Stand: 24.01.2019 17:47 Uhr

Mehr Frauen in der Politik? Diskussion ist eröffnet

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Sabine Sütterlin-Waack fordert, dass jede Partei in einem Wahlkreis eine Frau und einen Mann als Direktkandidaten aufstellt.

In Deutschland wird in diesen Wochen das 100-jährige Bestehen des Frauenwahlrechts gefeiert. Im Bundestag und in den Landesparlamenten dominieren aber nach wie vor männliche Abgeordnete die Sitzreihen. Seit Mittwoch steht ein Vorschlag von Schleswig-Holsteins Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) im Raum, der diese Dominanz brechen soll. Sütterlin-Waack schlägt vor, dass jede Partei in einem Wahlkreis künftig einen Mann und eine Frau als Bewerber für ein Direktmandat aufstellt. Dafür würde die CDU-Politikerin gerne das Wahlrecht ändern lassen. Der Vorschlag von Sütterlin-Waack sorgt auch in der eigenen Partei für überraschte Gesichter.

Heftige Kritik in der Fraktionssitzung

In der Fraktionssitzung am Donnerstag musste sich die Politikerin nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein teilweise heftige Kritik für ihren Vorstoß anhören. Die Rede war demnach von einem Alleingang. Es sei klar, dass die CDU auch mehr weibliche Direktkandidaten brauche, sagte beispielsweise CDU-Fraktionschef Tobias Koch. Er würde aber "den Weg präferieren, dass wir selber als Partei Kandidatinnen finden und es keine Wahlrechtsreform dafür braucht", erklärte Koch.

Vorsitzende der Frauen-Union strahlt

Die Vorsitzende der Frauen-Union im Land, Katja Rathje-Hoffmann, strahlte dagegen über das ganze Gesicht, als sie über die ablehnenden Reaktionen ihrer meist männlichen Kollegen berichtete. Sie sprach von "erwartungsgemäßen" Reaktionen: "Wir wollen ja etwas von den Männern. Und die Männer müssten schon was abgeben. Dass das eine natürliche Abwehr hervorruft, das kann ich gut verstehen."

Designierte SPD-Landeschefin begrüßt Diskussion

Die mögliche neue SPD-Landeschefin Serpil Midyatli begrüßte es, dass verschiedene Modelle diskutiert werden, weil es zeige, "dass man erkennt, dass hier etwas passieren muss". Auch Eka von Kalben, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, freute sich über den Vorschlag. Ihren Aussagen zufolge würden die Grünen gerne ein Paritätsgesetz für das nördlichste Bundesland auf den Weg bringen.

Barley bringt zwei Direktkandidaten ins Spiel

Auch Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hatte im November "echte Rückschritte bei der Gleichberechtigung" in Parlamenten bemängelt. Sie brachte damals größere Wahlkreise mit zwei direkt gewählten Abgeordneten ins Spiel - einer Frau und einem Mann.

Über eine Änderung des Bundeswahlgesetzes muss der Bundestag entscheiden. Eine Reform des Landeswahlgesetzes muss der Schleswig-Holsteinische Landtag beschließen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.01.2019 | 17:00 Uhr

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