Stand: 08.11.2018 19:39 Uhr

"Jüdische Gemeinden werden Kirchen gleichgestellt"

Die jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein erhalten ab sofort mehr Geld vom Land. Das sieht der neue Staatsvertrag vor, der am Donnerstag vom Schleswig-Holsteinischen Landtag beschlossen wurde. Jüdische Vertreter und Landtagsabgeordnete feierten am Abend den Abschluss gemeinsam in Kiel. Statt wie bisher 500.000 Euro sollen die Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein und der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein nun 800.000 Euro pro Jahr erhalten. Das Land verpflichte sich auch zu prüfen, ob jüdischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in den Vertrag aufgenommen werden könne. Im Interview erklärt Kulturministerin Karin Prien (CDU), welche Vorteile dieser Vertrag den Gemeinden bringt und warum er abgeschlossen wurde.

Ein großer und ein kleiner siebenarmiger Leuchter.

Mehr Geld für jüdische Gemeinde

Schleswig-Holstein Magazin -

Landtagspräsident Klaus Schlie hat den einstimmig verabschiedeten Vertrag mit der jüdischen Gemeinde gefeiert. Zusätzliches Geld soll jüdisches Leben in Schleswig-Holstein fördern.

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Inwiefern profitieren die jüdischen Gemeinden in Schleswig-Holstein von diesem Vertrag?

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Kulturministerin Karin Prien (CDU) hat sich für den neuen Vertrag eingesetzt.

Karin Prien: Es ist wirklich ein großer Tag. Wir brauchen ein lebendiges jüdisches Leben in Schleswig Holstein. Es ist jetzt erstmals so, dass die jüdischen Landesverbände den christlichen Kirchen gleichgestellt werden. Das ist erst mal ein wichtiger symbolischer Akt und achtzig Jahre nach der Pogromnacht ist das auch ein wichtiges Symbol. Die dürfen jetzt all das, was die christlichen Kirchen auch dürfen – sie haben die gleichen Rechte. Da geht es einmal um die Höhe der Zuwendungen, die deutlich erhöht worden sind, aber es geht auch um die Rechte im Bereich Bestattungen. Es geht auch um die Frage jüdischen Religionsunterrichtes an den Schulen. Wir stellen effektiv die jüdischen Landesverbände den christlichen Kirchen gleich.

Warum erst jetzt?

Prien: Das ist eine gute Frage. Man muss sicherlich berücksichtigen, dass nach den furchtbaren Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft jüdisches Leben in Schleswig Holstein erst sehr, sehr langsam wieder entstanden ist. Das ist ein sehr zartes Pflänzchen, was erst langsam gewachsen ist. Mir war es ein besonderes Anliegen, hier auch eine neue Qualität der Zusammenarbeit zu begründen.

Von welcher Dauer ist der Vertrag?

Prien: Der Vertrag ist auf unbestimmte Dauer geschlossen. Wir haben uns auf bestimmte finanzielle Zuwendungen geeinigt, die aber dynamisiert sind. Das heißt: Da gibt es eine jährliche Steigerung entsprechend der Preissteigerungsrate. Insofern können wir auf diesen Vertrag jetzt auf Dauer bauen und in die Zukunft schauen.

Bisher waren die jüdischen Gemeinden unterfinanziert. Da legen Sie jetzt nach. Deckt das die Kosten, um gleichgestellt zu sein mit den christlichen Kirchen?

Prien: Also tatsächlich war Schleswig Holstein bisher das Schlusslicht in der Bundesrepublik, was die Zuwendungen pro Mitglied der Gemeinden angeht. Die war wirklich mit Abstand die geringste. Jetzt haben wir aufgeholt und bewegen uns im Mittelfeld. Ich glaube, das ist eine gute Grundlage dafür, dass die Gemeinden sich auch jetzt mit ihrer Jugendarbeit, mit ihrer Bildungsarbeit, mit ihren sozialen Aktivitäten weiterentwickeln können.

Sie haben sich dafür eingesetzt. Warum ist Ihnen das so ein Herzensanliegen.

Wie Sie wissen bin ich auch selbst jüdischer Abstammung und mir war es eben besonders wichtig, dass wir in diesen Zeiten, in denen der Antisemitismus wieder stärker wird und seine hässliche Fratze zeigt, sehr deutlich machen, dass wir ein lebendiges jüdisches Leben bei uns wollen. Das soll Zukunft haben und nicht immer nur in die Vergangenheit gerichtet sein. Wir wollen junge Juden auch da darin bestärken, ganz aktiv teilzunehmen an unserer schleswig-holsteinischen Gesellschaft.

Das Interview führte Anna Grusnick, NDR 1 Welle Nord.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.11.2018 | 22:00 Uhr

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