Stand: 14.11.2019 17:20 Uhr

Lübecker St. Jakobi Kirche wieder in der Zeit

Ein halbes Jahr lang stand die St. Jakobi Kirche in Lübeck nackt da, weil ein Zeiger der Turmuhr wegen einer defekten Schraube aus 60 Metern Höhe auf den Boden fiel. "Verletzt wurde damals im Februar Gott sei Dank niemand", sagte Jakobi-Pastor Lutz Jedeck mit Erleichterung in der Stimme. Die Materialprüfungsanstalt der Hansestadt Bremen hatte kurz darauf eine Schraube als Ursache für den Unfall ausgemacht. Sie habe "ermüdungsbedingt versagt", schrieben die Experten in ihrem Gutachten. Die anderen drei Zeiger wurden sicherheitshalber ebenfalls abmontiert. Am Donnerstagmittag war es endlich soweit: Höhenkletterer haben die schwindelerregende Aufgabe übernommen, die Zeiger wieder an ihren Platz zu bringen.

Kletterexperte: "Man muss wachsam bleiben"

Für einen Blick aus 60 Metern Höhe auf die Giebel der schönen Lübecker Altstadt hat er heute eigentlich keine Zeit: Henner Meger hängt zwar sicher an einem Seil, wenn er einen der 25 Kilogramm schweren Zeiger an den Kirchturm montiert, aber er muss höllisch aufpassen: "Es darf nicht zur Routine werden, man muss hier oben immer konzentriert und wachsam bleiben", betont der Kletterexperte, der alle zweieinhalb Meter großen Zeiger anmontiert. Seine Kollegen ziehen den Zeiger über das Fenster mit einer Art Flaschenzug in die richtige Position. Meger dreht die 13er-Schrauben mit seinem Schlüssel fest.

Lübecker St. Jakobi Kirche hat ihre Zeiger wieder

23.000 Euro für Reparatur

Nach sechs Stunden hat Henner Meger die jeweils 25 Kilogramm schweren Zeiger montiert. "Wir sind glücklich, dass die vier braunen Felder nun von den golden Zeigern wieder geschmückt werden und dass sie pünktlich zum Advent in alle vier Richtungen strahlen können und den Leuten zeigen, wenn der Weihnachtsmarkt um 16 Uhr beginnt", unterstrich Pastor Jedeck. Die 23.000 Euro teure Reparatur konnte durch Spender finanziert werden, deren Namen nun auf den Zeigern eingraviert sind.

Statt bisher zwei, sichern künftig fünf Schrauben jeden Zeiger - vier an der Hinterseite und eine zentrale Schraube in der Mitte der Zeiger. Anders als bei anderen Turmuhren hat die Jakobi-Turmuhr nur jeweils einen Zeiger für seine vier Zifferblätter. "Dadurch wirke er sehr entschleunigend für viele Menschen", betonte Pastor Jedeck. Einen Minutenzeiger gibt es nicht, weil die Jakobi-Uhr noch aus dem 17. Jahrhundert stammt und eine Minutenanzeige damals nicht üblich war.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 14.11.2019 | 19:30 Uhr

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