Ein Luftfilter steht in einem Klassenzimmer. © Johannes Tran Foto: Johannes Tran

Luftfilteranlagen für Schulen: GEW begrüßt Bund-Förderung

Stand: 14.07.2021 13:49 Uhr

Der Bund will mobile Luftfilteranlagen für Schulen finanziell fördern, um die Ausbreitung des Coronavirus zu vermindern. Die Gewerkschaft GEW in Schleswig-Holstein fordert von den Schulträgern, dass sie sich jetzt stärker um die Filter bemühen.

Insgesamt sollen den Ländern und Kommunen vom Bund 200 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen. Mit dem Geld soll der Kauf von mobilen Luftfilteranlagen finanziell unterstützt werden. Ziel sei, dass der Präsenzunterricht im zweiten Halbjahr so sicher wie möglich gemacht werde, betonte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

GEW: Hätte früher passieren müssen

In Schleswig-Holstein fordert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), dass sich die Schulträger jetzt stärker um die Filter bemühen. Es sei höchste Zeit, dass da etwas passiert, meint GEW-Chef Bernd Schauer. "Wir hätten uns gewünscht, dass schon viel früher die Anlagen und auch die mobilen Geräte zur Verfügung gestellt werden." Es müsse auch im Hinblick auf die Delta-Variante alles getan werden, um gewappnet zu sein, meint Schauer - "und dazu gehören auch vernünftige Lüftungsgeräte."

Ein Luftfiltergerät steht in einem Fachraum einer Schule in Oldenburg. © picture alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich Foto: Hauke-Christian Dittrich
AUDIO: Schulleiterin aus Ratekau freut sich über Förderung (1 Min)

Schulträger in Schleswig-Holstein skeptisch

Laut GEW-Chef Schauer hat sich die Masse der Schulträger in Schleswig-Holstein beim Kauf von Luftfilteranlagen bislang zurückgehalten. Das bestätigen auch Recherchen von NDR Schleswig-Holstein. Viele Kommunen sind skeptisch. Lübeck sieht die Filter sogar kritisch und auch Möllns Bürgermeister Jan Wiegels (SPD) will die Anlagen nicht haben, "weil der Nutzen wirklich ungewiss ist. Und die Schulen selbst sagen, dass sie mit dem Lüften klargekommen sind." Zusätzlich stünden gerade umfangreiche Schulsanierung bevor, für die dringend Geld von Bund und Land benötigt werde, so Wiegels.

Problem: Produktion der Anlagen wurde heruntergefahren

Sollte die Nachfrage nach mobilen Filteranlagen aufgrund der Förderzusage des Bundes trotzdem stark ansteigen, könnte es aber schon das nächste Problem geben: monatelange Lieferzeiten. Das meint der Filteranlagen-Verkäufer Marco Treimer aus Lübeck. Er bestätigt, dass die Schulträger gerade in Schleswig-Holstein nur wenig Interesse an den Anlagen gezeigt hätten, deswegen sei die Produktion hochwertiger Geräte heruntergefahren worden, berichtet Treimer. "Die Industrie ist tatsächlich auf eine derartige Förderung, auf die Anzahl der benötigten Geräte, höchstwahrscheinlich nicht vorbereitet. Sowohl was Material als auch Produktionskapazitäten angeht." Es gebe auf dem Markt auch nur wenige Anbieter, die sinnvolle Geräte überhaupt anbieten, meint Treimer. Er rechne deswegen mit "sehr, sehr langen" Lieferzeiten.

Prien: Luftfilter sind kein Allheilmittel

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien forderte bereits Anfang der Woche, dass der Bund seine Förderprogramme für mobile Luftfilter in Klassenräumen öffnen müsse. Aus ihrer Sicht sind solche Anlagen kein Allheilmittel und dürften nicht zur Nachlässigkeit bei den anderen Hygienemaßnahmen verleiten. Der Einsatz von Filtergeräten in Schulen sei auch unter Expertinnen und Experten weiter umstritten, sagte Prien.

Keine klare Empfehlung

Das Umweltbundesamt hat die Geräte zunächst nur als Ergänzung für das Fensterlüften empfohlen. In einer Richtlinie für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen hatten medizinische Fachgesellschaften, Robert Koch-Institut, Bildungs- und Kinderschutzverbände weder eine klare Empfehlung für noch gegen die Geräte ausgesprochen. Trotzdem solle man im Hinblick auf die zunehmende Dominanz der Delta-Variante nichts unversucht lassen, meinte auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Prien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.07.2021 | 15:00 Uhr

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