Stand: 02.01.2018 20:45 Uhr

Malente will wieder glänzen

von Julian Marxen

Malente wirkt ein bisschen aus der Zeit gefallen: In einigen Straßen stehen prächtige alte Villen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Dann wieder weniger gut gepflegte, kastenförmige Betonbauten aus den 60er- und 70er-Jahren. Kaum genutzte Wassertretbecken erinnern an die Hochzeit des Kneipp-Tourismus. Die Gemeinde in Ostholstein hat eine goldene Vergangenheit, erlangte bundesweit Berühmtheit, weil sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der legendären Sportschule einst auf große Turniere vorbereitete. Reiche Kaufleute aus Berlin, Künstler und Adlige hatten in dem idyllischen Ort zwischen Wäldern, Hügeln und Seen einen Wohnsitz. Doch der Glanz ist längst verblasst: Ein an einen Privatmann verkauftes und jetzt ungenutztes Bahnhofsgebäude, ein fast 40 Meter hohes Beton-Hotel von 1974, das vor Längerem geschlossen wurde, und ein Ortskern, in dem mehrere Läden leer stehen, geben ein trauriges Bild ab.

"Oma-und-Opa-Dorf"

"Viele junge Leute gehen weg, wenn sie mit der Schule fertig sind. Für die ist Malente doch ein Oma-und-Opa-Dorf, in dem nichts passiert", seufzt eine 78-jährige Malenterin, die gerade in einem Geschäft Strickwolle gekauft hat. "Es muss sich etwas ändern. Malente muss endlich wieder lebenswert werden", findet auch Bürgermeisterin Tanja Rönck. Sie ist erst seit Kurzem im Amt und möchte jetzt nachholen, was vielleicht schon längst hätte passieren müssen. Die Gemeinde hat einen Zukunftsplan entwickelt mit der Überschrift "Malente 2030". Bedeutet: In den kommenden zwölf Jahren soll Malente fit gemacht werden. Dazu haben Gemeinde und Einwohner mehr als 150 Ideen gesammelt. "Wenn ich mir den Leerstand hier anschaue, dann müssen wir jetzt schnell prüfen, woran das liegt und wie wir das ändern können", erklärt Rönck, während sie an verwaisten Geschäften vorbeigeht.

Leere Geschäfte, ungepflegter Bahnhof

Dazu will die Bürgermeisterin jetzt eine Analyse in Auftrag geben. Außerdem soll die Einkaufsstraße attraktiver gestaltetet werden, etwa indem die Straße dort verkehrsberuhigt wird. Nur 200 Meter weiter steht ein Arbeiter auf einer Leiter, verputzt die Außenwand am Bahnhofsgebäude. Hier ist lange nichts gemacht worden. Das historische Gebäude ist schon seit vielen Jahren geschlossen, wurde an einen Privatmann verkauft. Das Bahnhofsgelände samt Bahnsteig wirkt ungepflegt und wenig einladend. Auch hier hat die Bürgermeisterin genaue Vorstellungen: "Gebraucht werden neue Park- und Wendemöglichkeiten für Busse und Autos. Im Gebäude könnte eine Art 'Welcome-Center' entstehen, in dem wir unsere Urlauber begrüßen und informieren. Darüber habe ich auch schon mit dem Eigentümer geredet. Ich hoffe, das klappt", meint Rönck.

Neue Tourismusstrategie nötig

Doch dafür müssten dann auch Touristen kommen. Ein Großteil der Malente-Besucher sind momentan Reha-Patienten. "Wir müssen aber auch etwas für junge Leute bieten", weiß Rönck. Ein Vorschlag: ein Baumhaushotel auf einem fast schon in Vergessenheit geratenen Parkgrundstück an der Schwentine. Angedacht im Rahmen des Projekts "Malente 2030" sind außerdem eine Beach-Bar und Open-Air-Kino-Vorführungen am See. "Auch das Thema Kneipp sollten wir neu und sexy denken", schlägt die Bürgermeisterin vor. Denn mit einem erweiterten und modernen Wellness-Angebot könnten sowohl jüngere Urlauber als auch "Best Ager", die älter als 50 Jahre alt sind, angelockt werden.

Der alte Glanz Malentes ist verblasst

Mehr für junge Familien bieten

Zu den Plänen gehören auch der Neubau der Grund- und Gemeinschaftsschule sowie genügend Kitas. "Wir möchten einen modernen Bildungscampus, der den Schülern beste Voraussetzungen bietet und Leuchtturm-Projekt für ganz Schleswig-Holstein werden kann." Ideen gibt es viele, Potenzial auch. Doch wie soll das alles bezahlt werden? Die Gemeinde jedenfalls kann das nicht finanzieren. Tanja Rönck schätzt die Gesamtkosten für "Malente 2030" auf rund 50 Millionen Euro. Zuschüsse sollen unter anderem über die Städtebauförderung und andere Programme fließen. Die Bürgermeisterin wünscht sich aber vom Land, dass Kommunen wie Malente generell mehr Geld über den Finanzausgleich bekommen, damit sie attraktiv werden für kommende Generationen. Und nicht völlig ausbluten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.01.2018 | 17:00 Uhr

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