Stand: 12.09.2019 05:00 Uhr

Margaretental erwacht aus Dornröschenschlaf

von Cassandra Arden

Das Ausflugslokal Margaretental war berühmt unter den Kielern. Direkt am Nord-Ostsee-Kanal in Kiel-Suchsdorf gelegen, wurde es viele Jahrzehnte lang von Einheimischen zum Tanzen und Feiern und von Besuchern und Touristen zu einem Päuschen mit Kaffee und Kuchen aufgesucht. Dann war 2001 auf einmal Schluss. Nun wurde es nach 18 Jahren Leerstand von der BIG Gruppe gekauft.

Nach 18 Jahren soll Margaretental wiederbelebt werden

Normalerweise realisiert die Gruppe große Bauprojekte. Im Rhein-Main-Gebiet zum Beispiel lassen sie auf 50 Hektar ein neues Quartier entstehen. Auch für ein Bauprojekt auf 180.000 Quadratmetern in List auf Sylt (Kreis Nordfriesland) ist die Gruppe verantwortlich. Wieso also eine Gaststätte in Kiel -Suchsdorf? Der Chef der Gruppe, Marc Weinstock, wohnt selbst in Suchsdorf, nur rund 200 Meter entfernt vom Margaretental. "Meine Eltern waren hier schon zu Gast", sagt er. Nun will er dem Lokal wieder zu altem Glanz verhelfen. Und so kaufte sein Unternehmen zum ersten Mal eine Kneipe, wie er schmunzelnd erklärt.

Die Suchsdorfer vermissen das Ausflugslokal

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Über 100 Jahre war die Gaststätte Margaretental direkt am Nord-Ostsee-Kanal ein beliebtes Ausflugziel für Kieler und Touristen.

Weinstock schließt das Tor auf, das in einem Zaun umringt mit Stacheldraht eingelassen ist. Um das Haus vor Vandalismus zu schützen, wurde das Gelände ringsherum zwei Meter hoch eingezäunt. Weinstock lächelt und berichtet: "Ich hatte den Schlüssel kaum herumgedreht, da kamen schon einige Nachbarn angelaufen." Viele Suchsdorfer vermissen das Ausflugslokal direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Kalli Schacht zum Beispiel wohnt seit 1975 in unmittelbarer nähe und blickt auf den zugewachsenen Garten. Hohe Bäume und Sträucher verdecken Teile des Gebäudes. Schacht schwelgt in Erinnerungen: "Da haben wir Feste gefeiert. Die Leute hier warten richtig drauf, dass hier mal wieder was reinkommt."

Die Gaststätte Margaretental hat eine sehr lange Tradition: Seit 1896 ist sie eine Gaststätte und war fast 100 Jahre lang in Familienbesitz. Sogar vor 1896 haben hier schon Leute gegessen: Damals war dort eine Barackenkantine für die Arbeiter, die den Nord-Ostsee-Kanal bauten.

Seit 18 Jahren steht das Lokal leer

Die Pläne von Weinstock und seinem Unternehmen kommen den Suchsdorfern sehr entgegen. "Ich möchte gerne, dass hier wieder Gastronomie reinkommt", sagt Weinstock. Er blickt in den Garten. Seit 18 Jahren holt sich die Natur das Gelände zurück, aber der Unternehmer bleibt gelassen: "Das sieht alles viel schlimmer aus, als es ist." Durch den Hintereingang geht er ins Haus. Ein muffiger, aber lange nicht so schlimmer Geruch, wie man es erwarten würde, schlägt einem entgegen. "Die Bausubstanz ist sehr gut. Die Wände sind trocken. Klar, die Luft ist abgestanden, aber man riecht keinen Schimmel. Das ist gut."

Geschirr, Tischdecken, Stühle - alles blieb im Haus

Weinstock sieht sich in Ruhe um: "Es sieht wirklich aus, als hätten die Besitzer nur Urlaub machen wollen. Hier steht noch das Geschirr, Stühle, Tische - alles." Er schüttelt staunend den Kopf und freut sich besonders über die alten Cola Gläser in einem der Schränke: "Die kriegt man so gar nicht mehr." Tatsächlich steht im Wintergarten noch ein Schild auf dem mit Kreide geschrieben steht: "Liebe Gäste, wir schließen am 9.09.2001 und freuen uns, Sie im nächsten Jahr wiederzusehen." Dazu kam es aber nicht.

Der neue Eigentümer des vor 18 Jahren geschlossenen Ausflugslokals Margaretental in Kiel-Suchsdorf Marc Weinstock steht vor dem Gebäude. © NDR Foto: Cassandra Jane Arden

Gaststätte Margaretental soll wieder öffnen

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Vor 18 Jahren hat das traditionsreiche Ausflugslokal Magaretental plötzlich dicht gemacht. Ein Unternehmer will die überwucherte Gaststätte jetzt wieder aus dem Dornröschenschlaf holen.

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Der neue Besitzer hat schon einen genauen Plan vor Augen: "Klar, vom Interieur bleibt nichts drin, das muss alles neu. Aber die Aufteilung des Gebäudes ist gut, das werden wir erhalten. Wir überlegen, ob wir den Wintergarten neu machen und den Anbau, wo die Toiletten drin sind, der muss auch neu gemacht werden."

Die Fassade und der Charme des Hauses sollen bleiben

Aber es soll auch vieles vom alten Charme des Gebäudes erhalten werden betont Weinstock: "Ich finde, dass man alt sehr gut mit neu kombinieren kann. Der Kronleuchter hier zum Beispiel," er deutet auf ein massives Schiffssteuerrad, das als Kronleuchter in der Küche hängt, "wenn das alles hier neu gemacht ist, dann kann man doch solche Sachen hervorragend integrieren." Im ersten Stock war früher eine Wohnung. Was genau mit dem Stockwerk mit einem halben Dutzend Zimmern und einem Bad passieren soll, weiß Weinstock noch nicht genau. "Vielleicht machen wir auch wieder Wohnraum daraus, für den Pächter oder auch Personal bietet sich das ja vielleicht an. Vielleicht kann man aber auch Tagungsgäste dort unterbringen." Etwa 10 Personen könnten hier locker unterkommen, meint er. An Ideen mangelt es dem Unternehmer nicht und auch nicht an Motivation, aus dem geschichtsträchtigen Gebäude wieder etwas zu machen.

Schon nächsten Sommer soll es hier wieder fröhlich zugehen

Wenn alles so läuft, wie der Chef es sich vorstellt, dann könnten hier schon nächsten Sommer wieder Gäste bedient werden. "Das heißt, wir müssen uns sputen, aber solange wir nur Gastronomie machen, müssen wir auch nicht so wahnsinnig viel beantragen." Die Stadt unterstütze die Pläne, sagt Weinstock. Außerdem sei Geschwindigkeit auch ein Wert an sich. "Es wird ja auch nicht besser, wenn man zehn Jahre plant. Ich finde, irgendwann muss man sich mal entscheiden und dann umsetzten." Ein bisschen mehr als ein Pott Farbe sei nötig, meint er. Aber die Größenordnung sei ja doch überschaubar. "Das sieht mehr aus, als es ist", wiederholt er noch einmal. Klar, der Chef der BIG Gruppe ist andere Dimensionen gewohnt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 11.09.2019 | 20:00 Uhr

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