwischen so viele Bedürftige sind, habe auch mit der Corona-Krise zu tun, sagt Rühmling. Viele Anlaufstellen lägen auf Eis oder hätten ihr Angebot eingeschränkt, darunter auch die Tafeln. Auch an deren Kunden verteilen Rühmling und sein Team von rund 20 Ehrenamtlern Sandwiches und sogenannte Care-Pakete - kleine Hilfspäckchen mit dem Nötigsten drin. Dafür ist der Verein mit dem eigenen "Herzenswärme-Bus" unterwegs, einem umgebauten Transporter. Zwei Mal sind sie in der Woche unterwegs. Die Versorgung der Bedürftigen haben sie sich in einer Kooperation mit der Partei Die Linke und der ansässigen Kirchengemeinde geteilt.

Ehrenamt auf der Straße: Frustrierend und erfüllend zugleich

Die Zahl der Obdachlosen steige, sagt Jan Rühmling. "Das ist frustrierend durch und durch", sagt der Vereinsgründer. Andererseits: "Wir wissen, dass wir eine wichtige Arbeit machen." Der Dank sei zumindest das Vertrauen der Menschen ohne Dach über dem Kopf. Rühmling macht es stolz, dass er und sein Team auch während der Corona-Krise für die Bedürftigen da sein konnten. Der Verein arbeitet gerade am nächsten Projekt - eine besondere Herzensangelegenheit des Vereinsgründers: Ein Wohnprojekt für Obdachlose, die älter als 50 Jahre sind.

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Schleswig-Holstein Magazin | 21.03.2020 | 19:30 Uhr

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