Stand: 04.06.2018 17:31 Uhr

Marinekadetten legen mit der "Mircea" ab

Das Segelschulschiff "Mircea" © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam
Wie die "Gorch Fock" wurde die "Mircea" bei Blohm + Voss in Hamburg gebaut. Beide Schiffe sind baugleich.

Zum zweiten Mal sind Offizieranwärter der Deutschen Marine am Montagvormittag mit dem rumänischen Dreimaster "Mircea" in See gestochen. Die große seemännische Ausbildungsfahrt startete in der rumänischen Hafenstadt Constanța am Schwarzen Meer. Von dort geht es laut Marine durch den Bosporus ins Mittelmeer nach Griechenland, Montenegro und Italien. Nach etwa einem Monat sollen die rund 55 Kadetten am 6. Juli wieder in Constanța eintreffen. Von Mitte August bis Mitte September starten dann noch einmal deutsche Kadetten zu einer Ausbildungsfahrt.

"Mircea" und "Gorch Fock" baugleich

Die "Mircea" vertritt die "Gorch Fock", die noch bis voraussichtlich Frühjahr 2019 für bis zu 135 Millionen Euro in einem Bremerhavener Dock saniert wird. Die "Mircea" ist baugleich mit der "Gorch Fock", beide Segelschiffe wurden in Hamburg bei Blohm + Voss gebaut. Deshalb hatte die Deutsche Marine den rumänischen Dreimaster bereits im vergangenen Jahr als Ersatz gewählt.

Bis zum Jahr 2040 segeln

Durch die Rundumerneuerung soll ermöglicht werden, dass die "Gorch Fock" über das Jahr 2040 hinaus in See stechen kann. Zunächst war man im Verteidigungsministerium von Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro ausgegangen. Zwischenzeitlich wurde im Ministerium auch ein Neubau diskutiert. Doch damit wären 70 Millionen Euro verloren gewesen. Werften haben laut NDR Info bereits Arbeiten im Wert von 45 Millionen Euro erbracht, Leistungen im Wert von 25 Millionen Euro sind vertraglich vereinbart.

Offizieranwärter dürfen nicht in Takelage

Kadetten ziehen an einem Tau auf der Mircea. © Presse- und Informationszentrum Marine
Die Kadetten lernen Navigation, Wetterkunde und Seemannschaft. In die Takelage dürfen sie aus Sicherheitsgründen nicht mehr.

Aus Sicherheitsgründen dürfen die deutschen Kadetten auf der "Mircea" nicht in die Takelage. Hintergrund sind zwei tödliche Unfälle auf der "Gorch Fock": Am 7. November 2010 stürzte eine 25 Jahre alte Offizieranwärterin in dem brasilianischen Hafen Salvador de Bahia bei einer Übung aus der Takelage aufs Deck. Bereits 2008 war eine Wache schiebende 18-jährige Kadettin bei Helgoland von der "Gorch Fock" in die Nordsee gestürzt und ertrunken. Nach den Unfällen erhöhte die Marine die Sicherheitsstandards auf dem Segelschulschiff besonders in der Takelage. Diese Standards sind auf der "Mircea" nicht eingehalten.

Mittelmeer so anspruchsvoll wie Nordsee

Die Kadetten lernen neben Navigation und Wetterkunde auch ganz "praktische Seemannschaft": Sie müssen die Funktion der Takelage kennen und Knoten lernen, Tauwerk spleißen und sogar einen eigenen Seesack mithilfe einer stabilen Bootsmannsnaht nähen.

Der Marinenachwuchs übe auch, wie man Segel setzt, betonte der Marinesprecher. Dass die Ausbildungsfahrt im Sommer auf dem Mittelmeer stattfinde, bedeute keine geringeren Anforderungen als Fahrten etwa auf dem Atlantik oder der Nordsee.

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Die Gorch Fock unter vollen  Segeln im Jahr 1976 © dpa /  Picture Alliance Foto: Kurt Scholz

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.06.2018 | 08:00 Uhr

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