Stand: 27.02.2020 09:16 Uhr

Masernimpfpflicht: Viele Schulen sind erleichtert

Vom 1. März an gilt das Masernschutzgesetz. Kinder in Schulen und Kitas müssen dann gegen das Virus geimpft sein - genauso Lehrer und Erzieher. Wie sehen Schulen und Kitas im Norden dem Termin entgegen? Und was sagen Eltern zu der Impfpflicht?

von Anne Passow

Schulleiterin Christiane Wolf vor der gelben Eingangstür der Theodor-Storm-Schule in Bad Segeberg. © NDR Foto: Anne Passow
Die Leiterin der Theodor-Storm-Schule in Bad Segeberg, Christiane Wolf, hält die Masernimpfpflicht für sinnvoll.

Es war erst 11 Uhr, als an einem Freitag im März vergangenen Jahres alle Kinder der Dahlmannschule in Bad Segeberg nach Hause geschickt wurden. Ganz ähnlich lief es an der Theodor-Storm-Grundschule der schleswig-holsteinischen Stadt. An beiden Schulen waren Kinder an Masern erkrankt. Am nächsten Tag kamen nur noch geimpfte Schüler und Mitarbeiter in die Einrichtungen.

Vier Mitarbeiter des Gesundheitsamtes hätten den Einlass kontrolliert, erinnert sich Christiane Wolf, Leiterin der Theodor-Storm-Schule. Nur wer den Impfpass dabei hatte, durfte rein.

Impfen gegen Masern: Vom 1. März an Pflicht

Es waren nicht zuletzt Fälle wie der in Bad Segeberg, die zu der Gesetzesänderung führten. Ein Jahr später bereiten sich Schulleiterin Wolf und ihre Mitarbeiter auf das neue Masernschutzgesetz vor. Das bedeutet, sie müssen die Impfpässe aller vom 1. März an neu angemeldeten Schüler und Mitarbeiter überprüfen - und Ungeimpfte an das Gesundheitsamt melden.

Für alle Schüler und Mitarbeiter, die schon vor dem 1. März in der Schule waren, gilt eine Übergangsfrist bis Sommer 2021. Die Handreichungen des schleswig-holsteinischen Gesundheitsministeriums dazu sind gerade eingetroffen. Ganz schön knapp, findet Uwe Niekiel, Schulleiter der Boy-Lornsen-Grundschule in Brunsbüttel. "Der Anmeldezeitraum für die Grundschulen ist im Oktober/November gewesen", sagt Niekiel. "Nun müssen die Eltern aller neuen Erstklässler erneut zur Schule, um den Nachweis für Masernschutz vorzuzeigen. Das erzeugt Unmut."

Eltern müssen Impfschutz nachweisen

Kindergärtnerin Steffi Zilch steht vor der Kita im Sonnenschein. © NDR Foto: Anne Passow
In der Kita Falkennest sind bereits fast alle Kinder geimpft, berichtet Leiterin Steffi Zilch.

Die Eltern an der Boy-Lornsen-Grundschules in Brunsbüttel sind geteilter Meinung, wenn es um die Impfpflicht geht. Der Schutz der Kinder ist allen wichtig, aber ob die Pflicht ethisch vertretbar ist, das ist umstritten.

Für die meisten Eltern sei es aber keine Frage, ob sie ihre Kinder impfen lassen, sagt Steffi Zilch. Sie leitet die Kita Falkennest im schleswig-holsteinischen Barsbüttel. Dort werden nun zwei oder drei Kindern nachträglich geimpft. Einige Eltern hätten sich beraten lassen, ob es andere Optionen gebe, so Zilch. Das Gesetz lasse da aber keinen Spielraum.

Ausbreitung der Masern verhindern

Ungeimpfte Kitakinder darf Zilch vom 1. März an nicht mehr aufnehmen. Bei ungeimpften Schulkindern gelte weiter die Schulpflicht, so Medizinrechtler. So droht im schlimmsten Fall den Eltern eine Geldstrafe.

Schulleiterin Wolf ist froh, dass die Impfpflicht kommt. Im vergangenen Jahr konnte sie erleben, was passiert, wenn ein Virus um sich greift. Mit Blick auf das Coronavirus sei sie deshalb froh, für die Masern einen guten Impfschutz zu haben. So kann sich zumindest diese Krankheit nicht weiter ausbreiten.

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NDR Info | Infoprogramm | 28.02.2020 | 06:08 Uhr

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